Schleswig

Schleswig, Befreiungsdenkmal
Schleswig, Befreiungsdenkmal

Schleswig Hauptstadt der preußischen Provinz Schleswig-Holstein, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Schleswig 19.032 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Schleswig, Ansicht
Schleswig, Ansicht

Schleswig im Königreich Preußen

Schleswig ist eine Stadt im Königreich Preußen, Hauptstadt der Provinz Schleswig-Holstein und des gleichnamigen Regierungsbezirks.

Landkarte Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck
Landkarte Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Bremen, Hamburg, Lübeck

Schleswig liegt in einem Halbkreis am Westende der Schlei. Mit vier Bahnhöfen ist sie Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Neumünster-Wamdrup und Schleswig-Friedrichsberg – Schleswig-Altstadt sowie der Kleinbahnlinien Schleswig-Süderbarup und Schleswig-Satrup. Schleswig ist 5 km lang und besteht aus den drei seit 1711 miteinander verbundenen Städten Friedrichsberg westlich, Lollfuß und Altstadt nördlich der Schlei. An letztere schließt sich südöstlich der Stadtteil Holm, meist von Fischern bewohnt, an.

Schleswig, Partie vom Holm
Schleswig, Partie vom Holm

Unter den kirchlichen Gebäuden (3 evangelische und eine katholische Kirche und eine Baptistenkapelle) sind besonders der gotische Dom St. Peter (nach dem Brand von 1440 neu erbaut) mit 112 m hohem Turm, dem Marmordenkmal des Königs Friedrich I. von Dänemark (von 1555) und einem mit kunstvoller Holzschnitzerei (385 Hauptfiguren) versehenen Altarschrein (ein Werk Hans Brüggemanns, 1521) bemerkenswert.

Schleswig, Schloss Gottorp
Schleswig, Schloss Gottorp

Von anderen Gebäuden ist nur das auf einer Insel zwischen der Schlei und dem Burgsee liegende Schloss Gottorp (ursprünglich Bischofssitz, dann Residenz der Herzöge und dänischen Statthalter, seit 1850 Kaserne) hervorzuheben. An Denkmälern befinden sich dort ein Kriegerdenkmal, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., das von Peterich modellierte Chemnitz-Bellmanndenkmal des Dichters und des Komponisten des „Schleswig-Holstein-Liedes“, ein Denkmal für Graf Reventlow und W. Beseler, 1848 Leiter der provisorischen Regierung, ein Denkmal des dort geborenen Malers Carstens und ein Bismarckbrunnen.

Schleswig, Kanonendenkmal
Schleswig, Kanonendenkmal

Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 84 und ein Husarenregiment Nr. 16) 19.032 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 674 sind Katholiken und 26 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Leder-, Dachpappen- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, Schiffbau, Fischerei, Bierbrauerei und Schifffahrt. Den Handel unterstützt ein Handelsverein, eine Nebenstelle der Reichsbank, die Schleswiger Bank etc., den Verkehr in der Stadt vermittelt eine Straßenbahn. Die dortige Reederei zählte im Jahr 1903: 13 Dampfschiffe zu 16.757 Registertonnen Raumgehalt.

Schleswig, Partie vom Holm
Schleswig, Partie vom Holm

Schleswig hat ein Gymnasium mit Realschule (königliche Domschule), ein Lehrerinnenseminar, eine Taubstummenanstalt, eine Provinzialirrenanstalt, eine Idiotenanstalt etc. sowie das Staatsarchiv und ist Sitz des Oberpräsidiums, des Provinzialschulkollegiums, eines Generalsuperintendenten, einer Kirchenpropstei, eines Landratsamtes für den Kreis Schleswig und eines Amtsgerichts. In der Nähe der Stadt (im Süden) das sogenannte Danewerk, im Nordosten das Dorf St. Jürgen und an der Südostseite der Schlei der herzogliche Landsitz Luisenlund. Schleswig war schon 808 ein wichtiger Handelsort.

Schleswig, Regierungsgebäude
Schleswig, Regierungsgebäude

In dem nahen Haddeby erbaute Ansgar die erste christliche Kirche in Dänemark; 948 wurde in Schleswig ein Bistum errichtet, und um 1200 erhielt der Ort Stadtrechte. In den Kriegen zwischen den Deutschen und Dänen 1848–64 (Deutsch-Dänischer Krieg) war Schleswig ein wichtiger Platz, den die Dänen am 5. Februar 1864 nach dem Schleiübergang der Preußen räumten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schleswig-Holstein Teil der britischen Besatzungszone. Die britische Militärregierung entschied 1946, dass Kiel neue Landeshauptstadt wurde.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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