Minden i. W., Neue Weserbrücke

Minden in Westfalen

Minden in Westfalen im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Minden i. W. 25.429 Einwohner – 1905 = 159. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Minden i. W., Rathaus
Minden i. W., Rathaus

Neben der Stadt Minden in Westfalen existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich)

 

Minden in Westfalen im Königreich Preußen (Preußisch-Minden)

Minden (Minden in Westfalen, Preußisch-Minden), Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks und Kreises im Königreich Preußen, Provinz Westfalen und bis 1873 Festung zweiten Ranges.

Minden liegt 46 Meter über dem Meer, am linken Ufer der Weser, über die hier eine feste, von 1871–74 neu erbaute Brücke führt und ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Wustermark-HannoverHamm und der Mindener Kreisbahn.

Minden i. W., Trachten
Minden i. W., Trachten

Von den 6 zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden Mindens, 4 evangelische und eine katholische Kirche und eine Synagoge, zeichnen sich aus die katholische Domkirche, ein Meisterwerk frühgotischen Stils (aus dem 13. Jahrhundert, im Innern restauriert), und die alte evangelische Martinikirche (mit einem Altarbild, den heiligen Martin darstellend, angeblich von Lukas Cranach).

Minden i. W., Das neue Regierungsgebäude mit Monumental-Brunnen
Minden i. W., Das neue Regierungsgebäude mit Monumental-Brunnen

Sonstige hervorragende Gebäude Mindens sind das Rathaus mit gotischer Fassade, das alte Regierungsgebäude im Rundbogenstil, das neue Regierungsgebäude im Stil der deutschen Renaissance, das alte Oberpostdirektionsgebäude am Bahnhof und das neue in der Heidestraße, das Stadtkrankenhaus etc. Erwähnenswert ist das Denkmal des Großen Kurfürsten vor dem Wesertor.

Holzminden, Halbemondstraße
Holzminden, Halbemondstraße

Die ehemaligen Festungswerke sind in schattige Anlagen verwandelt. Im Jahr 1906 leben in Minden mit der Garnison (1 Infanterieregiment Nr. 15,2 Abteilungen Feldartillerie Nr. 58 und 1 Pionierbataillon Nr. 10) 25.429 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 3319 sind Katholiken und 215 Juden.

Minden i. W., Denkmal des Großen Kurfürsten und Regierungsgebäude
Minden i. W., Denkmal des Großen Kurfürsten und Regierungsgebäude

In industrieller Beziehung sind zu nennen die Fabrikation von Zigarren und Tabak, Glas, Zündschnüre, Leder, Lampen, Leim, Hufeisen, Fahrrädern, Chemikalien, Zementwaren, Strohpapier, Zichorie, Schokolade, Marzipan, Konserven und Seife, ferner eine Eisenbahnwerkstätte, ein Eisenwalzwerk, Eisengießerei. Branntweinbrennerei, Bierbrauerei, Schiffbau und Schifffahrt.

Minden i. W., Neue Weserbrücke
Minden i. W., Neue Weserbrücke

Der lebhafte Handel wird durch eine Handelskammer, eine Nebenstelle der Reichsbank (Umsatz 1904: 359,3 Millionen Mark) und andere Bankinstitute unterstützt. Minden i. W. ist Sitz einer Regierung, einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts, einer Oberförsterei und eines Amtsgerichts sowie des Stabes der 26. Infanteriebrigade und hat ein Gymnasium, verbunden mit Oberrealschule (in der Aula die beiden Gemälde: Armins Rückkehr aus dem Teutoburger Wald und Wittekinds Taufe von Paul Thumann). In der Nähe die Porta Westfalica mit dem Kaiser Wilhelm-Denkmal.

Minden i. W., Überführung des Mittellandkanals über die Weser
Minden i. W., Überführung des Mittellandkanals über die Weser

Minden i. W. (urkundlich Mindun und Mindo) wurde von Karl der Große zum Sitz eines Bistums gemacht. Wegen der Einführung der Reformation 1529 und Vertreibung des Kapitels wurde die Stadt 1538 geächtet, kam aber 1547, von den Kaiserlichen bedroht, durch Vermittlung des Grafen von Hoya mit einer Geldbuße davon.

Minden i. W., Kanalbrücke über die Weser
Minden i. W., Kanalbrücke über die Weser

Im Dreißigjährigen Kriege besetzte es 1626 Tilly, 1634 Herzog Georg von Lüneburg und am 26. April 1636 die Schweden, die es bis zur Besitzergreifung durch den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 7. September 1650 besetzt hielten. 1757 von den Franzosen genommen, wurde Minden i. W. 1758 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig erobert, im Juni 1759 aber von dem Herzog von Broglie wieder gewonnen. Kurz darauf, am 1. August kämpften bei den benachbarten Dörfern Gohfeld und Todtenhausen die Franzosen unter Marschall Contades mit der englisch-preußischen Armee unter Ferdinand von Braunschweig, wobei erstere unterlagen.

Minden i. W., Ressource
Minden i. W., Ressource

Nach dem Siebenjährigen Kriege wurden die Festungswerke geschleift. Während der Dauer des Königreichs Westfalen gehörte Minden dazu, kam 1814 wieder an das Königreich Preußen, wurde seit 1816 neu befestigt und zum Hauptwaffenplatz von Westfalen umgewandelt; 1873 wurden die Festungswerke wiederum geschleift.

Minden i. W., Blick von der neuen Weserbrücke
Minden i. W., Blick von der neuen Weserbrücke

Der Regierungsbezirk Minden umfasst 5261 km² (95,53 Quadratmeilen) mit im Jahr 1900 = 636.875 Einwohnern (121 auf 1 km²), davon 414.806 Evangelische, 215.773 Katholiken und 5095 Juden, und besteht aus den 11 Kreisen: Bielefeld (Stadt), Bielefeld (Land), Büren, Halle i. W., Herford, Höxter, Lübbecke, Minden, Paderborn, Warburg, Wiedenbrück.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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