Coburg (Koburg)

Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums Sachsen-Coburg

Coburg – 22.489 Einwohner (1905) – 198. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Coburg, Panorama von Coburg von den Plattenäckern
Coburg, Panorama von Coburg von den Plattenäckern

Coburg (Koburg)

Coburg (Koburg) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Herzogtums Sachsen-Coburg, das seit 1826 mit dem Herzogtum Sachsen-Gotha zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha vereinigt ist und abwechselnd mit Gotha die Residenz des Herzogs ist. Die Stadt an der Itz, liegt in einer der anmutigsten Gegenden Frankens 298 Meter über dem Meer. Von Behörden haben dort ihren Sitz das herzogliche Staatsministerium, ein Landratsamt und ein Amtsgericht nebst Kammer für Straf- und Handelssachen, Oberförsterei und eine Handwerkskammer. Die städtischen Behörden zählen 11 Magistratsmitglieder und 18 Stadtverordnete. Coburg besitzt ein Amtsgericht und gehört zum Landgerichtsbezirk Meiningen.

Auf dem Marktplatz stehen das altertümliche, umgebaute Rathaus, das Regierungsgebäude und die Bronzestatue des Prinzen Albert (seit 1865, von Theed dem Jüngern modelliert). Auf dem Schlossplatz steht das Reithaus, die Arkaden, das Theater, das Palais Edinburg und das Standbild des Herzogs Ernst I. (von Schwanthaler).

Coburg hat 4 evangelische und eine katholische Kirche sowie eine Synagoge. Das Residenzschloss, die „Ehrenburg“ genannt, wurde 1549 an der Stelle eines Barfüßerklosters erbaut und 1693 erneuert. Es enthält einen ornamentenreichen Riesensaal, eine Hofkirche, eine Bildergalerie und einen prächtigen Söller. Im Hofgarten sind das herzogliche Palais und das Mausoleum des Herzogs Franz und seiner Gemahlin Auguste sehenswert. Dort steht auch das Reiterstandbild des Herzogs Ernst II. und der Herzog Alfred-Gedächtnisbrunnen. Unter den übrigen Gebäuden sind besonders hervorzuheben das Zeughaus mit der herzoglichen Bibliothek von 100.000 Bänden, das sogenannte Augustenstift, das Theater und der Marstall. Ein Kriegerdenkmal steht auf dem Ernstplatz.

Auf dem neuen Gottesacker am Glockenberg befindet sich das neue fürstliche Erbbegräbnis in romanischem Stil. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison des 1 Füsilierbataillon Nr. 95 20.460 Einwohner. Der Großteil sind Evangelische, 1139 sind Katholiken und 228 Juden.

Coburg hat mechanische Webereien und Spinnereien, Maschinen-, Farben-, Zement-, Spielwaren-, Wagen-, Fleischwaren-, Porzellan- und Möbelfabrikation, Dampfsägewerke, Granitschleiferei, Holzschnitzerei, Seifen- und Lichtefabriken, Ziegel- und Kalkbrennerei, Mälzerei etc. Besondere Bedeutung hat die Fabrikation von Korbwaren, die Bierbrauerei und die Theaterdekorationsmalerei.

Den Handel unterstützt eine Reichsbanknebenstelle sowie eine Handelskammer und ein Generalkonsulat der Vereinigten Staaten Amerikas. Coburg ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Eisenach-Lichtenfels, Coburg-Lauscha und Coburg-Rodach. An Bildungs- und andern Einrichtungen hat die Stadt ein Gymnasium, Oberrealschule, eine Handelsfach- und eine Baugewerkschule, Schullehrerseminar, Taubstummenanstalt, landwirtschaftliche Winterschule, Hoftheater, Landkrankenhaus etc.

Auf der Nordostseite der Stadt und mit dieser durch schöne Anlagen verbunden liegt die alte, geschichtlich denkwürdige Veste Coburg (458 m), deren Restauration 1838 begonnen wurde. Sie besteht aus dem alten eigentlichen Schloss, das seit 1782 bis zur Restauration als Zucht- und Arbeitshaus diente, dem sogenannten Langen Bau (mit reichen Naturaliensammlungen), dem ehemaligen Zeughaus, dem Wirtschaftsgebäude und dem Fürstenbau. Letzterer ist vollständig wiederhergestellt und reich an kunstvollen Wandverzierungen, von denen die Freskomalereien von Heinrich Schneider hervorzuheben sind. Sehenswert sind besonders der Waffensaal mit historisch wichtigen Stücken (wie Thomas Münzers Schwert etc.), das Lutherzimmer (mit den Bildnissen der berühmtesten Reformatoren und dem der Katharina von Bora) und die Gewehrkammer; auch enthält der Bau eine reiche Kupferstichsammlung (über 200.000 Blatt), eine Autographen-, Gläser- und Münzsammlung. Die sogenannte Hohe Bastei auf der Veste gewährt einen umfassenden Rundblick.

In der Nähe von Coburg sind bemerkenswert die Kapelle und die Platte mit schönen Spaziergängen, der Himmelsacker mit Bismarckturm, der Eckardtsberg, die herzoglichen Lustschlösser Kallenberg und Rosenau, das Palais des verstorbenen Herzogs Ernst von Württemberg und das Dorf Neuses, der ehemalige Wohnsitz des Dichters Rückert, mit dessen Kolossalbüste (von Conrad).

Namen und Ursprung hat die Stadt von der Feste Coburg, die angeblich zur Zeit König Heinrichs I. erbaut sein soll. Die Stadt Coburg selbst wird in einer Urkunde von 1207 erwähnt. Seit 1245 war sie Sitz einer Linie der Grafen von Henneberg und ging zu Ende des 14. Jahrhundert durch Heirat an das Haus Wettin, 1485 an dessen Ernestinische Linie über. Im 15. und 16. Jahrhundert hatte Coburg als Etappenpunkt auf der Straße von Nürnberg über Bamberg nach Norden große Bedeutung. Unter dem Herzog Johann Ernst von Sachsen wurde 1549 die Residenz in die Stadt verlegt, das Bergschloss, auf dem sich Luther während des Reichstags zu Augsburg 1530 aufhielt, zu einer Festung umgewandelt. Militärische Bedeutung hatte diese noch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo sie 1632 tapfer gegen Aldringen und Wallenstein verteidigt wurde und sich erst nach viermonatiger Belagerung 1635 dem kaiserlichen General Lamboy übergab.
1641 fiel Coburg an Sachsen-Altenburg. Im Jahr 1826 kam es in den ernestinischen Ländern (heutiges Thüringen) zur letzten dynastischen Landesteilung. Nach dem Aussterben der Linie Sachsen-Gotha-Altenburg (1826) erhielt Sachsen-Meiningen ganz Sachsen-Hildburghausen und den Saalfelder Teil von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Der Hildburghäuser Herzog erhielt dafür Sachsen-Altenburg als selbstständiges Herzogtum. Sachsen-Coburg erhielt Sachsen-Gotha und vereinigten sich zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Der Linie Sachsen Coburg entstammt u.a. die britische Königin Queen Victoria (1819 – 1901), deren Mutter Victoria Maria Louisa von Sachsen Coburg ist.
Nach einer Volksabstimmung 1919 wurde der Freistaat Coburg zum 1. Juli 1920 mit dem Freistaat Bayern vereinigt.