Deutsche Schutzgebiete

Deutsche Schutzgebiete
Deutsche Schutzgebiete

Deutsche Schutzgebiete – die Kolonien des Deutschen Reichs

Deutsche Erde (Kolonien und Auswanderung), 1908
Deutsche Erde (Kolonien und Auswanderung), 1908

Länder und Regionen die gegen ihren Willen anderen Mächten unterworfen waren sind so alt wie die Menschheit selbst. Spanien, Portugal, England und Frankreich waren die klassischen Kolonialmächte der Neuzeit, sie teilten die Welt weitgehend unter sich auf. Deutschland begann infolge seiner politischen Zerrissenheit erst sehr spät mit der Kolonisation.

Unsere Marine. Du kennst mein Herz noch lange nicht!
Unsere Marine. Du kennst mein Herz noch lange nicht!

Zwar betätigten sich Deutsche öfters an fremden kolonialen Unternehmungen, vorübergehend wurden auch deutscherseits Unternehmungen in fremden Ländern versucht (so 1528 mit der Belehnung der Augsburger Kaufmannsfamilie der Ehinger durch Kaiser Karl V. mit Venezuela, das bald an die Welser überging), indessen kam es nicht zu einer dauernden staatlichen Betätigung in Übersee.

Unsere Marine. Fahr mich hinüber schöner Schiffer!
Unsere Marine. Fahr mich hinüber schöner Schiffer!

Die Unternehmungen des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) an der afrikanischen Westküste (Großfriedrichsburg 1682 – 1717), sowie auf der dänisch-westindischen Insel St. Thomas wurden nach seinem Tod infolge des Widerstands der Holländer und Franzosen und letztlich auch eigenes Desinteresse aufgegeben.

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen!
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen!

Nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) verhielt sich Reichskanzler Otto von Bismarck zunächst ablehnend gegen territoriale Erwerbungen in Übersee, so lehnte er den Vorschlag ab, anstelle der beiden Provinzen Elsaß und Lothringen französischen Kolonialbesitz zu übernehmen.

O wie herrlich, o wie schön ist ein solches Wiederseh'n!
O wie herrlich, o wie schön ist ein solches Wiederseh’n!
Gustav Nachtigal

Gustav Nachtigal
* 23.02.1834 in Eichstedt/Altmark (Reg.-Bez. Magdeburg),
† 20.04.1885 an Bord von S.M.S. Möwe vor Westafrika,
Arzt und Afrikareisender, 1884 stellte er Togo und Kamerun unter deutschen Schutz

Otto von Bismarck 1871:

Ich will auch gar keine Kolonien, sie sind bloß zu Versorgungsposten gut. Diese Kolonialgeschichte wäre für uns genau so wie der seidene Zobelpelz in polnischen Adelsfamilien, die keine Hemden haben.

Und so verwundert es nicht, dass die ersten kolonialen Bestrebungen von Privatpersonen initiiert wurden. Erwähnt sei hier besonders der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz, der 1882 die Gebiete um Angra Pequena im späteren Deutsch-Südwestafrika erwarb und Carl Peters.

Adolf Lüderitz

Adolf Lüderitz
* 16.07.1834 in Bremen,
† Ende Oktober 1886 im Oranjefluss ertrunken.
Lüderitz war Kaufmann mit mehreren Faktoreien in Westafrika. Er erwarb 1883 das Gebiet um Angra Pequena (Lüderitzbucht) nebst dem angrenzenden Küstenstrich (Lüderitzland) im späteren Deutsch-Südwestafrika.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, unter Kaiser Wilhelm II., versuchte das Deutsche Reich mit der Eroberung von weiteren Kolonien in den Rang einer Weltmacht aufzusteigen. Dabei geriet es immer wieder mit den etablierten Kolonialmächten, allem voran England und Frankreich, aneinander. 

Carl Peters

Carl Peters
* 27.09.1856 Neuhaus an der Elbe,
† 10.09.1918 Bad Harzburg;
gilt als der Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika

Deutsche Kolonien:

Deutsch-Südwestafrika 5 Mark, 1900
Deutsch-Südwestafrika 5 Mark, 1900
Deutsch-Ostafrika 3 Rupien, 1905
Deutsch-Ostafrika 3 Rupien, 1905

Als Handelsvertretungen gegründet, bedurfte die Verwaltung der Kolonien ständiger Subventionen. Die Kolonialgebiete kosteten das Reich mehr als sie einbrachten.

Ehemalige Deutsche Kolonien I., Kartographische Anstalt von F.A. Brockhaus, Leipzig: Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo
Ehemalige Deutsche Kolonien I., Kartographische Anstalt von F.A. Brockhaus, Leipzig: Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo

Die amtliche Bezeichnung der deutschen Kolonien lautete „Deutsche Schutzgebiete“, auch wenn der von früher stammende Name „Schutzgebiete“ das Rechtsverhältnis nicht klar wiedergab.

