Allenstein

Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg

Allenstein 27.394 Einwohner – 1905 = 151. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Allenstein O.-Pr., Evangelische Kirche und Altes Schloss
Allenstein O.-Pr., Evangelische Kirche und Altes Schloss

Allenstein

Allenstein ist eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg und liegt an der Alle. Sie ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Osterode-Memel, Allenstein-Insterburg und anderer Linien. Dem Verkehr in der Stadt dienen elektrische Straßenbahnen.

Allenstein hat eine evangelische und 2 katholische Kirchen, eine Synagoge, ein altes Schloss, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., Gymnasium, Realschule und eine Provinzialirrenanstalt (Kortau).

An Industrie sind vertreten Eisengießerei, Maschinen-, Zündholz-, Ofen- und Faßfabrikation, Holzbereitungsanstalten etc. Den Handel, unterstützt eine Nebenstelle der Reichsbank. Allenstein hat im Jahr 1900 mit der Garnison (Infanterieregimenter Nr. 150 und 151, Dragonerregiment Nr. 10 und Feldartillerieregiment Nr. 73) 24.295 meist katholische Einwohner.

Die Stadt ist Sitz eines Landgerichts (für die 10 Amtsgerichte zu Allenstein, Gilgenburg, Hohenstein, Neidenburg, Ortelsburg, Osterode, Passenheim, Soldau, Wartenburg und Willenberg) und des Stabes der 37. Division, der 75. Infanterie- und der 37. Kavalleriebrigade.

Es erhielt 1353 kulmisches Stadtrecht. Die Burg war Sitz eines Verwalters des ermländischen Domkapitels und Hauptort eines der drei Kammerämter, die dem Kapitel unterstanden und zusammen mit den bischöflichen Kammerämtern das Hochstift Ermland bildeten, das als weltliches Herrschaftsgebiet dem Bischof und dem Kapitel bei der Gründung der vier preußischen Bistümer 1245 zugestanden wurde. 1905 wurde Allenstein, neben Königsberg und Gumbinnen, Sitz eines dritten Regierungsbezirks in der Provinz Ostpreußen. Von 1818 bis 1910 gehörte sie dem Landkreis Allenstein an und wurde dann kreisfreie Stadt.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918), im August 1914, waren die russische Narew- und Njemen-Armee tief in Ostpreußen eingedrungen. 152.000 deutsche Soldaten standen einer Übermacht von 191.000 Russen gegenüber. Der deutsche Oberbefehlshaber, General von Prittwitz verlor nach der verlustreichen Schlacht bei Gumbinnen (20.08.1914) die Nerven und ordnete den Rückzug hinter die Weichsel an. Da dadurch ganz Ostpreußen verloren gewesen wäre, enthob Generalstabschef Helmuth von Moltke von Prittwitz seines Postens. Für von Moltke war nur Generalmajor Ludendorff in der Lage den Feind aufzuhalten. Ludendorff war jedoch ein großer Choleriker, außerdem hatte er einen niedrigeren Dienstgrad als andere Frontgeneräle und so stellte man ihm den ruhigen und besonnenen Hindenburg als nominellen Oberbefehlshaber zur Seite. Nach den bereits ausgearbeiteten Plänen des 1. Generalstabsoffizier, General Max Hoffmann, wurden die Russen in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen, der russische Oberbefehlshaber, General Samsonow, schoss sich eine Kugel in den Kopf. Nach dem deutschen Sieg bei Tannenberg (Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914) wurde der offizielle Befehlshaber der 8. Armee General Paul von Hindenburg zum Volkshelden.

Der Versailler Vertrag 1919 bestimmte nach dem Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) die Durchführung einer Volksabstimmung im südlichen Ostpreußen. Eine überwältigende Mehrheit stimmte 1920 für den Verbleib bei Deutschland und gegen einen Anschluss an Polen. In der Stadt Allenstein votierten 98 % der Einwohner für Deutschland.

Allenstein, Plebiscite 1920
Allenstein, Plebiscite 1920

Ende des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945), am 22. Januar 1945, wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Dabei kam es zu schweren Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung durch die sowjetischen Soldaten, auch wurden in der zum Feldlazarett umfunktionierten Heilanstalt Kortau alle Patienten und das Personal ermordet. Während der Plünderungen steckten die sowjetischen Soldaten die Stadt in Brand, wodurch insbesondere in der Altstadt über 1000 Häuser zerstört wurden. Im März 1945 übergab die Rote Armee Allenstein der polnischen Verwaltung, alle Einwohner, soweit nicht geflohen, ermordet bzw. verschleppt, wurden vertrieben. Die Polen nennen die Stadt nun Olsztyn.

 

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