Schönberg in Mecklenburg

Stadt im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, Fürstentum Ratzeburg

Schönberg 2838 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Schönberg in Mecklenburg, Siemzerstraße
Schönberg in Mecklenburg, Siemzerstraße

 

Schönberg in Mecklenburg

Schönberg ist die Hauptstadt des zu Mecklenburg-Strelitz gehörigen Fürstentums Ratzeburg. Sie liegt an der Maurin und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Lübeck-Strasburg i. U. und der Kleinbahn Schönberg-Dassow.

Schönberg ist Sitz der höchsten Landesbehörden für das Fürstentum Ratzeburg. Die Stadt hat eine evangelische Kirche, ein Lutherdenkmal, Realgymnasium, Amtsgericht, Oberförsterei, Elektrizitätswerk und Dampfmolkerei. Im Jahr 1905 leben hier 2838 Einwohner.

Das 1219 genannte Dorf lag am Übergang der Straße von Lübeck nach Schwerin über die Maurine. Seine nach 1250 erbaute Wasserburg war Mittelpunkt des den Bischöfen von Ratzeburg geschenkten Landes Boitin, seit 1328 residierten die Bischöfe bis zur Reformation 1550 in Schönberg. 1648 fiel der Ort an die Herzöge von Mecklenburg. Das Schloss wurde 1804 abgerissen. Seit Anfang des 16. Jahrhunderts wird der Ort als oppidum und Städtlein bezeichnet, mit der Gerichtsbarkeit blieb er den Bischöfen bzw. dem landesherrlichen Amt unterworfen, 1701 fiel er förmlich an das Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. Schönberg wurde 1822 zur Stadt erhoben. 1829 zählte man 1425 Einwohner, die sich von Handwerk, örtlichem Handel und Landwirtschaft ernährten. Seit 1868 besteht Bahnverbindung nach Lübeck und Bad Kleinen, seit 1905 nach Dassow. Nach 1870 entstand eine Möbelfabrik.

Fürstentum Ratzeburg

Ratzeburg, ein zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz gehöriges Fürstentum, liegt davon getrennt zwischen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Schwerin und der Freien und Hansestadt Lübeck, 382 km² (6,94 Quadratmeilen) groß, wird von der Trave und dem Ratzeburger See bewässert. Im Jahr 1905 leben hier 14,799 Einwohner und hat Schönberg i. M. zum Hauptort.

Lübeck, Fürstentum Lübeck, Fürstentum Ratzeburg, Karte 1900
Lübeck, Fürstentum Lübeck, Fürstentum Ratzeburg, Karte 1900

Das Fürstentum Ratzeburg ist aus dem 1154 durch Heinrich den Löwen errichteten Bistum Ratzeburg hervorgegangen. Der Bistumssprengel umfasste von Mecklenburg-Schwerin den Klützer Ort, den westlichen Teil der Herrschaft Wismar, die Ämter Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch, Wittenburg, Hagenow, Toddin, Boizenburg, Lübtheen, Eldena und einen Teil des Amtes Grabow, ferner den nördlich der Elbe gelegenen Teil der Provinz Hannover, die Vierlande, das Herzogtum Lauenburg und das Fürstentum Ratzeburg. Anfänglich dem Herzog von Sachsen, zeitweise auch dem Dänenkönig untergeordnet, wurde der Bischof 1236 durch Friedrichs II. Belehnung Reichsfürst; doch wurde das Bistum erst 1522 zur Türkensteuer herangezogen. Nachdem 1554 der letzte Bischof, Christoph von der Schulenburg, das Bistum dem minderjährigen Herzog Christoph von Mecklenburg abgetreten hatte, den 1555 sein älterer Bruder, Johann Albrecht, gegen Überlassung des Erzstifts Riga zum Verzicht bewog, wurde die Reformation durchgeführt. Die Säkularisation des nunmehr evangelischen Bistums Ratzeburg, bestimmt im Westfälischen Frieden, kam 1653 zustande; jetzt war Ratzeburg Privateigentum des Herzogs. Durch den Hamburger Vergleich vom 8. März 1701 kam Ratzeburg an die damals neu entstehende Linie Mecklenburg-Strelitz (seit 1815 Großherzogtum); nur infolge der Erwerbung von Ratzeburg erhielt der Herzog Sitz und Stimme auf den Kreistagen. Staatsrechtlich war Ratzeburg ein selbständiges, durch Personalunion mit Mecklenburg-Strelitz verbundenes Land, da die zwischen den Fürstentümern Mecklenburg, Wenden, Rostock und Stargard am 1. August 1523 geschlossene Union zu Recht besteht. Infolge des Druckes der Bundesregierung erhielt Ratzeburg 1869 eine eigene Volksvertretung, die allerdings infolge des grundsätzlichen Fernbleibens der bäuerlichen und bürgerlichen Abgeordneten erst 1906 in Wirksamkeit trat.

 

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