Suhl

Stadt im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Schleusingen

Suhl 13.814 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Suhl i. Thür., Marktplatz
Suhl i. Thür., Marktplatz

Suhl

Suhl ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Erfurt, Kreis Schleusingen. Sie liegt am Südabhang des Thüringer Waldes, 425 Meter über dem Meer, im Tale der Hasel und an der Staatsbahnlinie Plaue-Ritschenhausen. Suhl hat 2 evangelische und eine katholische Kirche, Synagoge, ein Rathaus, einen Monumentalbrunnen (Waffenschmiedbrunnen), eine Mineralquelle, eine Oberrealschule, ein Amtsgericht, Oberförsterei, Reichsbanknebenstelle und Beschussanstalt. Im Jahr 1905 leben hier 13.814 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 249 sind Katholiken und 144 Juden. Die Stadt ist berühmt durch ihre Gewehrfabrikation, die seit Jahrhunderten nicht nur Kriegs-, sondern auch Luxuswaffen aller Art liefert. Außerdem hat Suhl noch Fabrikation von Fahrrädern. Porzellan, Maschinen, Munition, Eisen-, Holz- und Spielwaren, Schrauben etc., Eisengießerei, Barchentweberei, Gravieranstalten etc. Über der Stadt erhebt sich der Domberg mit dem Porphyrfelsen Ottilienstein (523 m) und einem Bismarckturm (696 m), beide mit schöner Aussicht. Suhl, urkundlich zuerst 1330 als Dorf erwähnt, kam durch Kauf an die Grafen von Henneberg und erhielt 1527 Stadtrecht; seit 1815 gehört es zu Preußen.

Der an der Passstraße von Meiningen und Schleusingen nach Erfurt gelegene Ort wird 1232 erstmals genannt. Er gehörte den Grafen von Henneberg, die hier schon im 13. Jahrhundert mit Salz- und Eisenerzbergwerken belehnt waren. 1548 wurde er Sitz eines Amtes, kam 1583 unter wettinische Verwaltung, 1660 an das Kurfürstentum Sachsen und 1815 an das Königreich Preußen. Um die Pfarrkirche St. Marien und den Markt entwickelte sich das Dorf zu einem 1445 genannten Flecken mit einem 1482 bezeugten Rat, dem 1527 Stadtrechte verliehen wurden, da sich der Ort im 16. Jahrhundert im Lautertal infolge des Eisenbergbaus und der Textilproduktion kräftig entwickelt hatte. Die Stadt gehört im Mittelalter zum Bistum Würzburg, 1527 wurde sie von der Reformation erfasst. 1350 waren zwei Eisenhämmer in Betrieb, 1563 wurde die Innung der Schlosser, Büchsenmacher, Sporen- und Windenmacher privilegiert. 1570 arbeiteten 6 Eisenhämmer, 10 Büchsenschmiede und 22 Kleinschmiede. Im Mittelalter gab es auch Salzgewinnung. Die seit Mitte des 16. Jahrhunderts betriebene Barchentweberei war zeitweilig das wichtigste Gewerbe.

Nach der Einäscherung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg 1634 durch Kaiserliche kam es in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts zu einem neuen Aufschwung, ein Hochofen wurde errichtet und anstelle des Duckelbergbaus seit 1691 der Stollenbergbau betrieben. Um 1500 versorgte Suhl große Teile Deutschlands mit Rüstungen und Schwertern. Die größte Bedeutung erlangte die seit dem 16. Jahrhundert eingeführte Herstellung von Handfeuerwaffen, für die im 1600 etwa 200 Personen arbeiten. 1595 wurden 27.000 Gewehre und 1.100 Pistolen hergestellt. Suhl galt als Rüstkammer und Zeughaus Deutschlands und lieferte Waffen nach Ost- und Südosteuropa, später auch nach West- und Südeuropa. 1810 beschäftigte die handwerkliche Gewehrproduktion rund 500 Arbeitskräfte in einem bereits weitgehend arbeitsteiligen Herstellungsprozess. Der Eisenbergbau wurde 1850/60 eingestellt, die Eisenhämmer in Porzellanfabriken umgewandelt, die bis 1913 bzw. 1935 bestanden. 1882/84 wurde die Bahnlinie Erfurt-Suhl (mit dem Brandleitetunnel) gebaut. 1911 entstand Eisenbahnverbindung nach Schleusingen.