Masuren, Große Popowka bei Lötzen

Masuren

Masurenland und Masuren im südlichen Ostpreußen

Masuren, Partie bei Bogatzewen
Masuren, Partie bei Bogatzewen

Masurenland (Masuren), vorzugsweise der altpreußische Gau Galindien und ein Teil von Sudauen, umfasst in engerer Bedeutung des Wortes die Kreise Johannisburg, Sensburg, Lyck, Lötzen, in weiterer Bedeutung aber auch die Kreise Ortelsburg, Neidenburg, Rössel, Oletzko, Osterode und Allenstein. Im allgemeinen herrscht eine große Abwechselung zwischen Höhen und Seen, indem der ostpreußische Landrücken mit seinen bedeutendsten Gipfeln diesen Landstrich durchzieht. 

Masuren, südliches Ostpreußen
Masuren, südliches Ostpreußen (Meyers Konv.-Lexikon, 6. Auflage)

Unter den Seen, den Masurischen Seen, liegen die drei größten, der Spirding-, Löwentin- und Mauersee, in einer tiefen Senkung des Landrückens und sind durch zahlreiche, aber nur kurze Kanäle, die Masurischen Kanäle, miteinander verbunden. Die Bewohner sind in der Mehrzahl Masuren und evangelisch. Lyck gilt als Hauptstadt des Landes.

Lyck, Stadtbild
Lyck, Stadtbild

Die wenigen Städte Masurens liegen meist unmittelbar an einem der größeren Seen oder doch nahe einem solchen. Nikolaiken ist eine Brückenstadt; es entstand an der stärksten Einengung der 70 km langen und durchschnittlich 2 km breiten, an Maränen (Fischart) reichen Seewasserstraße, die sich von Rhein im Norden bis Guszianka im Süden quer durch Masuren zieht und mit dem Spirdingsee zusammenhängt und die nur an dieser Stelle ohne Schwierigkeiten überbrückt werden konnte.

Nikolaiken, Ostpreußen - Masuren
Nikolaiken, Ostpreußen - Masuren

Masuren, die Bewohner der alten Landschaft Masowien, sind ein polnischer Volksstamm. Sie leben in den russischen Gouvernements Plozk, Warschau und Teilen anderer angrenzender Gouvernements, im Norden in der polnischen Landbevölkerung des südlichen Ostpreußen bis an die Linie Dubeningken-Angerburg, Allenstein-Liebemühl in das Deutsche Reich hineinreichend. Auf preußischem Boden, wo sie der lutherischen Kirche angehören, bewohnen sie ein Gebiet von über 11.500 km² (210 Quadratmeilen), ihre Zahl beträgt um 1900 etwa 250.000 Seelen. 

Masuren, Anlegestelle Upalten
Masuren, Anlegestelle Upalten

Noch zahlreicher sind die Masuren in Polen, wo sie der katholischen Konfession angehören. Sie sind ein biederes, von Landwirtschaft und Viehzucht lebendes Völkchen, bei dem noch patriarchalische Familienzustände herrschen. Masuren gelten für gesellig, gutmütig und weich und kleiden sich zum Teil noch in selbstgewebtes graues Wollzeug (Wand); ihre einfachen Häuser sind aus Holz erbaut und mit Stroh gedeckt.

Masuren, Kruttinnafluss - Reitbrücke
Masuren, Kruttinnafluss - Reitbrücke

Die Städte im preußischen Anteil (Lyck, Johannisburg, Ortelsburg, Neidenburg, Soldau etc.) sind alle deutsch. Die protestantischen Masuren stehen dem Deutschen, dessen Sprache sie alle kennen, freundlich gegenüber, im Gegensatz zu ihren katholischen Stammesgenossen. Von den Masuren hat der polnische Tanz Masurka (Mazur, Mazurek) seinen Namen.

Masuren, Kleiner Guszinsee bei Rudezanny
Masuren, Kleiner Guszinsee bei Rudezanny

Noch zahlreicher sind sie in Polen, wo sie der katholischen Konfession angehören. Die Masuren sind ein biederes, von Landwirtschaft und Viehzucht lebendes Völkchen, bei dem noch patriarchalische Familienzustände herrschen. Sie gelten für gesellig, gutmütig und weich und kleiden sich zum Teil noch in selbstgewebtes graues Wollzeug (Wand); ihre einfachen Häuser sind aus Holz erbaut und mit Stroh gedeckt.

Masuren, Olszowierog bei Nikolaiken
Masuren, Olszowierog bei Nikolaiken

Von den Masuren hat der polnische Tanz Masurka (Mazur, Mazurek) seinen Namen. Vergleiche Kozlowski, Lieder und Gebräuche der Masuren (poln., Warschau 1869); Zweck, Die Bewohner Masurens (Stuttgart 1900; Sonderausgabe aus dem unten angeführten Werk); Tetzner, Die Slawen in Deutschland (Braunschweig 1902).

Masuren heißen auch die polnischen Bewohner des westgalizischen Flachlandes, östlich bis zum San. Siehe Galizien.

Verfolgung der geschlagenen Russen nach der Winterschlacht in Masuren
Verfolgung der geschlagenen Russen nach der Winterschlacht in Masuren

Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) drang die russische Narew-Armee und Njemen-Armee tief in Ostpreußen ein. 152.000 deutsche Soldaten standen einer Übermacht von 191.000 Russen gegenüber. Es kam zur Schlacht bei Tannenberg (26. – 31. August 1914), zur Schlacht an den Masurischen Seen (6. – 14. September 1914) und zur Winterschlacht in Masuren (7. – 27. Februar 1915), in deren Folge die Russen wieder vertrieben werden konnten.

Allenstein, Plebiscite 1920, Briefmarke Deutsches Reich 1,50 Mark
Allenstein, Plebiscite 1920, Briefmarke Deutsches Reich 1,50 Mark
Allenstein, Plebiscite 1920, Briefmarke Deutsches Reich 2,50 Mark

1919 erhob das neugegründete Polen neben Oberschlesien, Westpreußen und Posen auch Anspruch auf das Masurenland und so bestimmte der Versailler Vertrag eine Volksabstimmung. Diese musste in den Regierungsbezirken Allenstein sowie Gumbinnen unter der Aufsicht einer interalliierten Kommission abgehalten werden. Am 11. Juli 1920 entschieden sich bei 80 % Wahlbeteiligung die Mehrheit der Bevölkerung (363.159 Stimmen = 97,86 %) für den Verbleib bei Deutschland. Nur 7924 Stimmberechtigte (2,14 %) votierten für Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) wurde das Gebiet 1945 der polnischen Verwaltung unterstellt und alle deutschen Bewohner vertrieben.

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Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Geographischer Bilderatlas aller Länder der Erde“, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1913
  • „Bertelsmann Universal Lexikon“, Gütersloh 1994

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