Innsbruck

Innsbruck, Maria Theresienstraße
Innsbruck, Maria Theresienstraße

Innsbruck Hauptstadt der Gefürsteten Grafschaft Tirol im Kaisertum Österreich, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Innsbruck 26.866 Einwohner (1900)

Innsbruck, Maria-Theresienstraße
Innsbruck, Maria-Theresienstraße

Innsbruck in Tirol im Kaisertum Österreich

Innsbruck ist die Hauptstadt der Gefürsteten Grafschaft Tirol.

Innsbruck liegt in schöner Lage, 574 Meter über dem Meer, zu beiden Seiten des Inn, unweit der Mündung der Sill, an den Linien Kufstein-Ala der Südbahn und Innsbruck-Bregenz der Staatsbahnen, im Mittelpunkt einer weiten Ebene, die im Norden von den schroffen Felswänden der Nordtiroler Kalkalpen (Solstein 2641 m, Frauhitt 2272 m), im Süden von den Ausläufern der Stubaier und Zillertaler Alpen (Saile 2406 m, Waldrastspitze 2719 m, Patscher Kosel 2248 m) begrenzt wird. Die Stadt Innsbruck hat breite Straßen und namentlich in den neuen Stadtteilen ansehnliche Gebäude. Über den Inn führen drei eiserne Brücken.

Innsbruck, Leopoldsbrunnen k.k. Hofburg mit Frau Hitt-Gebirge
Innsbruck, Leopoldsbrunnen k.k. Hofburg mit Frau Hitt-Gebirge

Unter den Kirchen ist die bedeutendste die Franziskaner- oder Hofkirche, 1553–63 im Renaissancestil erbaut, mit dem prachtvollen Grabdenkmal Maximilians I. (dessen Leichnam jedoch in Wiener-Neustadt beigesetzt ist), einem Marmorsarkophag mit schönen Reliefs von Alexander Colins und der knienden Gestalt des Kaisers, umgeben von 28 kolossalen Erzstatuen von berühmten Fürsten und Fürstinnen. An der linken Seitenwand der Kirche befinden sich das Grabdenkmal Andreas Hofers, daneben die Denkmäler Speckbachers und Haspingers, auf der anderen Seite das Monument der in den Befreiungskämpfen von 1796–1809 gefallenen Tiroler.

Innsbruck, Stadttheater und Blick zur Hungerburg
Innsbruck, Stadttheater und Blick zur Hungerburg

Die sogenannte silberne Kapelle enthält die Grabmäler des Erzherzogs Ferdinand († 1595) und seiner Gemahlin Philippine Welser, beide von Alexander Colins. Andere bemerkenswerte Kirchen sind die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob (1721 vollendet) mit Marienbild von Lucas Cranach und Grabmal des Deutschmeisters Erzherzog Maximilian († 1618), die Universitäts- oder Jesuitenkirche (1640), die Servitenkirche (1614) und die Klosterkirche zur ewigen Anbetung, mit neuem Mosaikbild an der Fassade.

Innsbruck, Rennplatz Hofkirche und k. k. Hofburg
Innsbruck, Rennplatz Hofkirche und k. k. Hofburg

Unter den weltlichen Gebäuden zeichnen sich aus: die kaiserliche Burg (1766–70 im Zopfstil umgebaut), mit großem, mit Fresken geschmücktem Saal; die 1425 von Friedrich mit der leeren Tasche erbaute Fürstenburg mit einem schönen gotischen Erker, dessen Dach mit vergoldeten Kupferplatten gedeckt ist (Goldenes Dachel); die Ottoburg (von 1234), das Rathaus, das Stadttheater, das Museum, das Landhaus (1728), das Postgebäude (ehemals Palais Thurn und Taxis), das Justizgebäude (1887), die neuen Stadtsäle (für öffentliche Festlichkeiten, 1890 erbaut), das katholische Kasino u. a.

Innsbruck, Seilergasse mit Stadtturm
Innsbruck, Seilergasse mit Stadtturm

In der Mitte der Maria Theresien-Straße befindet sich die Annasäule, zum Andenken an die Räumung des Landes durch die bayrischen und französischen Truppen 1703 errichtet; am südlichen Ende dieser Straße die Triumphpforte (1765 anlässlich der in Innsbruck gefeierten Vermählung des nachmaligen Kaisers Leopold II. erbaut); in den Anlagen am Innufer das Standbild Walters von der Vogelweide, auf dem Margaretenplatz ein Brunnen mit der Statue Rudolfs IV., vor den Stadtsälen der Leopoldsbrunnen mit dem Reiterstandbild des Erzherzogs Leopold († 1632). Sehenswert ist ferner der neue Friedhof im Westen der Stadt.

Innsbruck mit Berg Isel und Stift Wilten
Innsbruck mit Berg Isel und Stift Wilten

Im Jahr 1900 leben in Innsbruck 26.866 meist deutsche, katholische Einwohner (darunter 2475 Mann Militär). Seit der 1903 erfolgten Vereinigung von Wilten und Pradl mit Innsbruck ist die Einwohnerzahl auf 41.108 gestiegen. Als Vororte von Innsbruck sind die angrenzenden Orte: Hötting (5693 Einwohner) und Mühlau (1017 Einwohner) zu betrachten. Die Industrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerei und -Weberei, Tuchfabrikation, Samtweberei, Fabrikation von Leibwäsche, Strohhüten, Möbeln, Maschinen, Metallwaren, Glocken, Teigwaren, Kaffeesurrogaten, Essig, Seifen und Kerzen, Bierbrauerei, Glasmalerei, Buchdruckerei u. a.

