Freiberg in Sachsen

Berghauptstadt des Königreichs Sachsen, Stadt in der Kreishauptmannschaft Dresden

Freiberg 30.869 Einwohner – 1905 = 131. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Freiberg, Obermarkt mit dem Denkmal "Otto des Reichen"
Freiberg, Obermarkt mit dem Denkmal „Otto des Reichen“

 

Neben der Stadt Freiberg in Sachsen existieren im Deutschen Reich (Kaiserreich) 4 und in Österreich-Ungarn 3 Ortschaften mit Namen Freiberg.

  1. Freiberg, ein Dorf im Königreich Preußen, Provinz Brandenburg, Kreis Oststernburg mit 156 Einwohnern.
  2. Freiberg, ein Dorf im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Kreis Goldap mit 59 Einwohnern.
  3. Freiberg, eine Zeche in der Gemeinde Sölde im Königreich Preußen, Provinz Westfalen.
  4. Freiberg (Vogtl.), ein Dorf im Königreichs Sachsen, Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Oelsnitz mit 370 Einwohnern.
  5. Freiberg, (tschechisch Přibor) eine Stadt in Österreich-Ungarn, Markgrafschaft Mähren, Bezirkshauptmannschaft Neutitschein, an der Lubina und der Standing-Stramberger Lokalbahn, hat ein Bezirksgericht, eine gotische Dekanatskirche, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Landesoberrealschule, Fabrikation von Tuch, Hüten und Strickwaren, Bierbrauerei und im Jahr 1900 = 4056 (als Gemeinde 5007) Einwohner.
  6. Freiberg in Österreich, Gefürstete Grafschaft Tirol, Bezirkshauptmannschaft Meran, bei Latschinig mit 88 Einwohnern.
  7. Freiberg in Österreich, Herzogtum Steiermark, Bezirkshauptmannschaft Murau mit 267 Einwohnern.

Freiberg in Sachsen

Freiberg ist Berghauptstadt des Königreichs Sachsen, in der Kreishauptmannschaft Dresden, liegt auf der nördlichen Abdachung des Erzgebirges, 2 km westlich von der Freiberger Mulde und 406 Meter über dem Meer. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Nossen-Moldau, Dresden-Chemnitz und Freiberg-Halsbrücke. Die altertümliche, einst befestigte innere Stadt bildet jetzt ein Ganzes mit den beim Bahnhof gelegenen stark anwachsenden Vorstädten, denen sich die Ortschaften Freibergsdorf und Friedeburg eng anschließen. Von den ehemaligen fünf Toren ist nur der gewaltige, runde Donatsturm am Abstieg in die Sächsstadt, das älteste Stadtviertel, stehen geblieben; auch hat sich noch ein Teil der Ringmauern mit ihren Türmen und tiefem Graben erhalten.

Freiberg hat 5 evangelische und 1 katholische Kirche. Unter den ersteren zeichnet sich besonders der nach dem Brande von 1484 in spätgotischem Stil neuerbaute, 1893 renovierte Dom aus, der teilweise noch von Kreuzgängen umgeben ist. Ein Überrest des ursprünglichen Baues (der ehemaligen Marienkirche) ist die sogenannte Goldene Pforte, ein unvergleichlich schönes und großartiges Denkmal frühgotischer Kunst, 1903 mit einem in gleichem Stile gehaltenen Schutzvorbau versehen. An den Dom schließt sich die 1594 im italienischen Renaissancestil ausgebaute, 1885 restaurierte kurfürstliche Begräbniskapelle, die Ruhestätte aller protestantischen Fürsten der Albertinischen Linie von Heinrich dem Frommen († 1541) bis auf Johann Georg IV. († 1694) mit z. T. schönen Grabmälern. Im Innern des Domes verdienen noch Beachtung die frei stehende steinerne Kanzel von der Form einer Tulpe, ein neues Altarrelief, das Abendmahl Christi darstellend, und die große Orgel, ein Werk Silbermanns. Bemerkenswert ist auch die Peterskirche, auf dem höchsten Punkte der Stadt, mit drei Türmen, deren höchster, 72 Meter hoch, das Bergglöckchen trägt.

