Deutsch-Südwestafrika

Verwaltungszentrum Windhuk

Deutsch-Süd-West-Afrika
Eisenbahn der Strecke Swakopmund – Windhoek durch das Khangebirge

 

Deutsche Kolonie von 1885 bis 1919

Wappen:

Wappen Deutsch-Südwestafrika
Wappen Deutsch-Südwestafrika

Größe:

835.100 km² entspricht 1 ½ Deutsches Reich (Kaiserreich).

Bevölkerung:

200.000. Zahlreichster Bestandteil der Eingeborenen sind die Hereros, ein Bantustamm, nach Schinz 86.000 Seelen. Sie bewohnen das innere Hochland nördlich vom Swakop, nordwärts bis jenseits Waterberg, ostwärts bis zum 18. Grad östlicher Länge von Greenwich, 80—90.000 km². Die Bergdamara (nach Missionar Viehe an Zahl 35.000), durchaus verschieden von den Hottentotten, kommen südlich von der Etoshapfanne in ganz Deutsch-Südwestafrika vor und leben in kleinen Abteilungen zwischen den Herero und Hottentotten. Die Hottentotten (ca. 10.000) oder Nama (von gelblicher Hautfarbe) finden sich in Groß-Namaland und einem Teil des Kaokofeldes. Die Ovambo (ca. 60.000), ein Bantustamm im Ambolande, zwischen dem 18. Grad südlicher Breite und dem Kunene. Die Buschmänner, einige Tausend an Zahl, führen in der Kalahari und in dem Gebiet zwischen der Etoshapfanne und Damaraland ein ungebundenes Leben. Die Bastards, stärkste Niederlassung bei Rehoboth (sämtlich Christen), sind Mischlinge von Europäern und Hottentotten (nach Wagner 2000 an Zahl). Die weisse Bevölkerung beträgt nach der Zählung vom 1. Januar 1897 2628 Personen, davon 1221 Deutsche männlichen Geschlechts.

Bodengestalt:

In seiner ganzen Ausdehnung ist Deutsch-Südwestafrika eine bis zu 1200 m anfangs sanft, dann meist steil ansteigende Terrassen-Landschaft, die sich ca. 300 km vom Meere entfernt binnenwärts zu senken beginnt. Die Breite des Wüsten Küstengürtels beträgt mehrere Tagereisen, doch bilden die größeren Flüsse Oasen. Als Hafenplätze werden benutzt Lüderitzbucht (Angra Pequena), Sandwichhafen, die englische Walfischbai an der Mündung des Kuisseb, und Swakopmund an der Mündung des Swakop. Im Innern befinden sich ‚vereinzelt und unregelmäßig verteilt zahlreiche Gebirgszüge, Kuppen und Bergreihen, die um mehrere 100 m über das Durchschnittsniveau der Landoberfläche emporragen (Gneis und Granit). Im Süden das 2000 m hohe Karasgebirge, zwischen Rehoboth und Windhoek das Auasgebirge (2130 m hoch), weiter nördlich der Omatakoberg (2680 m hoch). Nach Osten fällt das Plateau zu der im Innern 500 m tiefer gelegenen Kalaharisteppe ab.

Bewässerung:

Sämtliche vorhandenen Flüsse können zu Verkehrszwecken nicht benutzt werden. Nur der Orange und Kunene, sowie der sich in den Ngamisee ergiessende Okavango haben das ganze Jahr hindurch fliessendes Wasser, die übrigen sich in den Atlantischen Ocean ergießenden Flüsse liegen während des größten Teils des Jahres trocken und bilden selbst zur Regenzeit selten ununterbrochene VVasseradern (Swakop, Kuisseb). Quellen finden sich in größerer Zahl im Hererolande; hier ist auch die Regenmenge bedeutender als in Groß-Namaland.

Klima:

Das Klima ist im Sommer heiß, aber trocken und gesund. Der Winter ist durchaus gemäßigt und Nachtfröste sind im Innern nicht selten.

Der Küstenstrich ist gleichmäßig kühl und hat bis 50 km landeinwärts nur Nebelniederschläge. Vorherrschende Winde aus südlicher Richtung, in der wärmeren Jahreshälfte (Oktober-März) auch Winde aus nördlicher Richtung, welche die Hauptregenzeit von Januar bis März verursachen.

