Fiume

Fiume, Veduta generale
Fiume, Veduta generale

Fiume (Rijeka) im Königreich Ungarn, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Fiume, Hafen
Fiume, Hafen

Fiume (Sankt Veit an der Flaum, Rijeka) im Königreich Ungarn

Fiume und Gebiet (das ungarische Litorale, zu dem auch die Dörfer Cosale, Drenova und Plase gehören) umfasst 19,57 km² und wurde schon unter Maria Theresia mit Ungarn vereinigt. 1809–14 stand es unter französischer Herrschaft, und 1849 wurde es Kroatien zugeteilt.

Fiume mit Gebiet
Fiume mit Gebiet

Seit dem zwischen Ungarn und Kroatien 1870 geschlossenen staatsrechtlichen Ausgleich bildet es ein dem ungarischen Staat einverleibtes, doch autonomes Territorium. Ins ungarische Abgeordnetenhaus entsendet Fiume einen, in den kroatischen Landtag zwei Vertreter.

Fiume (Tersattica Vitopolis der Römer, im Mittelalter Fanum St. Viti ad Flumen, deutsch St. Veit am Flaum, slawisch Reka) ist königlich ungarischer Frei- und Seestadt und Endstation der Südbahnlinie St. Peter-Fiume und der Staatsbahnlinie BudapestAgram-Fiume. Die Stadt liegt am felsigen Westabhang des kroatischen Karstes und an der Mündung der Fiumara in den Quarnero, gegenüber den Inseln Cherso und Veglia. Im Norden grenzt sie an die Ausläufer des Karstes.

Fiume, Palazzo Governatorile
Fiume, Palazzo Governatorile

Fiume besteht aus dem amphitheatralisch ansteigenden alten Stadtteil mit dicht aneinander gedrängten unscheinbaren Häusern und engen, krummen Gäßchen, sowie aus dem am Bergfuß längs der Meeresküste sich ausbreitenden neuen Fiume mit breiten Kais, stattlichen Straßen und Plätzen und zahlreichen öffentlichen und privaten Prachtbauten (Rathaus, Kasino, Theater, Residenz des Gouverneurs, die Villa des Erzherzogs Joseph, die Gebäude der Adria-Schifffahrtsgesellschaft und der Seebehörde, Marineakademie, die Nautische Schule, zwei Markthallen, Sparkasse, der erweiterte, aber noch immer ungenügende Bahnhof etc.). Unter den Kirchen sind bemerkenswert die 1377 erbaute Domkirche mit einem neuen Frontispiz nach Art des römischen Pantheons und die aus dem 13. Jahrhundert stammende, der Kirche della Salute in Venedig nachgebildete St. Veitkirche; von Denkmälern ist nur der römische Triumphbogen (Arco romano) hervorzuheben.

Fiume - Rijeka, Stadtplan 1911
Fiume – Rijeka, Stadtplan 1911

Wappen Fiumes:

In Rot ein naturfarbener Doppeladler, auf einer Halbinsel stehend, der sich auf einen Krug stützt, aus dem Wasser in das Meer fließt (Fiumara). Über dem Adler eine schwebende, blaugefütterte Krone mit blauen Bändern.

Fume, Wappen
Fume, Wappen

Stadtfarben Fiumes:

Rot, Gelb, Blau.

Fiume, Flagge
Fiume, Flagge

Größe Fiumes:

19,57 km²

Fiume, Lage in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie
Fiume, Lage in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie

Bevölkerung:

Im Jahr 1901 leben hier 38.955 meist römisch-katholische Einwohner:

  • 17.354 Italiener
  • 5136 Illyrier
  • 7497 Kroaten
  • 2842 Magyaren
  • 2251 Winden
  • 1945 Deutsche

Wirtschaft:

Fiume ist als einziger größerer Hafenplatz für Ungarn von hoher Bedeutung. Es besitzt großartige Fabrikanlagen, unter anderen eine Mineralölraffinerie (mit einem eignen Petroleumhafen und einem Reservoir für 176.000 Faß), die täglich über 1000 Faß verarbeitet und jährlich 1/2 Mill. metrische Zentner Raffinade erzeugt; ferner eine Reisschäl- und Stärkefabrik, die jährlich 800.000 metrische Zentner Reis verarbeitet, eine berühmte Torpedofabrik (Whitehead), eine königliche Tabakfabrik (mit über 2100 Arbeitern), eine große Papierfabrik (Smith u. Meynier), eine Kunstdüngerfabrik, Eisfabrik, Kakao- und Kognakfabrikation, ferner Leder- und eine bedeutende Faßdauben- und Fässerfabrik. Dagegen ist die Mühlenindustrie im Niedergang begriffen. Der ehemals bedeutende Schiffbau hat (1902 wurde auch die letzte Werft, Howaldt, geschlossen) ganz aufgehört. Sehr lebhaft ist der Fischfang im Quarnero, namentlich der Thunfischfang.

