Hanau, Marktplatz

Hanau

Hanau im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Hanau 31.637 Einwohner – 1905 = 125. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Hanau, Altstädter Rathaus
Hanau, Altstädter Rathaus

Hanau im Königreich Preußen

Hanau ist eine Stadt (Stadtkreis) im Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, ehemalige Hauptstadt der Grafschaft Hanau, liegt am Einfluss des Krebsbaches und der Kinzig in den Main, sowie 98 Meter über dem Meer.

Hanau besteht aus den durch den Paradeplatz getrennten Stadtteilen Alt- und Neustadt, von denen die letztere zu Ende des 16. Jahrhundert von vertriebenen Niederländern und Wallonen gegründet ist. Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (4 evangelische und eine katholische Kirche sowie eine Synagoge) sind nennenswert, die Johanniskirche (1658–79 erbaut), die sehr alte Marienkirche (früher Kollegiatkirche), mit der Gruft der Grafen von Hanau, sowie die wallonisch-niederländische Kirche (1600 erbaut), ein eigenartiger Bau, dessen Grundfläche aus zwei ineinander gefügten Kreisen besteht.

Hanau, Paradeplatz
Hanau, Paradeplatz

Von anderen Gebäuden sind bemerkenswert das Schloss, ehemalige Residenz der Grafen, mit Park, das 1733 erbaute Rathaus mit Turm, das Theater etc. Erwähnenswert ist der Marktbrunnen aus dem Jahre 1621. An Denkmälern befinden sich dort Denksteine zur Erinnerung an die Entsetzung der Stadt 1636 und an die Schlacht bei Hanau (30. Oktober 1813) sowie Denkmäler der Brüder Grimm und des Grafen Philipp Ludwig II., des Gründers der Neustadt. Vom Main geht ein kurzer Kanal bis vor die Stadt und dient zugleich als Hafen.

Hanau, Markt mit Rathaus und Grimmdenkmal
Hanau, Markt mit Rathaus und Grimmdenkmal

Im Jahr 1900 leben in Hanau mit der Garnison (zwei Infanteriebataillone Nr. 166 und ein Ulanenregiment Nr. 6) 29.846 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 6305 sind Katholiken und 657 Juden. Der Haupterwerbszweig ist die Fabrikation von Bijouteriewaren (Schmuckgegenstände) in Gold und Juwelen, von goldenen Ketten und Silberwaren (1800 Arbeiter) sowie die Diamantenschleiferei. Außerdem hat Hanau Fabrikation von Tabak und Zigarren, Maschinen, Platina-, Aluminium- und Lederwaren, Hüten, Papier, Teppichen, Schokolade etc., Eisengießereien, Holzschneidereien, lithographische Anstalten, Gewürzmühlen, Bierbrauerei und in der Nähe eine große Pulverfabrik.

Hanau, Krämerstraße
Hanau, Krämerstraße

Der Handel in Hanau, unterstützt durch eine Handelskammer und eine Nebenstelle der Reichsbank, befasst sich außer den Industrieerzeugnissen besonders mit Holz, Drogen, Kolonialwaren, Wein, Getreide und Spiritus. Für den Eisenbahnverkehr ist Hanau Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Frankfurt-Bebra, Friedberg-Hanau, FrankfurtAschaffenburg u. a. An Bildungs- und anderen ähnlichen Anstalten hat Hanau ein Gymnasium (1607 als Hohe Landesschule gegründet), eine Oberrealschule, Zeichenakademie, eine naturwissenschaftliche Gesellschaft, einen Geschichtsverein, in dessen Hause die Funde der Ausgrabungen in der Umgegend und die des Totenfeldes bei dem nahen Rückingen aufgestellt sind,

Hanau, Ostbahnhof
Hanau, Ostbahnhof

einen Kunst-, Kunstindustrie- und Kunstgewerbeverein, Landkrankenhaus, Diakonissenhaus, Waisenhaus etc. Von Behörden haben in Hanau ihren Sitz ein Landgericht, das Landratsamt für den Landkreis Hanau, Hauptsteueramt und eine Spezialkommission. Die städtischen Behörden setzen sich zusammen aus 14 Magistratsmitgliedern und 36 Stadtverordneten. Zum Landgerichtsbezirk Hanau gehören die 22 Amtsgerichte zu Bergen, Bieber, Birstein, Burghaun, Eiterfeld, Fulda, Gelnhausen, Großenlüder, Hanau, Hilders, Hünfeld, Langenselbold, Meerholz, Neuhof, Orb, Salmünster, Schlüchtern, Schwarzenfels, Steinau, Wächtersbach, Weyhers und Windecken.