Innsbruck, Drahtseilbahn auf die Hungerburg
Innsbruck, Drahtseilbahn auf die Hungerburg

Von Bedeutung ist auch der Handel und während der Sommermonate der Fremdenverkehr. Innsbruck ist Stadt mit eignem Gemeindestatut und Sitz der Statthalterei, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung), des Oberlandesgerichts, eines Landesgerichts, der Finanzlandes- und Bezirksdirektion, der Post- und Telegraphendirektion, der Staatsbahndirektion, der Forst- und Domänendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, des Landeskulturrates, des 14. Korpskommandos, des Tiroler Landtags etc. sowie eines deutschen Konsuls.

Innsbruck, Hauptbahnhof mit Serles
Innsbruck, Hauptbahnhof mit Serles

An Unterrichtsanstalten in Innsbruck sind hervorzuheben: die Leopold Franzens-Universität (vom Kaiser Leopold I. 1677 gegründet, 1858 durch die theologische und 1869 durch die medizinische Fakultät vervollständigt, neuerdings mit juristischen Kursen für Italiener, mit im Jahr 1901 = 123 Lehrenden und 1019 Studierenden, einer Bibliothek von 160.000 Bänden, einem anatomischen, pathologischen und physiologischen Institut, einem chemischen Laboratorium, einem wegen seiner Alpenflora bekannten botanischen Garten etc.; ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrer- und eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Staatsgewerbeschule und eine Handelsakademie. Klöster gibt es 10, darunter das älteste Kapuzinerkloster in Deutschland (von 1594), ein Kloster der Ursulinerinnen mit höherer Töchterschule, das Prämonstratenser- und das Karmeliterinnenkloster in Wilten.

Innsbruck, Mariabrunn
Innsbruck, Mariabrunn

Ferner besteht hier eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Landeshypothekenanstalt, eine Sparkasse, eine städtische Pfandleihanstalt, ein Lagerhaus, ein Landesmuseum (Ferdinandeum) mit reichen Sammlungen von naturgeschichtlichen und Kunstgegenständen, ein städtisches Krankenhaus, eine Landesgebäranstalt (Wilten) und ein von I. von Sieberer gestiftetes Waisenhaus sowie ein weltliches adliges Damenstift. Innsbruck hat Badeanstalten, Gas- und elektrische Beleuchtung. Beliebte Punkte der Umgebung sind Schloss Ambras, der Berg Isel, die Weiherburg, die Lanser Köpfe (931 m), die beliebte Sommerfrische Igls (870 m, mit Hotels, Pensionen und 264 Einwohner) und der Patscher Kosel (2248 m). Eine Dampfstraßenbahn führt von Innsbruck nach Hall und zum Berg Isel; von da gehen Lokalbahnen nach Igls und in das Stubaital.

Innsbruck, Ottoburg, ältestes Haus Innsbruck's
Innsbruck, Ottoburg, ältestes Haus Innsbruck’s

Innsbruck ist zwar eine mittelalterliche Schöpfung, steht aber auf einem Boden, der als Ausgangspunkt der Brennerstraße schon in der Römerzeit besiedelt war; südlich von Innsbruck lag Veldidena, das heutige Dorf Wilten, eine Hauptniederlassung der Römer in Rätien. Nachdem diese in der Völkerwanderung zerstört worden, erstand 1128 das Prämonstratenserstift Wilten und auf dem Schlossberg von Ambras die Burg der bajoarischen Gaugrafen vom Inntal, als welche uns die Grafen von Andechs im 12. Jahrhundert entgegentreten.

Innsbruck, Schloss Weiherburg
Innsbruck, Schloss Weiherburg

Zunächst gehörte Innsbruck, zum ersten Mal 1028 urkundlich genannt, zum Kloster Wilten, dann bildete sich unter den Andechs-Meranern an der Fähre über den Inn eine Ansiedelung, und aus der Innüberfahrt wurde eine Innbrücke, woraus Name und Wappen des Ortes entstand. 1232 wurde Innsbruck von dem letzten Andechs-Meraner, Herzog Otto, zur Stadt erhoben. Als 1363 Tirol an Österreich kam, wurde Innsbruck Landeshauptstadt, und Friedrich mit der leeren Tasche schlug zuerst hier seine bleibende Residenz auf.

Innsbruck, Andreas Hofer-Denkmal
Innsbruck, Andreas Hofer-Denkmal

In der Folge erhielt Innsbruck besonderen Glanz durch den häufigen Aufenthalt Maximilians I. und der tirolisch-habsburgischen Fürsten. Ein neuer Aufschwung der Stadt erfolgte im vorigen Jahrhundert. In nationaler Hinsicht zeigte sich in den letzten Jahrzehnten ein stetes Anwachsen der italienischen Bevölkerung in Innsbruck, das begünstigt wurde durch zahlreiche italienische Studenten an der Universität. Die Umwandlung der seit längerer Zeit an der Universität gehaltenen italienischen Kurse für Rechtshörer in eine selbständige (provisorische) Rechtsfakultät in Innsbruck veranlasste bei deren Eröffnung am 3. November 1904 blutige Straßenkämpfe zwischen der italienischen Studentenschaft und der deutschen Bevölkerung der Stadt.

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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