Wismar

zweite See- und Handelsstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin

Wismar 22.028 Einwohner – 1905 = 200. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Wismar, Markt Südseite mit "alten Schweden"
Wismar, Markt Südseite mit „alten Schweden“

Wismar

Wismar ist die zweite See- und Handelsstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, an der Südspitze einer durch die Insel Poel geschützten Bucht der Ostsee, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Ludwigslust-Wismar und Wismar-Rostock. Die Stadt hat 4 evangelische Kirchen: die Marienkirche im gotischen Stil mit 80 Meter hohem Turm aus dem 14. Jahrhundert, die Georgenkirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die Nikolaikirche aus dem 15. Jahrhundert, mit alten Wandmalereien und die Heilige Geistkirche. Bemerkenswert sind das Rathaus mit gotischem Kellergewölbe, die „alte Schule“, ein zierlicher, gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, jetzt Altertumsmuseum, das große Wassertor aus dem 15. Jahrhundert, der Fürstenhof, ein Backsteinbau im Stil der italienischen Frührenaissance aus der Mitte des 16. Jahrhundert, früher Residenz der Herzoge, später schwedisches Tribunal, jetzt Amtsgericht etc.

Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (ein Füsilierbataillon Nr. 90) 21.902 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 400 sind Katholiken und 32 Juden. Wismar hat eine Waggonfabrik, Eisengießerei, Maschinenbau. Hobelwerke, Papier-, Düten-, Zucker-, Malz-, Essig-, Ofen-, Dachpappen-, Asphalt-, Zement-, Draht waren-, Tau-, Holzschuh-, Leisten- und Zichorienfabrikation, Roßhaarspinnerei, ein Elektrizitätswerk, Spiritusbrennerei, Bierbrauerei, Fischräucherei etc. Der Handel, vorzugsweise Seehandel, unterstützt durch eine Nebenstelle der Reichsbank, ist wichtig in Holz, Steinkohlen, Getreide, Wein, Seegras, Kalksteinen, Granit, Papier, Zucker etc. Die dortige Reederei zählte 1906: 22 Seeschiffe zu 15.403 Registertonnen Raumgehalt. Im Hafen kamen an in demselben Jahre 809 beladene Schiffe mit 121.243 Registertonnen; es gingen ab: 543 Schiffe mit 39.483 Registertonnen Raumgehalt. Wismar hat eine besondere Flagge, eigene Gesetzgebung und freie Stadtverwaltung; es ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Domanialamts, eines Hauptzollamts, eines Strand- und eines Seemannsamts und hat ein Gymnasium mit Realschule, eine Gewerbeschule, ein Theater etc. 5 km nordwestlich das Seebad Wendorf.

Wismar erhielt 1229 das schwerinische, 1266 das lübische Stadtrecht, kam 1301 an Mecklenburg, trat im 13. Jahrhundert dem Hansabund bei, geriet aber seit dem 16. Jahrhundert in Verfall. Im Westfälischen Frieden 1648 kam die Stadt zugleich mit der die Domanialämter Neukloster und Poel umfassenden Herrschaft Wismar an Schweden. 1675 wurde die stark befestigte Stadt durch die Dänen belagert und durch Kapitulation erobert, jedoch 1678 wieder herausgegeben. 1712 wiederum von Dänen, 1716 aber von Dänen, Preußen und Hannoveranern belagert, verlor Wismar die Festungswerke. 1803 wurde die ganze Herrschaft Wismar von Schweden an Mecklenburg-Schwerin für 1.258.000 Taler verpfändet und 1897 unter die Landstände aufgenommen. 1903 verzichtete Schweden auch formell auf sein Recht, das Pfand Wismar wieder einzulösen.