Verwaltung:

An der Spitze steht der Gouverneur. Das Schutzgebiet gliedert sich in die 6 Bezirke: Keetmannshoop, Windhoek, Otyimbingwe, Gibeon, Swakopmund und Outyo. Diesen sind eine Anzahl von Ortspolizeibehörden unterstellt. Die Bergbehörde befindet sich in Windhoek.

Stationen (von N nach S und W nach O geordnet).

  • Offizierstationen: Grootfontein in Damaraland, Franzfontein, Outyo, Omaruru, Okahandya, Swakopmund‚ Otyimbingwe, Windhoek, Gobabis, Gibeon, Keetmannshoop.
  • Unteroffizierstationen: Otavifontein, Cap Cross, Okombahe, Gr. Barmen, Haigamkhab, Ururas, Rehoboth, Grootfontein im Namalande, Koes, Lüderitzbucht, Uhabis, Warmbad, Ukamas
  • ferner Marienthal, Khabus, Haaseuer.

Schutztruppe:

Diese besteht 1897 aus einem stellvertretenden Kommandeur, 30 Offizieren, Ärzten und Beamten, 6 Zahlmeisteraspiranten und 740 Mann. Zur Unterstützung der Ortspolizeibehörde ist ein Polizeikorps aus abkommandierten deutschen Mannschaften der Schutztruppe und farbigen Polizisten errichtet worden.

Handel und Verkehr:

Die Schiffsverbindung mit Deutschland bewerkstelligt seit 1898 die Woermann-Linie am 25. jeden Monats. Die Schiffsverbindung zwischen Kapstadt und Walfischbai vermittelt der Küstendampfer „Leutwein“, Abfahrt alle 5 Wochen. Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt derselbe täglich, beladen mit 30 bis 50 Zentnern, 18 bis 35 km zurück.

Der Bau einer schmalspurigen Feldbahn von Swakopmund nach Windhoek ist von der Regierung im Jahre 1897 in Angriff genommen worden; eröffnet sind ca. 40 Kilometer.

Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen Marktes, insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Konserven, Mehl, Reis, Bekleidungs- und Schmucksachen. Einfuhr 1897: 887.325 Mark.

Ausgeführt werden Viehhäute, Hörner, Straußenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross), rohe Felle. Ausfuhr 1897: 1.246.749 Mark.

Die der Küste vorgelagerten Guanoinseln (zwischen 24° 37’ und 28° S), sowie das Territorium der Walfischbai sind im Besitz der Kapkolonie (Südafrika).

Geschichte

Ursprünglich war das Land von Buschmännern und Bergdamaras bewohnt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte von Nordosten her über den Okawangofluß die Einwanderung der Hereros und kurz darauf von Süden her über den Oranje in mehreren Zügen die der Hottentottenstämme. Der Name „Hottentotten“ ist eine zeitgenössische Bezeichnung für das Volk der Nama. Holländische Siedler gaben ihnen, ihrer eigentümlichen Sprache wegen, den Namen „Hottentotten“ (Stotterer). Sie selbst bezeichnen sich als Khoi-Khoi (die wahren Menschen) oder als Nama – nach ihrem Siedlungsgebiet Namaqualand, das wiederum nach einem Herrscher aus grauer Vorzeit benannt ist. Zu Begin des 19. Jahrhunderts folgten die Afrikaner-, Bersabaer- und Witboi-Hottentotten. Den kriegerischen Stämmen der Einwanderer gelang es schnell die ursprünglichen Bewohner des Landes zu unterjochen und teilweise auszurotten. Zwischen den Hereros und den „Hottentotten“ kam es zu jahrzehntelangen Kriegen. Anfangs waren die Hereros im Vorteil, als aber Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts Hendrik Witbooi die Führung übernahm, konnten die „Hottentotten“ das Gleichgewicht einigermaßen wieder herstellen.

12. März 1878
Die Walfischbai und das Land 15 Meilen im Umkreis werden für britischen Besitz erklärt. 1880 ziehen sich die Engländer wieder zurück und behaupten nur die Walfischbai. Im gleichen Jahre sucht Bismarck bei der Londoner Regierung um Schutz für die Rheinische Mission in Südwestafrika gegen die „Hottentotten“ und Hereros nach. Das Gesuch wird in London abgelehnt.

