Weißenfels (Weissenfels)

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg

Weißenfels 30.884 Einwohner – 1905 = 130. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Weißenfels, Marktplatz
Weißenfels, Marktplatz mit Kaiser Wilhelm-Denkmal

 

Weißenfels (Weissenfels)

Weißenfels ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, liegt an der Saale und 102 Meter über dem Meer. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bebra-Weißenfels, Berlin-Weißenfels und Weißenfels-Zeitz.

Weißenfels hat 2 evangelische und eine katholische Kirche, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., einen Bismarckturm, eine Oberrealschule, ein evangelisches Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, Museum, Amtsgericht, Bergrevier, Reichsbanknebenstelle, mechanische Schuhfabriken (4500 Arbeiter), eine Papierfabrik, eine Nagel- und Kettenfabrik, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Trommel-, eine Gummiwaren- und eine Zuckerfabrik, ein Elektrizitätswerk, Rauchwarenzurichterei, Orgelbau, Braunkohlengruben mit Anstalten zur Gewinnung von Grudekoks etc. und Fischerei.

Im Jahr 1905 leben hier 30.894 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1175 sind Katholiken und 103 Juden.
Das auf einem Sandsteinfelsen gelegene umfangreiche Schloss, die neue Augustusburg (1664–90 erbaut), früher Residenz, ist um 1900 eine Unteroffizierschule. In der Gruft unter der Schlosskapelle sind mehrere Fürsten und die Eingeweide Gustav Adolfs von Schweden beigesetzt.

Weißenfels, um 1200 zwischen Thüringen und Meißen streitig, kam wenig später an die Wettiner und bei der Teilung von 1485 an die Albertinische Linie. Im Weißenfelser Vertrag vom 1. Juli 1249 setzte Markgraf Heinrich der Erlauchte von Meißen seine Anerkennung als Landgraf von Thüringen durch. Von 1656 an war die Stadt die Residenz der Herzoge von Sachsen-Weißenfels, einer Nebenlinie des Kurhauses Sachsen, die von August, zweitem Sohne des Kurfürsten Johann Georg I., gestiftet wurde und mit Johann Adolf II. 1746 wieder erlosch. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wurde König Friedrich August I. von Sachsen Gefangener der Verbündeten. Das Land verwaltete ein russischer, dann ein preußischer Gouverneur und die Vereinigung mit Preußen stand bevor; doch erhielt auf dem Wiener Kongress 1815 Preußen nur die nördliche Hälfte des Königreichs Sachsen ( 20 235 km² = 60% Gebietsverlust und 864 404 Einwohner = 40 % Bevölkerungsverlust).