Lüneburg

Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks im Königreich Preußen, Provinz Hannover

Lüneburg 26.568 Einwohner – 1905 = 154. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Lüneburg, Ilmenau-Partie am Altenbrückertor
Lüneburg, Ilmenau-Partie am Altenbrückertor

 

Lüneburg

Lüneburg ist die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks im Königreich Preußen, Provinz Hannover sowie des ehemaligen Fürstentums Lüneburg und Stadtkreis, an der schiffbaren Ilmenau und 17 Meter über dem Meer. Sie hat im Innern zahlreiche altertümliche Häuser, während die mit schonen Gärten gezierten Vorstädte ein modernes Aussehen zeigen. Die ehemaligen Festungswerke sind meist verschwunden. Der Markt und der sogenannte Sand die schönsten Plätze in der Stadt.

Lüneburg hat 4 Kirchen, darunter eine katholische, außerdem eine Synagoge. Die evangelischen Kirchen, in den letzten Jahrzehnten sämtlich restauriert, sind die Michaeliskirche (aus dem 15. Jahrhundert, mit den Begräbnisstätten der lüneburgischen Fürsten), die fünfschiffige Johanniskirche (die älteste, aus dem 14. Jahrhundert, im reinsten gotischen Stil ausgeführt, mit 113 Meter hohem Turm) und die Nikolaikirche (aus dem 15. Jahrhundert, mit großartigem Mittelschiff und 107 Meter hohem Turm). Sonstige bemerkenswerte Gebäude sind das am Marktplatz liegende altertümliche Rathaus mit restaurierter Gerichtslaube (die Decken- und Wandgemälde sind von Münchener Künstlern wiederhergestellt), großem Fürstensaal, alten Bildnissen, Glasmalereien und Schnitzwerken etc. (von dem ehemals in demselben aufbewahrten Silbergerät [Lüneburger Silberschatz] sind gute galvanoplastische Nachbildungen hier aufgestellt worden); die großen Gebäude des ehemaligen Michaelisklosters (jetzt Seminar und Landgericht); das alte Kaufhaus etc.

Lüneburg besitzt ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. und ein Kriegerdenkmal. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (Dragonerregiment Nr. 16) 24.693 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 873 sind Katholiken und 130 Juden. Lüneburg hat eine große, schon seit 906 benutzte Saline, mit Solbad verbunden, ein fiskalisches Gipswerk auf der westlichen Seite der Ilmenau in den bis 56 Meter ansteigenden Höhen (Schildstein, Kalk- und Zeltberg), ein Eisenwerk, Zement-, Tapeten- und Böttcherwarenfabrikation, eine Haartuchweberei und Roßhaarspinnerei, eine chemische Fabrik, eine Kunstmühle, Wachsbleicherei, ansehnliche Kunst- und Handelsgärtnerei etc. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank, ist bedeutend in Wein, Getreide, Holz, Heu, Stroh, Wolle, Wachs etc. Bekannt sind auch die Lüneburger Bricken (Neunaugen). Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Lehrte-Lüneburg, Lüneburg-Buchholz, Wittenberge-Lüneburg und Büchen-Lüneburg. Lüneburg hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, Präparandenanstalt, Handelsschule, Museum, Stadtbibliothek von 36.000 Bänden, Provinzialirrenanstalt, Strafanstalt etc. Die Stadt Lüneburg ist Sitz einer Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis Lüneburg), einer Berginspektion, eines Hauptsteueramts und einer Oberförsterei. Zum Landgerichtsbezirk Lüneburg gehören die zwölf Amtsgerichte zu Bergen, Bleckede, Celle, Dannenberg, Isenhagen, Lüchow, Lüneburg, Medingen, Neuhaus a. E., Soltau, Ülzen und Winsen a. L. In der Nähe liegt die Domäne Lüne mit evangelischer Kirche und Fräuleinstift in einem ehemaligen Kloster.