1882
Der Bremer Kaufmann Lüderitz ersucht die deutsche Regierung um Schutz für die von ihm zu erwerbenden Gebiete um Angra Pequena. Noch bevor dieses Gesuch bei dem Auswärtigen Amt eingeht, fragt Bismarck in London an, ob England Anspruch auf jene Gebiete erhebe. Er erhält eine ausweichende Antwort.

1883
Heinrich Vogelsang landet in Angra Pequena und erwirbt dort für Lüderitz käuflich Land. Im Oktober desselben Jahres kommt Lüderitz persönlich nach Südwestafrika.

Januar 1884
Das deutsche Kanonenboot „Nautilus“ unter Vizeadmiral Aschenhorn besucht die Küste Südwestafrikas mit dem Auftrag, die Lüderitzschen Erwerbungen zu besichtigen.

8. April 1884
Adolf Lüderitz reicht dem Auswärtigen Amt ein Gesuch um Schutzgewährung für seine Erwerbungen in Südwestafrika ein.

24. April 1884
Die Besitzungen des Kaufmanns Lüderitz nördlich vom Oranjefluss in Südwestafrika „werden unter deutschen Schutz gestellt“. Bismarck teilt dieses telegrafisch dem deutschen Konsul in Kapstadt und brieflich dem deutschen Botschafter in London mit.

7. August 1884
Von dem Kapitän zur See Herbig wird in Anwesenheit von Offizieren und Mannschaften der Korvette S.M.S. Elisabeth in Angra Pequena, das zunächst nur aus drei der Firma Lüderitz gehörenden Blockhäusern besteht, die deutsche Flagge gehisst. Das Gebiet erstreckt sich von dem Nordufer des Oranjeflusses bis zu 26 Grad rechte auf und beschränkt die Tätigkeit der Gesellschaft auf ihren eigenen Farmbetrieb. Die Geschichte dieser ersten kolonialen Siedlungsgesellschaft ist bezeichnend für das geringe Interesse der Deutschen; um 200.000 Mark Kapital zusammenzubringen, brauchte es zwei Jahre Zeit.

1886
Von einer Expedition an den Oranje kehrt Adolf Lüderitz nicht zurück und gilt seither als verschollen.

1890
Hauptmann von Francois bildet die erste Schutztruppeneinheit mit 20 Soldaten.

8. August 1892
Verleihung von Land-, Bergbau- und Eisenbahnberechtigungen im Damaraland an den Rechtsanwalt Dr. Scharlach und den Kaufmann C. Wichmann zu Hamburg. Diese so genannte Damaralandkonzession wird am 12. September mit Genehmigung der Reichsregierung an die zu diesem Zweck in London mit einem Anfangskapital von 300 000 Mark gegründete South Westafrican Company Limited weiter übertragen. In dem Konzessionsgebiet liegen die Kupfergruben von Otavi. Das Protokoll wird seitens der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes von Dr. Kayser und von Schelling und seitens der englischen Gesellschaft von George Wilson und Dr. Scharlach am 14. November unterzeichnet. Das Kapital wird im Jahre 1902 auf 20 Millionen Mark erhöht. 1906 baut die Gesellschaft die Otavibahn, welche 1910 von der Regierung übernommen wird.

1893/94
Aufstand der „Hottentotten“ unter Hendrik Witbooi.

12. April 1893
Hauptmann Hugo von Francois führt mit seinen gemischten Truppen in den Witbooikämpfen einen Präventivschlag gegen Hornkranz und lost damit einen vermeidbaren Kolonialkrieg aus.

27. August 1894
Major Leutwein beginnt mit seinen gemischten Truppen den Sturm auf das Lager Hendrik Witboois in der Naukluft. Hendrik Witbooi ergibt sich am 15. September 1894 und gibt Leutwein das Versprechen, den „…Deutschen künftig Heeresfolge gegen innere und äußere Feinde zu leisten…“. Hendrik Witbooi steht über 10 Jahre und in 6 Feldzügen zu seinem Wort.