Fiume, Corso
Fiume, Corso

Der von der ungarischen Regierung seit 1872 errichtete, von einem 1000 m langen Wellenbrecher geschützte Seehafen hat ein Kaigebiet von 3000 m mit einem Flächenraum von 36 Hektar und außer dem alten Molo Adamics drei neue Hafendämme (Molo Zichy, Molo Rudolf und Molo Marie Valerie), an die sich der Petroleumhafen und der Binnenhafen an der Fiumara anschließen. Gegenwärtig wird westlich vom letzteren Molo ein 360 m langer Kai erbaut und der Maria Theresia-Wellendamm verlängert. Die Lagerhäuser mit einem Areal von 68.560 m³ und einem riesigen Getreideelevator haben einen Laderaum von über 6000 Waggons. Der Hafen von Fiume, der von 1717–1891 ein Freihafen war, weist seit 1880 bis 1901 in Einfuhr und Ausfuhr eine Steigerung des Seeverkehrs von 237 %, bez. 211 % auf Seit 1901 geht aber der Seeverkehr zurück. 1900 betrug zur See die Einfuhr: 378.900 Tonnen im Wert von 90,7 Millionen Kronen, die Ausfuhr 798.900 Tonnen im Wert von 165 Millionen Kronen. Die Einfuhr bestand besonders aus Wein (20 Millionen Kronen), Tabak, Reis, Jute, Kaffee, Kohlen, die Ausfuhr aus Getreide und Mehl (29,6 Millionen Kronen), Zucker, Faßdauben, Brettern, Torpedos u. Pferden.

Fiume, Marine-Akademie
Fiume, Marine-Akademie

Mit der Eisenbahn wurden 1900: 865.000 Tonnen Waren ein- und 280.403 Tonnen Waren ausgeführt. In Fiume vermitteln die Dampfer den Seehandel zumeist mit Westeuropa, die Segelschiffe hingegen jenen mit Italien und Dalmatien; nach den Küsten des östlichen Mittelländischen und des Schwarzen Meeres verkehren Schiffe des Österreichisch-Ungarischen Lloyd, nach dem Westen (bis England) jene der vom Staat subventionierten ungarischen Seeschifffahrtsgesellschaft Adria (Schiffspark 1903: 35 Dampfschiffe); die gleichfalls subventionierte Ungarisch-Kroatische Schifffahrtsgesellschaft vermittelt zumeist den Küstenverkehr nach Istrien, Ancona, Venedig und nach Dalmatien (1903: 25 Dampfer); die ungarische Gesellschaft Oriente besorgt die Reiseinfuhr aus Indien, China und Japan; seit Herbst 1903 unternimmt die Gesellschaft Cunard-Line regelmäßige Fahrten nach New York, um den Auswandererstrom von Hamburg abzulenken. Der Schiffsverkehr belief sich 1900 im Eingang auf 10.739 Schiffe von 1.681.151 Tonnen, im Ausgang auf 10.733 von 1.684.329 Tonnen. 1899 wurde der von Buccari zum Lagerplatz Braidica herabführende Kreisbogentunnel (für den Holztransport) dem Verkehr übergeben.

