Schwerin in Mecklenburg

Haupt- und Residenzstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin

Schwerin in Mecklenburg = 41.638 Einwohner (1905) = 96. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Schwerin i. M., Blick vom Arsenal
Schwerin i. M., Blick vom Arsenal

 

Neben der Stadt Schwerin in Mecklenburg existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich):

  1. Schwerin an der Warthe, eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Posen, Regierungsbezirk Posen.

 

Schwerin in Mecklenburg

Schwerin ist die Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, im Kreis Mecklenburg oder Herzogtum Schwerin, das die größere Westhälfte des Landes umfasst. Sie liegt in schöner Gegend zwischen der Westseite des Schweriner Sees und anderen kleineren Seen und 38,4 Meter über dem Meer.

Die Stadt hat schöne Straßen, 9 Plätze (darunter der Luisenplatz, der Alt- und der Neustädtische Platz und der Alte Garten, auf letzterem das von Rauch modellierte kolossale Erzstandbild des Großherzogs Paul Friedrich und das Kriegerdenkmal) und viele ansehnliche Gebäude, darunter das auf einer Insel zwischen dem Schweriner und dem Burgsee gelegene prächtige großherzogliche Residenzschloß (1845–58 nach den Plänen Demmlers, mit teilweisen Änderungen von Stüler, im Renaissancestil an der Stelle einer alten Wendenfeste neu erbaut) mit prächtigem Garten, in dem ein Denkmal für den Großherzog Friedrich Franz II. errichtet wurde. An kirchlichen Gebäuden besitzt Schwerin 4 evangelische Kirchen (darunter der 1365–1430 erbaute gotische Dom mit vortrefflichen Denkmälern, Glasmalereien und einer vorzüglichen Orgel und die gotische Paulskirche), eine katholische Kirche und eine Synagoge. Sonst sind noch nennenswert: der Kollegienpalast (Ministerium), das Prinzenpalais, der großherzogliche Marstall, das Arsenal, das Theater etc.

Die Zahl der Einwohner beläuft sich im Jahr 1905 mit der Garnison (2 Bataillone Grenadierregiment Nr. 89 und ein Feldartillerieregiment Nr. 60) auf 41.638 Seelen, davon (1900) 793 Katholiken und 299 Juden. Industrie und Handel sind nicht bedeutend. Schwerin hat Eisengießerei, Maschinenfabrikation, Fabriken für musikalische Instrumente (darunter eine große Pianofortefabrik), Silberwaren, Glasschilder, Korke, Lackfirnis, Bierbrauerei, Dampfmahl- und Sägemühlen, ein Elektrizitätswerk, Spiritusbrennerei, Molkerei, Dampfschifffahrt etc. Für den Eisenbahnverkehr ist Schwerin Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Ludwigslust-Wismar, Schwerin-Parchim und Schwerin-Rehna. An Bildungs- und andern öffentlichen Anstalten befinden sich dort: ein Gymnasium, ein Realgymnasium, ein Predigerseminar, eine Präparandenanstalt, ein neues Museum mit Gemäldegalerie, eine Bibliothek, ein Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertümer, eine Geigenmacherschule, ein Waisenhaus, eine Idiotenanstalt u. a.

Schwerin ist Residenz des Großherzogs (seit 1837), Sitz der Landesbehörden, eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion, der Direktion der Mecklenburgischen Friedrich Franz-Eisenbahn, eines Forstkollegiums, einer Forstinspektion, eines Hauptsteueramts, der Mecklenburgischen Lebensversicherungs- und Sparbank, der Mecklenburgischen Landes-Versicherungs-, der Hypotheken- und Wechselbank, des Ritterschaftlichen Kreditvereins für beide Mecklenburg etc., ferner des Kommandos der 17. Division, der 34. Infanterie-, 17. Kavallerie- und 17. Feldartilleriebrigade. Die städtische Verwaltung setzt sich zusammen aus dem Magistrat (9 Mitglieder) und dem Bürgerausschuss (50 Mitglieder). In der Nähe der Vergnügungsort Zippendorf und auf einer Anhöhe am Ziegelsee das Dorf Sachsenberg mit Irrenanstalt und 700 Einwohner.

Zum Landgerichtsbezirk Schwerin gehören die 15 Amtsgerichte zu: Boizenburg, Dömitz, Gadebusch, Grabow, Grevesmühlen, Hagenow, Krivitz, Lübtheen, Ludwigslust, Neustadt, Parchim, Rehna, Schwerin, Wismar und Wittenburg. Schwerin (Zwarin oder Swerin) ist slawischen Ursprungs, kommt zuerst 1018 vor, erhielt 1161 von Heinrich dem Löwen Stadtrechte und wurde Hauptstadt einer Grafschaft sowie 1167 Sitz eines Bistums. Nach der Säkularisation des Bistums 1648 kam es für das abgetretene Wismar an Mecklenburg.