Zu den ältesten weltlichen Bauten gehören das 1572 vom Kurfürsten August neugebaute, 1804 in ein Militärmagazin umgewandelte Schloss Freudenstein, das 1410 begründete Rathaus und das 1545 erbaute Kaufhaus. Auf dem Obermarkt bezeichnet ein durch ein eingehauenes Kreuz kenntlicher Stein die Stelle, wo 1455 der Prinzenräuber Kunz von Kaufungen hingerichtet wurde. In einem um 1490 errichteten altertümlichen Gebäude mit hohem Ziergiebel am Untermarkt befand sich bis 1875 das Gymnasium, jetzt ist es als König Albert-Museum eingerichtet. Von öffentlichen Denkmälern sind zu nennen das Bismarckdenkmal vor dem Erbischen Tor, das Bergrat Wernerdenkmal und das Kriegerdenkmal vor dem Kreuztor, das Brunnendenkmal des Markgrafen Otto des Reichen auf dem Obermarkt und die Bismarcksäule am Ausgang des Forstwegs. Das Schwedendenkmal vor dem Peterstor erinnert an die heldenmütige Verteidigung der Stadt gegen Torstensson (1643).

Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (1 Jägerbataillon Nr. 12) 30.175 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1165 sind Katholiken und 83 Juden. Den Haupterwerbszweig bildet das Berg- und Hüttenwesen. Der Freiberger Bergbau besteht schon seit dem 12. Jahrhundert und hat in dem Zeitraum 1524–1850 = 2 Millionen kg Silber geliefert. 1884 zählte man noch 60 Gruben, die sich im Besitz des Staates, von Gewerkschaften oder Privaten befanden, bis 1902 ist aber ihre Zahl wegen des fortwährenden Sinkens der Metallpreise auf etwa 30 zurückgegangen. 1886 gingen die größeren Gruben an den Staat über. Die wichtigsten sind „Himmelfahrt“ und „Himmelsfürst“, 1902 mit zusammen 2300 Bergleuten und einer Jahresproduktion von 12.000 kg Silber und 17.000 Doppelzentner Blei. Die Lage der Hauptgruben, auf dem Plateau zwischen dem Tal der Freiberger Mulde und dem der Striegis, hat ein besonderes Wasserzuführungssystem zur Beaufschlagung der erforderlichen Treibwerke nötig gemacht, das seit dem 16. Jahrhundert besteht und in großen Sammelteichen und weitverzweigten Kanälen bis zur böhmischen Grenze erhalten wird. Die unterirdischen Wasser finden ihren Abfluss durch verschiedene, wohl 100 km lange Revierstollen, deren großartigster und tiefster der mit einem Kostenaufwand von 12 Millionen Mark 1844–77 hergestellte, nach dem Triebischtal führende Rothschönberger Stollen ist. Die Verhüttung der durch den Bergbau gewonnenen Erze erfolgt in den fiskalischen Muldener und Halsbrückener Schmelzhütten bei Freiberg, in denen auch amerikanische und australische Erze verhüttet werden. Die Gesamtproduktion der genannten Hütten betrug 1902 = 947 kg Gold, 91,716 kg Silber (im Wert von 9,2 Millionen Mark), ferner Wismut, Nickel, Zink, Arsenik, Schwefelsäure, Kupfervitriol etc. mit einem Gesamtwert von 2 Millionen Mark. Auf der Muldener Hütte befindet sich auch die königliche Münze, die 1887 von Dresden hierher verlegt wurde und ein zur Abführung der Gase dienender Schornstein von 140 Meter Höhe, der höchste der Erde.

