Mühlhausen in Thüringen

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, ehemals freie Reichsstadt

Mühlhausen i. Thür. 34.359 Einwohner – 1905 = 114. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Mühlhausen i. Th., Bismarck-Brunnen
Mühlhausen i. Th., Bismarck-Brunnen

 

Neben der Stadt Mühlhausen in Thüringen existieren im Deutschen Reich (Kaiserreich) 29 und Österreich-Ungarn 2 Orte mit Namen Mü(h)lhausen:

  1. Mühlhausen in Ostpreußen ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Preußisch-Holland, liegt an der Staatsbahnlinie Güldenboden-Königsberg und 45 Meter über dem Meer. Die Stadt hat hat eine evangelische und eine katholische Kirche, Amtsgericht, Bierbrauerei, Töpferei, Gerberei, Ziegelbrennerei, eine Dampfschneidemühle, Holzhandel und im Jahr 1900 = 2304 Einwohner, davon 492 Katholiken.
  2. Mühlhausen (tschechisch Milevsko) ist eine Stadt in Österreich-Ungarn, Königreich Böhmen, an der Staatsbahnlinie Tabor-Pisek, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat 2 katholische Kirchen, ein Schloss des Prämonstratenserstifts Strahow in Prag, Bierbrauerei und im Jahr 1900 = 2693 Einwohner.
  3. Mühlhausen, ein Dorf in Österreich-Ungarn, Königreich Böhmen, Bezirkshauptmannschaft Schlan, Gerichtsbezirk Welwarn, bei Kralup mit 495 Einwohnern.
  4. Mülhausen im Elsaß (Mül- ohne h) ist eine Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsaß-Lothringen mit im Jahr 1905 = 91.916 Einwohnern.

 

Mühlhausen in Thüringen

Mühlhausen in Thüringen ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, ehemals freie Reichsstadt, liegt an der Unstrut und 205 Meter über dem Meer. Die Stadt ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Gotha-Leinefelde und der Eisenbahn Mühlhausen-Ebeleben. Mühlhausen hat 9 evangelische Kirchen (darunter die fünfschiffige Marien- oder Frauenkirche aus dem 14. und die Blasiuskirche aus dem 12. Jahrhundert mit alten Glasmalereien), 2 katholische Kirchen, eine Synagoge, ein altertümliches Rathaus mit Archiv etc.

Im Jahr 1905 leben hier 34.359 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1786 sind Katholiken und 192 Juden. Mühlhausen hat Fabrikation von Woll-, Baumwoll- und Halbwollwaren, Leder, Seife, Zigarren, Kautabak, Treibriemen, Leim, Holzwaren, Möbeln etc., Herstellung von Strick- und Nähmaschinen und Fahrrädern, Wollgarnspinnerei, Färberei, Bleicherei, Mälzerei und Bierbrauerei. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank und andere öffentliche Geldinstitute. Mühlhausen ist Sitz eines Amtsgerichts (mit Strafkammer) und hat ein Gymnasium, eine Oberrealschule, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Handelsschule, Textilfachschule, ein Theater und ein Rettungshaus.

Mühlhausen (zuerst 775 urkundlich erwähnt), ursprünglich ein königliches Kammergut, wurde zu Anfang des 13. Jahrhunderts Stadt und erhielt dann Münz- und Zollrecht. Gegen die Burg, auf der ein königlicher Burggraf waltete, schloss sich die Stadt um die Mitte des 13. Jahrhunderts durch Mauern ab. 1251 erhielt sie durch Kaiser Konrad IV., 1254 durch Wilhelm von Holland das Recht, den Schultheißen zu ernennen, und wurde dadurch Reichsstadt, wenn auch jenes Amt noch im 14. Jahrhundert eine Zeitlang an die Grafen von Henneberg verpfändet war. Inzwischen hatte die Stadt auch die Burggrafschaft erworben. Unter Karl IV. erhielten die Zünfte Vertretung im Rat. Aus den Stürmen des Bauernkriegs, während dessen Thomas Münzer (hingerichtet in Görmar bei Mühlhausen) hier wirkte, rettete die Stadt ihre damals sehr bedrohte Freiheit und nahm 1542 die Reformation, die sich schon 1522 hier bemerkbar machte, an. Durch Ankauf und Ablösungen der Liegenschaften des Deutschen Ritterordens (1599) erwarb die Stadt einen großen Grundbesitz (im ganzen 220 km²). Seit dem 16. Jahrhundert fanden in Mühlhausen oft Fürstentage statt, auf dem im März 1620 der Kurfürst von Sachsen die Sache der Union preisgab und sich mit den rheinischen Erzbischöfen für den Kaiser erklärte. Am 3. August 1802 kam Mühlhausen an das Königreich Preußen, 1807 an Westfalen und 1815 abermals an Preußen.

In der Nähe der Stadt Mühlhausen, im Freistaat Thüringen, liegt seit 1989 der geografische Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland.