Reichenau bei Zittau

Reichenau i. S., Evangelische Kirchschule
Reichenau i. S., Evangelische Kirchschule

Reichenau im Königreich Sachsen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Reichenau 7444 Einwohner – 1900 (Städte im Kaiserreich)

Reichenau in Sachsen
Reichenau in Sachsen

Neben der Gemeinde Reichenau in Sachsen existieren:

  • Reichenau (tschech. Rychnov) eine Stadt im Kaisertum Österreich, Königreich Böhmen, am Fuße des Adlergebirges, an der Kněžna (Zufluß der Wilden Adler) und der Lokalbahn Castolowitz-Solnitz gelegen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein schönes Schloß des Grafen Kolowrat mit Bibliothek und Gemäldesammlung, ein tschechisches Staatsobergymnasium, Fachschule für Weberei, Piaristenkollegium, Baumwollweberei, Tuchfabrikation, Bierbrauerei, Erzeugung von Ackergeräten, Krankenhaus, Waisenhaus und (1900) 5079 tschechische Einwohner.
  • Reichenau, ein Marktflecken im Kaisertum Österreich, Königreich Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Gablonz, an der Linie Josefstadt-Reichenberg der Südnorddeutschen Verbindungsbahn, hat Industrie in Glaswaren, Dosen sowie Ölbildern und (1900) 3384 deutsche Einwohner.
  • Reichenau, ein Dorf und Kurort im Kaisertum Österreich, Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, 485 m ü. M., an der Schwarza in einem schönen, vom Schneeberg (2075 m) und der Raxalpe (2009 m) eingeschlossenen Talkessel gelegen, beliebter Sommeraufenthalt, hat eine Wasserheilanstalt (Rudolfsbad) mit großem Kurpark, ein Rothschildsches Stiftungshaus für invalide Offiziere, schöne Villen, darunter die kaiserliche Villa Wartholz, Holzstoff- und Rollgerstefabrik, elektrische Beleuchtung, Sparkasse und (1900) 1186 (als Gemeinde 7455) Einwohner. Im Gemeindegebiet liegen der Talhof, die Prein, Edlach (mit Kuranstalt), Payerbach (an der Südbahnlinie WienTriest) und andre reizend gelegene Sommerfrischen, der Kaiserbrunn in dem malerischen, von der Schwarza durchflossenen Höllental (Ausgangspunkt der Wiener Hochquellenleitung), dann mehrere industrielle Anlagen, so eine Holzstoffwaren-, eine Akkumulatorenfabrik und ein Kalkwerk (Hirschwang), eine große Papierfabrik (Schlöglmühl) u. a.
  • Reichenau, ein von den Bischöfen von Chur erbautes Schloß im schweizerischen Kanton Graubünden, am Zusammenfluss des Hinter- und Vorderrheins (590 m ü. M.); dabei Rheinbrücke und Pegelstation. Hier blühte die vom Bürgermeister Tscharner von Chur errichtete Erziehungsanstalt, deren Miteigentümer H. Zschokke war, und an welcher der Herzog von Chartres (der nachmalige König Ludwig Philipp) 1793–94 unter dem Namen Chabaud Latour als Lehrer der französischen Sprache wirkte. Das Schloß ist jetzt im Besitz der Familie von Planta.
  • Reichenau, eine in der Nähe von Konstanz gelegene Insel im Bodensee.

Reichenau im Königreich Sachsen

Reichenau (Reichenau bei Zittau), zwei 1904 zu einer Gemeinde vereinigte Dörfer, 1. Reichenau bei Zittau klösterlichen und 2. Reichenau bei Zittau Zittauer Anteils.

Landkarte Königreich Sachsen, Thüringische Staaten
Landkarte Königreich Sachsen, Thüringische Staaten

Reichenau liegt im Königreich Sachsen, Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Zittau, 248 Meter über dem Meer, an der Staatsbahnlinie Zittau-Hermsdorf in Böhmen.

Reichenau i. S., Evangelische Kirchschule
Reichenau i. S., Evangelische Kirchschule

Die Gemeinde hat eine evangelische und eine katholische Kirche, ein Amtsgericht, mechanische Weberei, Färberei und Appreturanstalten, eine Farbholzmühle, eine Farbholzextrakt- und eine Leimfabrik, Knochenmühle, Ziegeleien, Braunkohlenbergbau. Im Jahr 1905 leben hier 7444 Einwohner.

Reichenau i. S., Amtsgericht-Colonie, Schützenhaus
Reichenau i. S., Amtsgericht-Colonie, Schützenhaus

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort von der Roten Armee besetzt und gehörte zunächst zur sowjetischen Besatzungszone. Am 22. Juni 1945 annektierte Polen 26 Gemeinden Sachsens auf dem östlich der Neiße gehörendem Gebiet. Die deutschen Einwohner wurden komplett aus ihrer Heimat vertrieben. Die Polen nennen Reichenau nun Bogatynia.

Ostsachsen östlich der Neisse, Landkarte 1910
Ostsachsen östlich der Neisse, Landkarte 1910

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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