Die Altstadt von Lüneburg lag zwischen einer natürlichen Feste, dem Kalkberg, bis 1371 Residenz der braunschweig-lüneburgischen Herzoge, und einer wegen ihres reichen Salzgehalts bis heute wertvollen Saline. Als sich die Stadt, begünstigt durch den Untergang des nahen Bardowiek unter Heinrich dem Löwen (1189), ausdehnte, trat eine Vereinigung mit dem Archidiakonatssitz Modestorpe an der Ilmenau ein. Die älteste Urkunde des wertvollen Stadtarchivs von 1228 überlässt den Salzbegüterten die Wahl des Sodmeisters, des obersten Beamten der Saline; die älteste Bestätigung des Stadtrechts ist von 1247. Als Mitglied der Hansa hatte Lüneburg als Bindeglied zwischen dem wendischen und sächsischen Städteverein besondere Bedeutung. Das gute Verhältnis der Stadt zu den Landesherren wurde nach dem Aussterben der älteren Linie des Fürstenhauses (1369) gestört, aber Lüneburg entschied den Erbfolgekrieg zugunsten der Herzöge von Sachsen-Wittenberg. Das Welfenschloss auf dem Kalkberg wurde zerstört, die Bürgerschaft schlug einen Überfall des Herzogs Magnus von Braunschweig in der Ursulanacht 1371 blutig zurück. Als Magnus Söhne ihr Land zurückeroberten, wahrte Lüneburg seine Selbständigkeit und erwarb in den beiden folgenden Jahrhunderten trotz vieler Differenzen mit den Herzögen und trotz einer schweren Krise im sogenannten Prälatenkriege (1450–57) Macht und Wohlstand.

Ohne sonderliche Kämpfe wurde 1530 die Reformation eingeführt. Das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts bedeutete für die Stadt den Höhepunkt ihres Ansehens; dann ging es bergab. Im Dreißigjährigen Kriege wurde Lüneburg durch Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg eingenommen, die vom Rat notgedrungen aufgenommene schwedische Besatzung kapitulierte. Der Kalkberg blieb fortan als Zwingfeste in der Gewalt des Herzogs; Lüneburg war auf die Stufe einer einfachen Landstadt herabgesunken. Der wirtschaftliche Niedergang, gefördert durch eine völlig veraltete Ausnutzung der Salzquelle, wurde immer fühlbarer; nur der Frachttransport behielt noch eine gewisse Bedeutung, da die Waren bis Lüneburg auf der Ilmenau verschifft, von hier aus aber zu Wagen ins Binnenland geführt wurden. In der französisch-westfälischen Zeit hatte Lüneburg, wie ganz Hannover, unerschwingliche Lasten zu tragen; am 2. April 1813 fand in und vor der Stadt das erste siegreiche Treffen der Verbündeten am linken Elbufer statt. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts ist für die Stadt eine neue Blüte angebrochen.


Johanna Stegen "Deutsche Frauen, deutsche Treue" 2. Strophe des Deutschlandlieds
Johanna Stegen „Deutsche Frauen, deutsche Treue“ – 2. Strophe des Deutschlandlieds

Johanna Katherina Elisabeth Stegen, Heldin des Befreiungskrieges, genannt „das Mädchen von Lüneburg“, geboren am 11. Januar 1793 in Lüneburg, gestorben am 12. Januar 1842 in Berlin, entschied den Kampf um die Stadt Lüneburg am 2. April 1813 dadurch, dass sie den Preußen unter Major von Borcke, denen die Munition auszugehen drohte, aus einem umgestürzten Munitionswagen mitten im Kugelregen in ihrer Schürze Patronen zutrug, ohne selbst verwundet zu werden. Wegen ihres Mutes gefeiert, auch durch Rückert und Varnhagen von Ense nach 1813 in Gedichten verherrlicht, von den Franzosen aber nach ihrer erneuten Besitzergreifung Lüneburgs verfolgt, entging mehrmals den Häschern und heiratete 1813 den Lithographen Wilhelm Hindersin.

 

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