Fiume, Via del Lido
Fiume, Via del Lido

Mit Budapest besteht Fernsprechverbindung. Ferner steht der Bau des Kanals BudapestKarlstadt– (Kulpa-) Fiume bevor. Die ungarische Handelsflotte zählt 79 Dampfer und 120 Segelschiffe. Fiume hat eine Marineakademie, eine Nautische Schule, ein ungarisches Staatsgymnasium, Handelsakademie, Gewerbeschule etc., mehrere Geldinstitute (Kommerzialbank, Holzexploitationsaktiengesellschaft), eine Warenbörse und ist Sitz eines Gouverneurs, vieler Behörden (Seebehörde, Hafen- und Seesanitätsamt, Militärplatzkommando, Seegericht, Gerichtshof, Finanzdirektion, Hauptzollamt etc.), einer Handels- und Gewerbekammer und von 16 Konsulaten, darunter eines deutschen Berufskonsulats. Es hat seit 1898 elektrische Straßenbahn (4,4 km), ferner hübsche Promenaden- und Parkanlagen (Scogiletto, Giardino pubblico). Jenseits der Fiumara liegt die kroatische Vorstadt Susak (mit einem kroatischen Gymnasium) und auf der Höhe des Berges der Ort Tersato mit einer Wallfahrtskirche und dem uralten Frangipanischen Bergschloß, von wo man eine prachtvolle Aussicht auf den Quarnero sowie auf die kroatischen Gebirge genießt. Von Fiume aus ergießt sich der Fremdenstrom nach den westlich in Istrien gelegenen klimatischen Kurorten Abbazia, Volosca und Lovrana.

Fiume, St. Vito
Fiume, St. Vito

Gouverneure Fiumes:

(1867 – 1918)

  • 06.04.1867 – 29.07.1870 Ede Cseh de Szentkatolna (? – 1887)
  • 29.07.1870 – 05.12.1872 József gróf Zichy de Zich et Vásonkeö (1841 – 1924)
  • 26.02.1873 – 11.11.1883 Géza gróf Szapáry de Szapár (1827 – 1898)
  • 01.11.1883 – 06.03.1892 Ágost gróf Zichy (1852 – 1925)
  • 06.03.1892 – 02.10.1896 Lajos gróf Batthyány de Nemetujvár (1860 – 1951)
  • 02.10.1896 – 14.07.1897 Rezsö báró Abele de Lilienberg (1851 – 1923)
  • 14.07.1897 – 23.11.1897 Tibor Gaal de Hatvan (1861 – 1917)
  • 23.11.1897 – 02.08.1903 László gróf Szapáry de Szapár (1864 – 1939)
  • 02.08.1903 – 10.12.1903 Tibor Gaal de Hatvan (1861 – 1917)
  • 10.12.1903 – 17.02.1905 Ervin báró Roszner (1852 – 1928)
  • 17.02.1905 – 17.10.1905 Tibor Gaal de Hatvan (1861 – 1917)
  • 17.10.1905 – 26.12.1905 Pál gróf Szapáry de Szapár (1873 – 1917)
  • 26.12.1905 – 24.05.1906 Tibor Gaal de Hatvan (1861 – 1917)
  • 04.04.1906 – 29.04.1906 György gróf Károlyi de Nagykároly (1871 – 1954)
  • 24.05.1906 – 07.12.1909 Sándor gróf Nákó de Nagyszentmiklós (1871 – 1923)
  • 07.12.1909 – 31.07.1917 István gróf Wickenburg de Capelló (1859 – 1931)
  • 31.07.1917 – 29.10.1918 Zoltán Jekelfalussy de Jekel- és Margitfalva (1862 – 1945)
Fiume
Fiume

Geschichte Fiumes:

Zur Zeit der Römer gehörte die Gegend von Fiume, Tersatto etc. zu dem alten Liburnien. Die Römer legten das Kastell Tersattica an und befestigten die Gegend (28 n. Chr.). Nach der Teilung des römischen Weltreiches (395) kam sie zum Oströmischen Reich, geriet aber bald in die Macht der Westgoten (Alarich). Nach Abzug der Goten gehörte sie abermals zu Ostrom, dem sie später Karl der Große entriß. (Der Überlieferung nach soll Karl das alte Tersattica zerstört haben.) Schon vorher aber (um 600) hatten sich südslawische Völkerstämme (Kroaten, Serben) angesiedelt, die der romanisierten Kultur Halt geboten, doch blieb die Gegend im Besitz des fränkischen Reiches. Der Name Fiume (Vinodol) wird im Mittelalter zuerst in der Urkunde Bélas IV. 1260 erwähnt.

