Neupommern

Deutsch-Neuguinea, Papua im Kriegsschmuck, Gazelle-Halbinsel, Einfahrt nach Rabaul
Deutsch-Neuguinea, Papua im Kriegsschmuck, Gazelle-Halbinsel, Einfahrt nach Rabaul

Neupommern (Kreolsprache Unserdeutsch) als deutsche Kolonie von 1884 bis 1919 in einer Übersicht mit Ansichtskarten und Landkarten vor 1918.

Südlicher Teil von Rabaul, vom Namanulaweg aus gesehen
Südlicher Teil von Rabaul, vom Namanulaweg aus gesehen

Neupommern (bis 1885 Neubritannien, das Birara der Einheimischen) ist die größte Insel des Bismarck-Archipels im ehemaligen deutschen Südsee-Schutzgebiet. Die Insel bildet einen flach gekrümmten Bogen von 440 km Länge und 150 km größter Breite. Neupommern hat eine Fläche von 25.000 km² und ist damit so groß wie Sizilien.

Neupommern, 1914
Neupommern, 1914

Die im Westen durch die Dampierstraße von der Rookinsel, im Nordosten durch den St. Georgskanal von Neumecklenburg (heutiges Neuirland) getrennte Insel war damals kaum an den Küsten bekannt, deren Verlauf und durchweg starke Gliederung noch nicht sicher festgestellt. Man trifft vielfach Madreporenkalk; im Innern scheinen vulkanische Gesteine (Andesit, Bimsstein, Obsidian) zu herrschen.

Gazelle-Halbinsel, 1914
Gazelle-Halbinsel, 1914

Am besten bekannt war der nordöstliche Teil, in dem sich eine Reihe teils noch tätiger, teils erloschener Vulkane erhebt, so an der Nordküste der Vater (1220 m) mit dem Nordsohn (396 m) und dem Südsohn (914 m) und auf der nur durch eine schmale Landzunge mit dem Rumpfe verbundenen Gazellehalbinsel die Mutter (774 m) mit der Nord- und der Südtochter (598 und 536 m) an der Nordküste und dem Varzin (605 m) in der Mitte.

Simpsonhafen, Die ersten Anfänge
Simpsonhafen, Die ersten Anfänge

Dämpfe steigen aus diesen Vulkanen noch immer auf, Erderschütterungen sind häufig, ein heftiger Ausbruch fand 1879 statt. Am Westende der Insel erheben sich dicht nebeneinander die Vulkane Below (670 m) und Hunstein (2000 m). In fruchtbaren Ebenen glaubte man im Plantagenbau eine gute Zukunft zu sehen. Die Pflanzenwelt ist äußerst üppig, mächtige Waldungen bedecken die Berge bis zu ihren Spitzen, begünstigt durch die reichen Niederschläge. Von den vielen Flüssen sind mehrere schiffbar.

Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark
Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark

Nachdem schon die Neuguinea-Kompanie den Sitz der Verwaltung 1890 von Kerawara (Neulauenburg) nach Herbertshöhe auf der Gazellehalbinsel verlegt hatte, wohnte hier der kaiserliche Gouverneur von Deutsch-Neuguinea (Deutsches Südsee-Schutzgebiet). Handelsstationen besaßen Hernsheim & Co., die Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee, die Neuguinea-Kompanie, Forsayth etc. Die weiße Bevölkerung besteht Anfang 1905 aus 262 Personen (60 weibliche). Kokospalmen und Baumwolle werden angepflanzt.

Simpsonhafen, Agenturgebäude des Norddeutschen Lloyd
Simpsonhafen, Agenturgebäude des Norddeutschen Lloyd

Herbertshöhe und Matupi waren die wichtigsten Häfen. In der Blanchebucht zwischen Matupi und Malagunan hatte der Norddeutsche Lloyd einen gegen die Passatwinde geschützten Hafen (Simpsonhafen) ausgebaut.

Rabaul und Umgebung, 1914
Rabaul und Umgebung, 1914

Im September 1914 wurde die Insel von australischen Truppen erobert und ab 1919 als Mandat des Völkerbundes von Australien verwaltet. Neupommern wurde wieder in Neubritannien (New Britain) umbenannt und die wenigen deutschen Farmer vertrieben. Politisch gehört die Insel heute zu Papua-Neuguinea, das seit 1975 unabhängig ist.

Australien und Oceanien (1912)
Australien und Oceanien (1912)

Unserdeutsch

1897 wurde in Vunapope, einen Ortsteil von Herbertshöhe, die katholischen Missionsschule der Herz-Jesu-Mission gegründet. Hier wurden Kinder indigener Frauen und europäischer bzw. asiatischer Väter in deutscher Sprache unterrichtet. Dabei entstand „Unserdeutsch“, in der englischsprachigen Fachliteratur auch unter dem Namen „Rabaul Creole German“ bekannt. Es ist die einzige deutsch relexifizierte Kreolsprache der Welt und wird heute nur noch von höchstens etwa 100 älteren Menschen in Australien und Papua-Neuguinea gesprochen.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Andrees Allgemeiner Handatlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1914
  • Tonaufnahmen Unserdeutsch, Universität Bern

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6 Kommentare

  1. Eine hochinteressante Webseite mit vielen Informationen und sehr guten Postkartenbilder über die Kolonialzeit aber auch über Deutschland, Oesterreich und auch die Schweiz vor über 100 Jahren.

  2. Ich habe niemals zuvor etwas von Neupommern gehört und habe diesen Artikel mit großem Interesse gelesen!
    Viele Grüße aus Greifswald in Vorpommern!
    Matthias

  3. Sehr interessanter Artikel. Leider scheint die Audiodatei „Das Rumpelstilzchen-Märchen auf Unserdeutsch“ nicht mehr zu funktionieren.

    Viele Grüße!

    Alex

  4. Guten Abend
    „Ich dachte“ die deutschen Kolonialherren waren die Mörder und Verbrecher schlecht hin!
    Da habe ich wohl zu viel Qualitätsmedien geschaut oder zu viel Fakten Checker ( Mister Wissen zum gehen) geschaut!
    Beim BR ist das Video gesperrt aber das ist ja auch kein Wunder, den es entspricht nicht der politischen Agenda in der BRD!!
    Danke fürs Video das Original ist viel länger gewesen!
    MfG Ralf Schwolow

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