Ohrdruf

Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha

Ohrdruf 6114 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Ohrdruf, Bonifaciusplatz
Ohrdruf, Bonifaciusplatz

 

Ohrdruf

Ohrdruf ist eine Stadt im Herzogtum Sachsen-Gotha. Sie liegt 371 Meter über dem Meer, an der Ohra, am nördlichen Fuß des Thüringer Waldes und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Gotha-Ohrdruf und Ohrdruf-Gräfenroda. Die Stadt hat 2 evangelische Kirchen, ein Schloss, Realprogymnasium, Landratsamt, Amtsgericht, Porzellan-, Bleiweiß-, Schuh-, Stahl-, Spielwaren- und Papierfabrikation, Kupferhämmer und Elektrizitätswerk. Im Jahr 1905 leben hier 6114 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 45 Katholiken. In der Nähe liegt das frühere Eisenhüttenwerk Luisenthal (jetzt Bad und Sommerfrische). Die Stadt bildet mit sechs Dörfern die Grafschaft Obergleichen, die dem Fürsten von Hohenlohe-Langenburg unter gothaischer Hoheit gehört. Schon um 725 war in Ohrdruf ein Kloster. Ohrdruf erhielt 1399 Stadtrechte.

724 begann Bonifatius seine Mission in Thüringen mit der Gründung der Zelle St. Michael in Ohrdruf am linken Ohra-Ufer, sie gehörte um 800 dem Kloster Hersfeld. Mitte des 10. Jahrhunderts diente der Ort mit seinem Petristift als Aufenthaltsort König Ottos I. Aus dem Besitz der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg gelangte Ohrdruf 1342 an die Grafen von Gleichen. 1344 wurde das hiesige Chorherrenstift nach Gotha verlegt. Am Anschluss an die Dorfsiedlung bei der Michaeliskirche entwickelte sich an einer Paßstraße über den Thüringer Wald eine Marktsiedlung, die 1348 als Stadt, 1357 jedoch wieder als Flecken bezeichnet wurde. 1356 wurde sie von Ratsmeistern verwaltet. Von 1463 bis zur Reformation bestand ein Kameliterkloster. 1599 verlegten die Grafen von Gleichen ihre Residenz nach Ohrdruf in das neuerbaute Schloss Ehrenstein, gleichzeitig wurde die Stadt ummauert und ein Gymnasium eröffnet.

1631 kam Ohrdruf unter weimarischer, seit 1657 unter gothaischer Landeshoheit an die Grafen von Hohenlohe, die hier bis 1848 ihre Kanzlei und ihr Konsistorium unterhielten. Die Einwohner lebten von Landwirtschaft Wollweberei, Frachtfuhren, Holz- und Getreidehandel. Zwei Kupferhämmer stammten aus dem 15. und 17. Jahrhundert, ein Eisenwerk erzeugte Sicheln und Krauthobel, es gab zwei Papiermühlen und viele Peitschenstielmacher in einer eigenen Innung. 1830 hatte Ohrdruf 3588 Einwohner, Seit 1837 entstanden Fabriken für Porzellan, Spielwaren, Knöpfe, Lederwaren und Glasinstrumente. Seit 1876 besteht Bahnverbindung nach Gotha, seit 1892 nach Gräfenroda. 1906 wurde in unmittelbarer Nähe zum Ort ein Truppenübungsplatz angelegt. Während des 1. Weltkrieges diente dieser als Gefangenenlager für Soldaten der Ententemächte.