Insterburg, Totalansicht

Insterburg

Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Gumbinnen

Insterburg 28.902 Einwohner – 1905 = 143. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Insterburg, Totalansicht
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Insterburg

Insterburg ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Gumbinnen, liegt an der Angerapp, die sich 2 km unterhalb der Stadt mit der Inster zum Pregel vereinigt (aber schon in Insterburg allgemein Pregel genannt wird).

Die Stadt ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Königsberg-Eydtkuhnen, Osterode-Memel und Allenstein-Insterburg sowie mehrerer Kleinbahnen. Insterburg hat 4 evangelische Kirchen, von denen die Hauptkirche mit schönen Holzschnitzereien und Deckengemälden geschmückt ist, eine katholische Kirche, eine Kirche der apostolischen Gemeinde, ein Bethaus der Baptisten, Synagoge, einen schönen Stadtpark mit dem Kriegerdenkmal und einem Denkmal des Oberbürgermeisters Korn.

Insterburg, Buttermarkt mit Wilhelmstraße
Insterburg, Buttermarkt mit Wilhelmstraße

Insterburg hat im Jahr 1900 mit der Garnison (2 Bat. Infanterie Nr. 45,4 Eskadrons Ulanen Nr. 12, ein Feldartilleriereg. Nr. 37 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 1) 27.787 Einwohner, die überwiegende Mehrheit sind Evangelische, 788 sind Katholiken und 350 Juden. Die Industrie beschäftigt sich mit Flachsspinnerei, Maschinen-, Ofen-, Kunststein-, Zementrohr- und Schuhwarenfabrikation, Knochen und Gipsmüllerei, Gerberei, Bierbrauerei etc. Bedeutend ist auch die Pferdezucht, für die hier das litauische Landgestüt besteht.

Insterburg, Alter Markt
Insterburg, Alter Markt

Alljährlich finden zwei große Pferderennen statt. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Reichsbankstelle (Umsatz 1903: 370,1 Millionen Mark), ist besonders lebhaft in Landesprodukten und Pferden. Insterburg hat ein Gymnasium (mit Realgymnasium), dessen Aula mit Freskomalereien von E. Neide geschmückt ist, Präparandenanstalt, eine Altertumsgesellschaft mit reichhaltigem Museum, einen landwirtschaftlichen Zentralverein für Litauen und Masuren mit Versuchsstation und eine Provinzialstrafanstalt.

Insterburg, Bahnhof
Insterburg, Bahnhof

Die Stadt ist Sitz eines Landgerichts, des Landratsamtes für den Landkreis Insterburg, einer Spezialkommission, der Handwerkerkammer für den Regierungsbezirk Gumbinnen und den Kreis Memel sowie des Stabes der 2. Division, der 2. Kavallerie- und der 2. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 8 Magistratsmitglieder und 36 Stadtverordnete. 2 km von Insterburg liegt die Domäne Georgenburg mit einem interessanten Ordensschloss und einem Landgestüt.

Insterburg, Totalansicht
Insterburg, Totalansicht

Zum Landgerichtsbezirk Insterburg gehören die sechs Amtsgerichte zu Darkehmen, Goldap, Gumbinnen, Insterburg, Pillkallen und Stallupönen.

Geschichte von Insterburg:

Die ehemalige „Burg an der Inster“ wurde 1337 angelegt und war zunächst Sitz eines Komturs, wurde 1374 in eine Pflege und 1525 in ein Hauptamt umgewandelt. Der dabei entstandene Ort erhielt 1583 Stadtrechte. 1690 wurde Insterburg durch eine große Feuersbrunst heimgesucht.

Insterburg, Hindenburgstraße
Insterburg, Hindenburgstraße

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) wurde die Stadt von den Russen erobert, dabei aber nur wenig beschädigt. Gouverneur Dr. med. Bierfreund verstand es mit den russischen Besetzern umzugehen und so Ausschreitungen zu verhindern. Nach den bereits ausgearbeiteten Plänen des 1. Generalstabsoffizier, General Max Hoffmann, wurden die Russen in der Schlacht bei Tannenberg geschlagen, der russische Oberbefehlshaber, General Samsonow, schoss sich eine Kugel in den Kopf.

Insterburg, Wilhelmstraße mit Reichsbank
Insterburg, Wilhelmstraße mit Reichsbank

Nach dem deutschen Sieg bei Tannenberg (Schlacht bei Tannenberg vom 26. bis 30. August 1914) wurde der offizielle Befehlshaber der 8. Armee General Paul von Hindenburg zum Volkshelden. Am 11. September 1914 mussten sich die Russen aus Insterburg zurückziehen. Während des Zweiten Weltkrieges (1939 – 1945) wurde Insterburg im Juli 1944 durch einen britischen Bombenangriff erheblich zerstört. Am 21. Januar 1945 eroberte die Rote Armee die Stadt.

Insterburg, Infanterie-Kaserne 45
Insterburg, Infanterie-Kaserne 45

Die Bewohner, soweit sie nicht vorher geflohen, ermordet oder verschleppt, werden vertrieben. Ostpreußen wird zwischen der Sowjetunion und Polen aufgeteilt. Zu Ehren des am 18. Februar 1945 in der Kesselschlacht von Heiligenbeil bei Mehlsack gefallenen Befehlshabers der 3. Weißrussischen Front, General Iwan D. Tschernjachowski, benennen die Russen Insterburg in Tschernjachowsk um. Die Stadt gehört heute zum Kaliningrader Gebiet und damit zu Russland.

 

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