Görz am Isonzo

Görz

Stadt im Kaisertum Österreich mit eignem Statut und Hauptstadt des Kronlands Görz und Gradisca

Görz 25.432 Einwohner (1900)

Görz, Hauptplatz mit Kastell
Görz, Hauptplatz mit Kastell

Görz

Görz (italienisch Gorizia, slowenisch Gorica) ist eine Stadt im Kaisertum Österreich mit eigenem Statut und Hauptstadt des Kronlands Görz und Gradisca.

Sie liegt reizend in einer fruchtbaren Ebene am Isonzo, an der Südbahnlinie Triest-Nabresina-Cormons und der Staatsbahnlinie Görz-Haidenschaft. Auf einem Hügel über der Stadt (156 m) erhebt sich das verfallene, teilweise als Kaserne benutzte ehemalige Schloss der Grafen von Görz mit Wällen und Bastionen aus dem 16. Jahrhundert. Bemerkenswerte Gebäude sind die Domkirche aus dem 17. Jahrhundert mit reichem Sanktuarium, die ehemalige Jesuitenkirche, das Landhaus, das Munizipalgebäude, der Bischofshof, das Theater und mehrere Privatpaläste. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (1761 Mann) 25.432 Einwohner (16.112 Italiener, 4754 Slowenen und 2760 Deutsche).

Görz, Hauptplatz
Görz, Hauptplatz

Die Einwohner betreiben bedeutenden Obst- und Weinbau und lebhaften Handel (namentlich Ausfuhr von frühem Obst, Weintrauben und Gemüsen). Die Industrie ist durch eine Baumwollspinnerei und -Weberei, Seidenfilande und Seidenabfallspinnerei, Färberei, Dampfmühle und Brotfabrik, Bierbrauerei sowie durch Fabriken für Teigwaren, Papier, Leder, Seife und Kerzen, Zündhölzer, Weinstein und kandierte Früchte vertreten. Die Stadt ist Sitz eines Fürsterzbischofs, des Landtags und Landesausschusses für Görz und Gradisca, einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Forst- und Domänendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, hat ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, ein theologisches Zentralseminar, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Landesackerbauschule, eine landwirtschaftlich-chemische Versuchsstation, eine Studienbibliothek, ein Landesmuseum, eine Taubstummenanstalt, eine Sparkasse, eine Gasanstalt etc.

Görz am Isonzo
Görz am Isonzo

Wegen seines milden Klimas und seiner geschützten Lage ist Görz als Winterkurort viel besucht (mittlere Jahrestemperatur 12,95°C, mittlere Wintertemperatur 3,47°C). Auf der Höhe nordöstlich der Stadt liegt das Franziskanerkloster Castagnavizza mit den Gräbern des Königs Karl X. von Frankreich († 1836), seines Sohnes, des Herzogs von Angoulême († 1844), und dessen Gemahlin († 1851), sowie des Grafen Heinrich von Chambord († 1883) und dessen Gemahlin Maria Theresia († 1886).

Görz, Castello
Görz, Castello

Die gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca

Die gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca, ein österreichisches Kronland, bildet mit der Stadt Triest nebst Gebiet und der Markgrafschaft Istrien das Österreichisch-illyrische Küstenland. Die Landschaft gehörte in frühester Zeit zu Illyricum, später zum Herzogtum Friaul und hatte mit diesen Ländern gleiches Schicksal, bis sie im 11. Jahrhundert zu einer besondern Grafschaft erhoben wurde, die in der Familie der Eppensteiner und seit dem 12. Jahrhundert in der der Lurngauer Grafen von Görz erblich war. 1500, nach dem Aussterben der Grafen von Görz, fiel das Land an Österreich, mit dem es bis auf eine kurze Unterbrechung zur Zeit der französischen Okkupation 1809–14 vereinigt blieb. Von den im Jahr 1900 hier lebenden 232.897 Einwohnern waren 140.582 Slowenen, 81.136 Italiener und Friauler und 3498 Deutsche.

Görz, Dom Kirche vom Castell
Görz, Dom Kirche vom Castell

Wappen:

Schrägrechts gespalten; vorn von Silber und Rot fünfmal schräglinks gespalten, hinten in Blau ein gekrönter goldener Löwe.

Grafschaft Görz, Wappen
Grafschaft Görz, Wappen

Landesfarben:

Weiß, Rot.

Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca, Landesfarben
Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca, Landesfarben

 

Während des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) wurde Görz im Sommer 1916 von Italien erobert und dabei fast völlig zerstört, im Herbst 1917 wurde es von Österreich-Ungarn zurückgewonnen. Nach dem Krieg bestimmte der Vertrag von St.-Germain die Abtretung des gesamten Gebietes zusammen mit Istrien an Italien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) besetzten jugoslawische Partisanen den Bahnhof der Wocheiner Bahn und erhoben Anspruch auf die gesamte Stadt Görz. Der Frieden von Paris zog 1947 die Grenze zwischen Italien und dem damaligen Jugoslawien neu. Italien musste daraufhin ca. 85% des Territoriums der „Provincia di Gorìzia“ an Jugoslawien abtreten. Damit wurde die Teilung der Stadt sanktioniert; der westliche Teil gehört als Gorizia zu Italien, der kleinere östliche Teil mit dem Bahnhof kam zu Jugoslawien und bildet seither die erst später zur solchen ausgebaute slowenische Stadt Nova Gorica.

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