Hanau-Kesselstadt
Hanau-Kesselstadt

In der Nähe von Hanau befindet sich das Schloss Philippsruhe und das Wilhelmsbad mit Eisenquellen. Die in der Umgebung Hanaus aufgefundenen zahlreichen Urnen, Münzen etc. deuten darauf hin, dass der Gründung der Stadt wahrscheinlich eine römische Ansiedelung vorherging. 1393 wurde Hanau zur Stadt erhoben, von dem Grafen Philipp 1528 befestigt und mit einem neuen Schloss geziert. Bedeutung erhielt die Stadt erst, als gegen Ende des 16. Jahrhundert eine aus ihrem Vaterland der Religion wegen vertriebene Kolonie von Niederländern sich hier niederließ.

Hanau, Infanteriekaserne und Zeughaus
Hanau, Infanteriekaserne und Zeughaus

Im Dreißigjährigen Kriege 1636 von den Kaiserlichen unter General Lamboy belagert, wurde die Stadt am 13. Juni 1636 durch ein schwedisches Korps unter dem Landgrafen Wilhelm V. von Kassel entsetzt, was einem nahen Walde den Namen Lamboywald und Veranlassung zu dem jetzt noch jeden 13. Juni gefeierten Lamboyfest gab. Im Februar 1638 wurde Hanau von den Kaiserlichen unter dem Grafen Wilhelm von Nassau-Dillenburg doch erstürmt, welcher der abenteuerlichen Herrschaft, die der schwedische Befehlshaber, ein Schotte namens Ramsay, führte, ein Ende machte.

Hanau, Kaserne des Eisenbahn-Regts. Nr. 2
Hanau, Kaserne des Eisenbahn-Regts. Nr. 2

In der neuern Kriegsgeschichte ist Hanau durch die Schlacht vom 30. und 31. Oktober 1813 bekannt geworden. Nach dem Abschluss des Vertrags von Ried (8. Oktober 1813) zwischen Bayern und Österreich zog der bayrische General Wrede an der Spitze eines bayrisch-österreichischen Heeres über Würzburg nach Hanau, um den nach der Völkerschlacht bei Leipzig, dem Rhein zueilenden Franzosen den Rückzug abzuschneiden, und erreichte am 28. Oktober mit seiner Vorhut Hanau. Seine ganze Streitmacht zählte nach den Entsendungen, die er gemacht, noch etwa 40.000 Mann.

Hanau, Stadt-Schloss
Hanau, Stadt-Schloss

Die Franzosen aber, 60.000 Mann stark, warfen am 29. Oktober, nachdem sie den Engpass zwischen Schlüchtern und Gelnhausen ohne Hindernis passiert, die vereinzelten Abteilungen Wredes östlich von Hanau zurück und nahmen Langenselbold mit Sturm. Als Napoleon I. am 30. Oktober aus dem Lamboywald, der vor Wredes Front lag, hervorbrach, wurde er zwar vom feindlichen Geschütz mit wirksamem Feuer empfangen und erlitt große Verluste; indes Drouet brachte Wredes Artillerie durch 50 Kanonen zum Schweigen, und ein Angriff der französischen Kavallerie durchbrach die bayrisch-österreichische Schlachtreihe.

Hanau, Partie an der Wilhelmsbrücke
Hanau, Partie an der Wilhelmsbrücke

Wrede zog sich unter großen Verlusten über die Lamboybrücke auf das linke Ufer der Kinzig zurück. Am Morgen des 31. Oktober nahm Napoleon I. Hanau, und der größte Teil seiner Armee konnte auf der freien Straße nach Frankfurt abmarschieren. Wrede schritt nun zu einem Angriff, um die Nachhut der Franzosen abzuschneiden. Die Verbündeten nahmen das noch von zwei französischen Regimentern besetzte Hanau mit Sturm wieder, wobei Wrede selbst schwer verwundet wurde; doch gelang es ihnen nicht, sich der Kinzigbrücke zu bemächtigen und dadurch die französische Nachhut abzuschneiden.

Hanau, von der Terrasse "zur schönen Aussicht"
Hanau, von der Terrasse „zur schönen Aussicht“

Derselbe marschierte, 14.000 Mann stark, unter Mortier während der Nacht über die Lamboybrücke nach Frankfurt ab. Der Kampf der beiden Tage hatte den Verbündeten gegen 9000 Mann gekostet.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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Fulda

 

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