Andere Industriezweige sind Gold- und Silberspinnerei, Drahtflechterei, Eisengießerei, Maschinenbau, Fabrikation von Zigarren, Schrot, Pulver, Chemikalien, Pianofortes, mathematischen Instrumenten, Lederwaren, Düngemittel, Wollwaren, Damenmänteln, Treibriemen, Zinn-, Blei-, Zement-, Schuh- und Korbwaren, Flachsspinnerei, Gerberei, Brauerei u. a.

Freiberg besitzt elektrische Straßenbahnen von 3,7 km Länge; Wasserleitung und Kanalisation sind um 1900 in Ausführung begriffen. Unter den Bildungsanstalten Freibergs nimmt die am 13. November 1765 errichtete Bergakademie (1903 mit 21 Dozenten und 420 Studierenden) den ersten Rang ein. Sie besitzt mineralogische, geognostische und petrefaktologische Sammlungen, eine ausgezeichnete Sammlung von Modellen aller Art sowie von geodätischen und markscheiderischen Instrumenten, ein Laboratorium, eine Bibliothek von ca. 50.000 Bänden etc. Außerdem bestehen dort eine Bergschule, ein Gymnasium, Realgymnasium, eine Handelsschule, eine Bauschule, eine landwirtschaftliche Schule, Gerberschule und die Deutsche Versuchsanstalt für Lederindustrie. Zahlreich sind die Wohltätigkeitsanstalten, darunter das „milde Hospital St. Johannis“ (1224 bestätigt, mit einem Vermögen von 21/4 Millionen Mark). Freiberg ist Sitz eines Bergamtes (Zentralbehörde Sachsens), einer Oberdirektion der königlichen Erzbergwerke, eines Oberhüttenamtes, einer Amtshauptmannschaft, eines Landgerichts, eines Hauptsteueramtes und einer Nebenstelle der Reichsbank. Der Stadtrat besteht aus 13, das Kollegium der Stadtverordneten aus 30 Mitgliedern. Zum Landgerichtsbezirk Freiberg gehören die 15 Amtsgerichte zu Brand, Dippoldiswalde, Döbeln, Frauenstein, Freiberg, Hainichen, Lengefeld, Marienberg, Nossen, Öderan, Olbernhau, Roßwein, Sayda, Tharandt und Zöblitz.

Seinen Ursprung verdankt Freiberg der Entdeckung seiner Silbererzlagerstätten (um 1163); um das Jahr 1175 durch Markgraf Otto (den Reichen) von Meißen erbaut, erhielt es seinen Namen, der zuerst 1221 erscheint, von seinen wichtigen Bergbaufreiheiten. Heinrich der Erlauchte gründete um 1250 eine Münze, die bis 1556 bestand und den 1856 aufgehobenen Bergschöppenstuhl. Die namhaftesten Privilegien erhielt die Stadt durch ihn und durch Friedrich den Freidigen (1294), der auch ein Bergrecht festsetzte. Bei den vielfachen Landesteilungen, die seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert in dem Haus Wettin vorfielen, blieb Freiberg samt den Bergwerken stets Gemeingut. Der deutsche König Adolf eroberte 1296 die Stadt nach langer Belagerung, Friedrich der Freidige nahm sie 1307 wieder ein. Durch die Teilung von 1485 kam Freiberg (die Bergwerke jedoch erst 1547) für immer in den Besitz der Albertinischen Linie. Heinrich der Fromme, der in Freiberg residierte, führte hier 1536 die Reformation ein. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt 1632 von den Kaiserlichen eingenommen, 1639 und 1643 aber von den Schweden vergeblich belagert. Auch der Siebenjährige Krieg (Schlachten vom 14. und 29. Oktober 1762) nahm Freiberg hart mit, nicht minder die Zeit der Napoleonischen Herrschaft, in der von 1806 bis August 1814 an 700.000 Mann fremder Truppen nebst 200.000 Pferden in Freiberg verpflegt werden mussten.