Stendal, Marktplatz, Rathaus und Marienkirche

Stendal

Stendal im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Stendal 23.273 Einwohner – 1905 = 189. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Stendal, Uenglinger Tor
Stendal, Uenglinger Tor

Stendal in der Provinz Sachsen im Königreich Preußen

Stendal ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Magdeburg und liegt an der Uchte.

Die Stadt Stendal ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Wustermark-HannoverHamm, HalleWittenberg, Stendal-Ülzen u. a.. Stendal ist die ehemalige Hauptstadt der Altmark, hat 5 evangelische Kirchen (darunter die spätgotische Domkirche mit zwei neuen Türmen), eine katholische Kirche, eine Synagoge, 2 alte interessante Stadttore, schöne Anlagen an Stelle der alten Festungswerke, eine Rolandsäule und Denkmäler des hier geborenen Archäologen Johann Joachim Winckelmann (* 9. Dezember 1717 in Stendal; † 8. Juni 1768 bei Triest) und des im Nachbarort Eichstedt geborenen Afrikareisenden Gustav Nachtigal (* 23.02.1834; † 20.04.1885 an Bord von S.M.S. Möwe vor Westafrika).

Stendal, Husaren-Denkmal
Stendal, Husaren-Denkmal

Im Jahr 1905 leben in Stendal mit der Garnison (1 Regiment Husaren Nr. 10) 23.281 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 744 sind Katholiken und 82 Juden, In der Stadt gibt es Wollspinnerei, Tuch-, Ofen-, Maschinen-, Papierwaren-, Eisenmöbel-, Kartoffelstärke- und Goldleistenfabrikation, Kunstgärtnerei, Bierbrauerei etc. Auch befinden sich hier eine Zuckerfabrik, ein Dampfmörtelwerk, eine Dampfmühle, Dampfziegeleien, eine Eisenbahnhauptwerkstatt etc. Dem Verkehr dient eine elektrische Straßenbahn.

Stendal, Nachtigaldenkmal
Stendal, Nachtigaldenkmal

Stendal hat ein Gymnasium, eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Knaben, ein altmärkisches und ein Bismarck-Museum und -Archiv, ein Landgericht und ein Hauptsteueramt. Die städtischen Behörden zählen 8 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete.

Stendal, Vor dem Tangermünder Tor
Stendal, Vor dem Tangermünder Tor

Zum Landgerichtsbezirk Stendal gehören die 15 Amtsgerichte zu Arendsee, Beetzendorf, Bismark, Gardelegen, Jerichow, Kalbe a. M., Klötze, Öbisfelde. Osterburg, Salzwedel, Sandau, Seehausen i. A., S., Tangermünde und Weserlingen.

Stendal, Brunnen am Sperlingsberg
Stendal, Brunnen am Sperlingsberg

Stendal, 1151 von Albrecht dem Bären gegründet, erhielt magdeburgisches Recht und gewann mancherlei Privilegien, stand aber seit 1196 mit der ganzen Nordmark unter der Lehnshoheit des Erzstiftes Magdeburg. Nach der Teilung der Mark unter die Brüder Johann I. und Otto IV. war S. 1258–1309 Sitz der älteren (Stendalschen) Linie des Hauses Askanien, die 1320 mit Heinrich von Landsberg erlosch.

Stendal, Gustav Nachtigal-Denkmal
Stendal, Gustav Nachtigal-Denkmal

Damals war Stendal eine der bedeutendsten Städte Norddeutschlands, trieb weithin Handel, trat der Hanse bei und stand im 15. Jahrhundert an der Spitze eines Bundes der altmärkischen Städte. 1530 fand hier die evangelische Lehre Eingang, wurde aber von Joachim I. (Markgraf von Brandenburg sowie Kurfürst und Erzkämmerer des alten Reiches) mit Gewalt unterdrückt, bis unter Joachim II. die Reformation in Stendal zur Durchführung kam.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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