Waltershausen

Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha

Waltershausen 6727 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Waltershausen vom Tabarzer Weg gesehen
Waltershausen vom Tabarzer Weg gesehen

 

Waltershausen

Waltershausen ist eine Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha. Sie liegt am Nordabhang des Thüringer Waldes, 320 Meter über dem Meer und an der Staatsbahnlinie Fröttstedt-Georgenthal. Die Stadt hat eine evangelische Kirche, ein hochgelegenes Schloss (Tenneberg mit Amtsgericht und Landratsamt), Puppen- und Spielwarenfabriken, Fabrikation von Marmor-, Gummi- u. Tonwaren, Spritzenschläuchen, Pfeifen, Zigarrenspitzen und Zervelatwurst und Bierbrauerei. Im Jahr 1905 leben hier 6727 Einwohner. Unweit davon befindet sich die Erziehungsanstalt Schnepfenthal.

Der möglicher Weise im 9. Jahrhundert gegründete Ort entwickelte sich wohl nach Erbauung der 1176 bezeugten Burg Tenneberg durch planmäßigen Ausbau zur 1209 erstmals genannten Stadt, die 1329 befestigt war. Sie gehörte von Anfang an den Landgrafen von Thüringen, kam 1485 an das ernestinische Kursachsen und blieb bei den vielfachen ernestinischen Landesteilen stets mit Gotha verbunden. Dem 1394 genannten Rat standen die Niedergerichte zu. 1525 setzte sich die Reformation durch. Im Mittelalter war Waltershausen als „Bierstadt“ wichtig. Im 18. Jahrhundert kam die Puppen-, Porzellan- und Knopffabrikation auf, 1815 dominierten die Zeugmacher, die Leineweben, die Gerber und die Tuchmacher unter den Handwerkern, seit 1816 werden Spielwaren hergestellt.

1784 gründete der Philanthrop Christian Gotthilf Salzmann im Ortsteil Schnepfenthal eine Erziehungsanstalt, bei der Johann Christoph Friedrich GutsMuths den ersten Turn- und Sportplatz in Deutschland errichtete. 1834 hatte Waltershausen 2788 Einwohner. Einem ersten Pferdebahnanschluss an die Eisenbahn Gotha-Eisenach 1848 folgte 1876 die Bahnverbindung nach Fröttstädt und Friedrichroda. Im 19. Jahrhundert kamen die Schlauchweberei, die Gummischlauchfabrikation und die Wurstwarenerzeugung auf.