Altenburg S.-A.

Altenburg, Gesamtansicht
Altenburg, Gesamtansicht

Altenburg Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Altenburg S.-A. 38.811 Einwohner (1905) = 100. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Altenburg S. A., Marktplatz mit Wochenmarkt
Altenburg S. A., Marktplatz mit Wochenmarkt

Neben der Stadt Altenburg S.-A. existieren:

  • Ungarisch-Altenburg (Magyar-Óvár) ist eine Großgemeinde im Königreich Ungarn, Komitat Wieselburg, an der Vereinigung der Leitha und der Kleinen Donau sowie an der Bahnlinie Wien-Raab (Station Wieselburg-Ungarisch-Altenburg), Sitz des Komitats und Hauptort einer Domäne und Musterwirtschaft des Erzherzogs Friedrich, mit einem alten befestigten Schloss, 2 Klöstern, landwirtschaftlicher Akademie, Piaristen-Untergymnasium, Bierbrauerei, Dampfmühle, Bezirksgericht und im Jahr 1901 = 3669 magyarischen und deutschen (römisch-katholisch) Einwohnern.
  • Ruine Altenburg bei Bamberg im Königreich Bayern.

 

Altenburg im Herzogtum Sachsen-Altenburg

Altenburg ist die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg, unweit der Pleiße und liegt 178–208 Meter über dem Meer.

Mitteldeutschland Thüringische Staaten (Oberstufen-Atlas für höhere Lehranstalten Gotha Justus Perthes 1914)
Mitteldeutschland Thüringische Staaten (Oberstufen-Atlas für höhere Lehranstalten Gotha Justus Perthes 1914)

Altenburg ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien LeipzigHof, Altenburg-Zeitz und Altenburg-Langenleuba. Das auf einem senkrecht abstürzenden Porphyrfelsen liegende Schloss, bekannt durch den sächsischen Prinzenraub, stammt in seinen Grundmauern wohl aus dem 10. und 13. Jahrhundert, wurde aber im 18. Jahrhundert beträchtlich vergrößert und nach den Bränden von 1864 und 1868 teilweise erneuert. Die Schlosskirche, 1901 renoviert, war 1413–1533 ein Stift regulierter Augustiner-Chorherren.

Altenburg, Schlosskirche
Altenburg, Schlosskirche

Von sonstigen Gebäuden Altenburgs sind zu nennen die St. Bartholomäikirche, die Brüderkirche, die sogenannten Roten Spitzen (zwei verbundene Türme mit Staatsarchiv, ein Rest der im 17. Jahrhundert verfallenen Kirche des 1172 von Kaiser Friedrich I. gegründeten Augustinerklosters), das 1560–64 im deutschen Renaissancestil erbaute Rathaus, das Museum mit Gemäldegalerie und anderen Sammlungen, die 1840 im gotischen Stil erbaute Fürstengruft etc.

Altenburg, Bauerntrachten
Altenburg, Bauerntrachten

An Denkmälern besitzt die Stadt Altenburg ein Siegesdenkmal von Professor Fritzsche, ein Kaiser Wilhelm I.-Denkmal von Professor Bärwald und ein Brehm-Schlegel-Denkmal. Im Jahr 1900 leben in Altenburg mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 153) 37.110 Einwohner, davon 35.966 Evangelische, 1019 Katholiken und 36 Juden.

Altenburg S. A., Obermarkt
Altenburg S. A., Obermarkt

Altenburg hat Fabrikation von Nähmaschinen, Zigarren, Glacéhandschuhen, Hüten, Akkordeons, Bürsten, Metallwaren und Wollengarn, Geldschrank- u. Maschinenbau, Eisen- und Metallgießerei, chemische Fabriken, Bierbrauerei, Gärtnerei etc.; der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank, die herzogliche Landesbank und andere Bankinstitute, ist wichtig in Kolonialwaren, Landesprodukten und Wollengarn. Von Bildungsanstalten hat die Stadt ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Schullehrerseminar, ein Technikum, eine landwirtschaftliche Schule etc.,

Altenburg, Herzogl. Theater
Altenburg, Herzogl. Theater

ferner eine Sternwarte, eine naturforschende und eine geschichts- u. altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes etc. Altenburg ist Sitz der Landesbehörden und eines Landgerichts (für die sechs Amtsgerichte zu Altenburg, Eisenberg, Kahla, (Stadt-)Roda, Ronneburg und Schmölln), eines Generalsuperintendenten, des Landratsamts für den Ostkreis Altenburg und eines Hauptsteueramts. Die städtischen Behörden von Altenburg zählen 9 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete.

Altenburg, Kleiner Teich
Altenburg, Kleiner Teich

Altenburg scheint schon zu Ende des 10. Jahrhunderts bestanden zu haben und damals an das Bistum Naumburg gekommen zu sein; jedoch im 12. Jahrhundert gehörte es unmittelbar zum Reich und erwarb die Rechte einer Reichsstadt. Auf der dortigen Burg hatte ein Burggraf seinen Sitz. Otto IV. hielt daselbst 1209 einen Reichstag ab. Kaiser Friedrich II. verpfändete Altenburg an Albrecht den Entarteten von Meißen, König Adolf 1292 an Böhmen, dessen König Johann als Reichsvikar 1311 Altenburg wieder an Meißen als Pfand überließ.

Altenburger Bauerntrachten, Trautes Heim
Altenburger Bauerntrachten, Trautes Heim

Nach dem Aussterben der Burggrafen von Altenburg erneute Kaiser Ludwig 1329 die Verpfändung, und somit ging Altenburg seiner Reichsfreiheit verlustig und blieb bei Meißen. Durch die Hussiten wurde Altenburg 1430 niedergebrannt. Im Jahr 1445 kam es an Kursachsen. Die Reformation wurde ohne Schwierigkeit in Altenburg eingeführt, besonders seit Spalatins Anstellung als Pfarrer und Superintendent. Vom 20. Oktober 1568 bis 9. März 1569 war hier das berühmte Kolloquium zwischen den sächsischen Theologen wegen Beilegung der majoristischen, synergistischen und adiaphoristischen Streitigkeiten.

Altenburg, Herzogl. Marstall
Altenburg, Herzogl. Marstall

Von 1603 bis 1672 war Altenburg Residenz der sogenannten Altenburger Linie des ernestinischen Hauses; dann wurde es wieder Residenz 1826 durch den Umzug des Herzogs Friedrich von Hildburghausen. Altenburg ist heute eine Kreisstadt im Osten des Freistaates Thüringen und hat rund 36.000 Einwohner.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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