Ehemalige Deutsche Kolonien II., Kartographische Anstalt von F.A. Brockhaus, Leipzig: Deutsch-Neuguinea, Samoa, Marshall-Inseln, Karolinen, Marianen, Kiautschou
Ehemalige Deutsche Kolonien II., Kartographische Anstalt von F.A. Brockhaus, Leipzig: Deutsch-Neuguinea, Samoa, Marshall-Inseln, Karolinen, Marianen, Kiautschou

Auf dem Höhepunkt umfassten die deutschen Kolonien 2.597.000 km² (47.166 Quadratmeilen) mit 12,4 Millionen Einwohner (24.000 Deutsche), wovon auf Afrika 2.352.800 km² (42.729 Quadratmeilen) mit 11.864.000 Einwohnern, auf Ozeanien 243.819 km² (4428 Quadratmeilen) mit 448.700 Einwohnern, auf Asien 501 km² mit 84.000 Einwohnern kommen.

Briefmarken aus Deutsch-Südwest-Afrika
Briefmarken aus Deutsch-Südwest-Afrika

Sämtliche afrikanischen Besitzungen sowie die Marshallinseln mit Nawodo unterstehen unmittelbar dem Reich und werden durch dessen Gouverneure oder Kommissare verwaltet, auch trägt das Reich die für Verwaltung, Schutztruppe u. a. durch die Einnahmen nicht gedeckten Kosten. 1914 war das Deutsche Reich auf eine Kriegsführung in Übersee nicht vorbereitet. „Die Kolonien werden in der Nordsee verteidigt„, lautet die offizielle Leitlinie. 

Briefmarken aus Deutsch-Ostafrika
Briefmarken aus Deutsch-Ostafrika

1914 war das Deutsche Reich auf eine Kriegsführung in Übersee nicht vorbereitet. „Die Kolonien werden in der Nordsee verteidigt„, lautet die offizielle Leitlinie. Zudem hoffte Berlin vergeblich auf Einhaltung der Kongo-Akte, in der sich die Kolonialmächte 1885 das vertragliche Versprechen gegeben hatten, ihre überseeischen Besitzungen im Kriegsfall als neutral anzusehen. „Absolut ungenügend vorbereitet…„, wie der ehemalige deutsch-südwestafrikanische Gouverneur Seitz 1920 bekannte, „…trafen die deutschen Schutzgebiete 1914 die Invasionen der Ententemächte„.

1 Rupie, Deutsch-Ostafrika
1 Rupie Deutsch Ostafrika 1906

Die Dirigenten bzw. Direktoren der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und die Staatssekretäre des Reichskolonialamtes.

AmtszeitName
1 April 1890F. R. Krauel, Ministerialdirigent
1890 – 1894P. Kayser, Ministerialdirigent
1894 – 1896P. Kayser, Ministerialdirektor
1896 – 1898Freiherr 0. von Richthofen, Ministerialdirektor
1898 – 1900G. von Buchka, Ministerialdirektor
1900 – 19050. W. Stübel, Ministerialdirektor
1905 – 1906Erbprinz Ernst zu Hohenlohe-Langenburg, Ministerialdirektor
1906B. Dernburg, Ministerialdirektor
1907 – 1910B. Dernburg, Staatssekretär
1910 – 1911F. von Lindequist, Staatssekretär
1911 – 1918W. H. Solf. Staatssekretär

Seit Beginn der Kolonialpolitik des Deutschen Reichs bearbeiten Referenten der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes die kolonialen Belange bis 1890.

Deutsch-Ostafrika, Wappen (Entwurf)
Deutsch-Ostafrika
Deutsch-Südwestafrika, Wappen (Entwurf)
Deutsch-Südwestafrika
Kamerun, Wappen (Entwurf)
Kamerun
Togo, Wappen (Entwurf)
Togo
Deutsch-Neuguinea, Wappen (Entwurf)
Deutsch-Neuguinea
Samoa, Wappen (Entwurf)
Samoa
Kiautschou
Kiautschou

Anfang 1914 gab es im Reichskolonialamt Planungen, den Deutschen Kolonien eigene Wappen und Flaggen zu geben. Die Wappenentwürfe wurden nach mehreren Änderungen von Kaiser Wilhelm II. noch genehmigt, kamen dann jedoch aufgrund des Kriegsbeginns (Erster Weltkrieg 1914 – 1918) nicht mehr zur Ausführung.

Quellenhinweise:

  • „Deutschlands Kolonien“ von Rochus Schmidt Verlag des Vereins der Bücherfreunde Schall & Grund 1898
  • „Großes Lehrbuch der Geographie“ E. von Seydlitz, Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“ 7. Auflage Braunschweig und Leipzig Hellmuth Wollermann 1906
  • „Konversationslexikon“, Leipzig und Wien 1909
  • „Die deutschen Kolonien“ Geographie, E. von Seydlitz – Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau 1910
  • „Deutschlands Kolonien“ von W. Scheel Verlagsanstalt für Farbfotographie Weller & Hüttich 1912
  • „Die deutschen Kolonien“ Herausgegeben von Kurd Schwabe Nationalausgabe – Band I/II 1914
  • „Deutsches Kolonial-Lexikon“ Leipzig 1920
  • „Der Kampf um unsere Schutzgebiete – Unsere Kolonien einst und jetzt“ von P. Jos. M. Abs Düsseldorf 1926
  • zeitgenössische Postkarten mit ihren originalen Bildunterschriften.

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