Fiume und das Königreich Kroatien-Slawonien, Karte 1900
Fiume und das Königreich Kroatien-Slawonien, Karte 1900

Als fränkisches, dann deutsches Lehen gehörte Fiume zuerst dem Patriarchen von Aquileia, dann (seit ca. 1300) abwechselnd den Herren von Duino und den Frangipani. Hugo von Duino nahm die Stadt 1366 von Herzog Albrecht III. von Österreich zu Lehen. 1399 erhielt Rambert von Walsee (Valsa) die Stadt, von dessen Enkel Wolfgang Kaiser Friedrich III. Fiume durch Kauf erwarb. In Fiume oder vielmehr in dem nahen Kapuzinerkloster wurde 1618 der Friede zwischen Österreich und Venedig geschlossen. 1723 erhob Karl VI. Fiume zum Freihafen. 1779 wurde Fiume von Maria Theresia als sogenanntes Corpus separatum der St. Stephanskrone mit Ungarn vereinigt, 1809 von den Franzosen annektiert, 1813 von den Engländern besetzt, 1814 an Österreich , 1822 an Ungarn zurückgegeben. Seit 1849 gehörte es zum ungarischen Kronland Kroatien, seit 1868 abermals als Corpus separatum zu Ungarn. Seit dem 18. Jahrhundert erhielt die Stadt einen neuen Aufschwung durch die Verbesserung des Hafens, der einen Teil des orientalischen Handels hierher zog; über die neuen Hafenbauten.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) beanspruchte Italien die überwiegend von Italienern (60 %) bewohnte Stadt Fiume. Im Friedensvertrags von Saint Germain (10. September 1919) erhielt Italien Triest, Istrien, Zadar und Teile der Küstengebiete – Dalmatien und Fiume wurde dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (späteres Jugoslawien) zugesprochen. Gegen die Willen der italienischen Regierung besetzten daraufhin italienischen Nationalisten unter der Führung des Schriftstellers Gabriele d’Annunzio die Stadt. Daraufhin verhängte Italien eine Blockade gegen die Stadt. Am 8. September 1920 rief d’Annunzio die „Italienische Regentschaft am Quarnaro“ (Reggenza Italiana del Carnaro) aus und übernahm selbst das Kommando in der Stadt.

Am 12. November 1920 wurde der Grenzvertrag von Rapallo zwischen dem Königreich Italien und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen abgeschlossen. Darin war unter anderem vorgesehen, dass Fiume mit ihrem Hinterland zum unabhängigen Freistaat Fiume werden sollte. d’Annunzio aber ignorierte den Vertrag und weigerte sich Fiume zu verlassen. Daraufhin beschoss das italienische Kriegsschiff „Andrea Doria“ seinen Palast. Die Kämpfe dauerten vom 24. bis zum 28. Dezember 1920 („Le Cinque Giornate di Fiume“ – 24. – 28.12.1920) an und kosteten fünfzig seiner Männer das Leben. Am 31. Dezember ergab sich d’Annunzio und übergab die Stadt den italienischen Truppen. Die Kämpfe gingen unter dem Namen „Natale di sangue“ (blutige Weihnacht) in die Geschichte ein. In der Stadt kam es danach zu Unruhen und im März 1922 zu einem Putsch der lokalen Faschisten.

Fiume, Grenzbrücke zwischen Italien und Jugoslawien
Fiume, Grenzbrücke zwischen Italien und Jugoslawien

Der Freistaat Fiume existierte bis zum 27. Januar 1924. Im Vertrag von Rom einigten sich Italien und das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen sich darauf, den Freistaat aufzuteilen: Italien annektierte die Stadt Fiume, der serbisch-kroatisch-slowenische Staat erhielt den Stadtteil Sušak und einen Teil des Hafens in Fiume. Während des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) besetzten 1941 Deutschland und Italien Jugoslawien und lösten den Staat auf, das Fiumer Umland wurde von Italien besetzt. Nach der Niederlange der Achsenmächte 1945 wurde die Stadt 1947 auf Geheiß der alliierten Siegermächte an die Volksrepublik Jugoslawien abgetreten, über 300.000 Italiener wurden daraufhin ausgewiesen. Nach einer Volksabstimmung wurden die Städte Sušak und Rijeka (das ehemalige Fiume) wieder eine geeinte Stadt. 1991 erklärte sich Kroatien unabhängig. Österreich nutzt seit dem Jahr 2000, Ungarn seit 2001 den Freihafen der Stadt. Rijeka ist heute die drittgrößte Stadt Kroatiens.

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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