Marienwerder

Marienwerder (Wpr.), Blick auf die Stadt
Marienwerder (Wpr.), Blick auf die Stadt

Marienwerder in Westpreußen im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Marienwerder 11.828 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Marienwerder (Wpr.), Gesamtansicht
Marienwerder (Wpr.), Gesamtansicht

Marienwerder in Westpreußen im Königreich Preußen

Marienwerder ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Westpreußen und Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks.

Landkarte Westpreussen
Landkarte Westpreussen

Marienwerder liegt 5 km von der Weichsel, an der Liebe (unterhalb Alte Nogat genannt) und 34 Meter über dem Meer. Die Stadt Marienwerder ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Kulmsee-Marienburg und Freystadt i. Westp.-Marienwerder sowie der Marienwerder Kleinbahnen. Marienwerder hat 2 evangelische Kirchen, darunter die große Domkirche (1343–84 erbaut, mit den Grabmälern dreier Hochmeister und der pomesanischen Bischöfe), eine katholische Kirche, Synagoge, ein altes Domschloss (jetzt Amtsgericht) und ein Rathaus.

Marienwerder Wpr., Königliche Regierung
Marienwerder Wpr., Königliche Regierung

Im Jahr 1900 leben in Marienwerder mit der Garnison (eine Abteilung Feldartillerie Nr. 71) 9686 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1868 sind Katholiken und 160 Juden, die Zucker-, Seifen-, Essig- und Maschinenfabrikation, Bierbrauerei, Molkerei und Obstbau betreiben. Marienwerder ist Sitz einer Regierung, eines Oberlandesgerichts, eines Amtsgerichts, einer Oberförsterei, der Generallandschaft für Westpreußen und hat eine Nebenstelle der Reichsbank, Gymnasium, Unteroffizierschule und Landgestüt.

Marienwerder Wpr., Breite Straße
Marienwerder Wpr., Breite Straße

Zum Oberlandesgerichtsbezirk Marienwerder gehören die fünf Landgerichte in Danzig, Elbing, Graudenz, Konitz und Thorn. Die Burg wurde 1232, die Stadt 1233 angelegt und war die Residenz der ersten Bischöfe von Pomesanien; hier schlossen am 14. März 1440 Land und Städte den Preußischen Bund zur Wahrung ihrer Rechte gegenüber dem Orden. Die Marienwerdersche Niederung erstreckt sich auf der rechten Seite der Weichsel unterhalb bis zur Teilung des Stromes.

Marienwerder Wpr., Unteroffizierschule
Marienwerder Wpr., Unteroffizierschule

Der Regierungsbezirk Marienwerder umfasst 17.578 km² (319,23 Quadratmeilen), zählt im Jahr 1900 = 897.666 Einwohner (51/km²), davon 401.074 Evangelische, 480.082 Katholiken und 12.722 Juden (344.895 Personen mit polnischer und 10.494 mit kassubischer Muttersprache) und besteht aus den folgenden 17 Kreisen: Briesen, Culm, Deutsch Krone, Flatow, Graudenz (Stadt), Graudenz (Land), Konitz, Löbau i. Westp. (Sitz in Neumark), Marienwerder, Rosenberg (Westp.), Schlochau, Schwetz, Strasburg (Westp.), Stuhm, Thorn (Stadt), Thorn (Land) und Tuchel.

Plébiscite Marienwerder Kwidzyn
Plébiscite Marienwerder Kwidzyn, 1920
Commission Interalliée Marienwerder
Commission Interalliée Marienwerder, 1920
Commission Interalliée Marienwerder
Commission Interalliée Marienwerder, 1920

Nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) bestimmte der Versailler Vertrag 1919 eine Volksabstimmung in kleinen Gebieten Westpreußens. Am 11. Juli 1920 stimmte die Bevölkerung in Marienwerder mit über 92 % für den Verbleib bei Deutschland und gegen den Anschluss an Polen. Daraufhin kam der Osten der Provinz Westpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Sitz in Marienwerder zur Provinz Ostpreußen.

Marienwerder (Wpr.), Blick auf die Stadt
Marienwerder (Wpr.), Blick auf die Stadt

Im Januar 1945, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945), wurde Marienwerder von der Roten Armee erobert und als Lazarettstadt verwendet. Es kam zu Plünderungen und Brandstiftungen, der die Altstadt zum Opfer fiel. Die Bevölkerung wurde, soweit nicht vorher evakuiert, ermordet, verschleppt bzw. vertrieben. Marienwerder wurde unter polnische Verwaltung gestellt, die Polen nennen die Stadt nun Kwidzyn.

Marienwerder, W.-Pr., Schloss, Nordseite
Marienwerder, W.-Pr., Schloss, Nordseite

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911
  • „Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948: Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit“ von Heinz Nawratil, Universitas 2007

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