Gumbinnen

Stadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen und Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises

Gumbinnen 14.000 Einwohner – 1900

Gumbinnen, Große Brücke und Regierung
Gumbinnen, Große Brücke und Regierung

 

Gumbinnen

Gumbinnen ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen und Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises. Es liegt an der Pissa (einem Quellfluss des Pregels), die hier die Rominte aufnimmt, 43 Meter über dem Meer und der Staatsbahnlinie Königsberg-Eydtkuhnen.

Die Stadt hat 3 evangelische und eine katholische Kirche und eine Synagoge. Auf dem Marktplatz steht ein Standbild des Königs Friedrich Wilhelm I. (von Rauch), der Gumbinnen 1724 zur Stadt erhob. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (ein Füsilier-Regiment Nr. 33,3 Eskadrons Dragoner Nr. 8 und eine reitende Abteilung Feldartillerie Nr. 1) 14.000 Einwohner, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 297 sind Katholiken und 126 Juden.

Gumbinnen hat eine Eisengießerei und Maschinenbauanstalt mit Dampfhammer, mechanische Weberei, Möbel- und Hefenfabrikation, 2 Dampfsägemühlen, Molkerei, Ziegeleien und Bierbrauerei. Der Handel, unterstützt durch eine Nebenstelle der Reichsbank, ist nur wichtig in Landesprodukten, Vieh und Pferden. An Bildungs- und anderen Anstalten besitzt die Stadt ein Gymnasium mit Realschule und eine landwirtschaftliche Winterschule. Gumbinnen ist Sitz einer königlichen Regierung, einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts, eines Amtsgerichts sowie des Stabes der 4. Infanteriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 9 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete.

Der Regierungsbezirk Gumbinnen, der östlichste des Königreichs Preußen, umfasst das alte Preußisch-Litauen und Masuren, zählt im Jahr 1900 auf 15.880,46 km² (288,42 Quadratmeilen) 792.240 Einwohner (50/km²), davon 767.632 Evangelische, 14.294 Katholiken und 4690 Juden, 42.058 Personen mit polnischer, 75.531 mit masurischer und 70.657 mit litauischer Muttersprache, und besteht aus den 17 Kreisen: Stadtkreis Insterburg, Stadtkreis Tilsit, Angerburg, Darkehmen, Goldap, Gumbinnen, Heydekrug, Landkreis Insterburg, Niederung, Oletzko, Pillkallen, Ragnit, Stallupönen und dem Landkreis Tilsit.

Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918), Anfang August 1914 waren die russische Narew-Armee und Njemen-Armee tief in Ostpreußen eingedrungen. 152.000 deutsche Soldaten standen einer Übermacht von 191.000 Russen gegenüber.

Der deutsche Oberbefehlshaber, General von Prittwitz verlor nach der verlustreichen Schlacht bei Gumbinnen (20. August 1914) die Nerven und ordnete den Rückzug hinter die Weichsel an. Da dadurch ganz Ostpreußen verloren gewesen wäre, enthob Generalstabschef Helmuth von Moltke von Prittwitz seines Postens. Für von Moltke war nur Generalmajor Ludendorff in der Lage den Feind aufzuhalten. Ludendorff war jedoch ein großer Choleriker und hatte einen niedrigeren Dienstgrad als die anderen Frontgeneräle und so stellte man ihm den ruhigen und besonnenen Paul von Hindenburg als nominellen Oberbefehlshaber zur Seite. Nach den bereits ausgearbeiteten Plänen des 1. Generalstabsoffizier, General Max Hoffmann, wurden die Russen in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen; der russische Oberbefehlshaber, General Samsonow, schoss sich danach eine Kugel in den Kopf. Nach dem deutschen Sieg bei Tannenberg (Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914) wurde der offizielle Befehlshaber der 8. Armee General Paul von Hindenburg zum Volkshelden.

Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945), am 21. Januar 1945 wurde Gumbinnen von der Roten Armee erobert und dabei großenteils zerstört. Die Bevölkerung, soweit nicht geflohen, ermordet oder verschleppt, wurde vollständig vertrieben und Gumbinnen unter sowjetische Verwaltung gestellt. 1946 wurde Gumbinnen zum Gedenken an den sowjetischen Hauptmann Sergej Iwanowitsch Gussew (1918-1945) in Gussew umbenannt. Die Stadt gehört heute zum russischen Oblast Kaliningrad.

 

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