25. Juli 1895
Major Leutwein wird Landeshauptmann.

1895
Die Postbeförderung wird nach Versuchen mit Pferden, Reitochsen und Dromedaren endgültig mit Ochsenkarren durchgeführt.

1896
Der Ort Tsaochabmündung (Ort an der Mündung des Tsaochab) oder Tsaochabmund wird endgültig in Swakopmund, aus ersterem Wort entstanden, umbenannt. Seit 1903 schreibt man Windhuk statt Windhoek.

1896
Aufstand der „Khauashottentotten“ und der Osthereros.

1897
Erhebung eines kleinen Unterstammes der „Hottentotten“ (Afrikaner) im Südosten von Deutsch-Südwestafrika.

1897
Nachdem zunächst die gewöhnlichen deutschen Briefmarken in Deutsch-Südwestafrika verwendet werden, erhalten die Wertzeichen den schwarzen Aufdruck „Deutsch-Süd-Westafrika“, der 1898 in „Deutsch-Südwestafrika“ geändert wird. 1900 werden die Kolonialmarken mit dem Schiff eingeführt. 1914 wird anlässlich der Windhuker Landesausstellung der erste und einzige Kolonialsonderstempel benutzt.

1897
Die Rinderpest, von Südafrika eingeschleppt, wütet im Lande. Rund 60% des Viehbestandes der Einheimischen und 30% der Weißen gehen verloren. Händler und Spekulanten kaufen Farmland auf, wofür die Reichsregierung in Berlin auch den Ankauf von Hereroland erlaubt. Im Lande herrscht große Teuerung; u. a. steigen die Preise für Rindfleisch auf das Dreifache (45 Pfennig für 500g). Wer seine Schulden nicht zurückzahlen kann, verliert erst das Vieh und dann das Land. Besonders die Hereros leiden unter dieser Politik.

17. März 1898
Aufstand der „Swartbooihottentotten“, die sich im Kaokofeld ergeben.

16. Jan. 1899
Gründung des „Windhoeker Anzeiger“, der ersten der in den deutschen Kolonien erscheinenden Zeitungen.

16. Januar 1899
Da Deutsch-Südwestafrika keine Telegrafenlinien hat und Telegramme von der Heimat in die Kolonie und umgekehrt auf indirekten, sehr umständlichen Wegen befördert werden müssen, schließt die Reichsregierung mit der Eastern and South African Telegraph Company in London einen Mietvertrag auf 20 Jahre ab. Von dem Hauptkabel Mossamedes (Angola)-Kapstadt soll ein T-Stück eingeschaltet und in Swakopmund gelandet werden. Der Kapitän des englischen Kabeldampfers bringt das Kabel, angeblich versehentlich, im englischen Walfischbai an Land.

13. April 1899
In Swakopmund wird die erste Telegrafendienststelle mit internationalem Dienst eröffnet. Von da ab beginnt der Bau umfangreicher Telegrafenlinien in der Kolonie. Auch Heliographenlinien sind vor dem großen Aufstande 1904 eingerichtet worden.

1. Juni 1899
Erste landwirtschaftliche Ausstellung in Windhuk.

20. Juni/ 1. Juli 1902
Die erste deutsch-südwestafrikanische Eisenbahn von Swakopmund nach Windhuk durch die dort 100 km breite Sandwüste (Namib) wird eröffnet. (382 km lang; bis 1637 m ü. M.) Der Bahnbau war durch Eisenbahntruppen aus der Heimat begonnen worden.

1903
Nördlich der Mündung des Swakop wird aus Betonkörpern und Steinschüttung eine 370 m lange Mole erbaut, die aber nach zehn Jahren bereits versandet ist. 1911 wird ein neuer Molenbau von 650 m ) Länge begonnen. 1914 sind 240 m fertig gestellt. (Baufirma Grün & Bilfinger.)

1903
Wegen eines Streites Einheimischer um einen Hammel kommt es zu einer Schießerei, bei der der Distriktchef Jobst, Unteroffizier Sney, ein Siedler, ein Bondelwartskapitän und Andere zu Tote kommen. Die Bondelswarts flüchten daraufhin, versorgen sich mit Waffen aus Südafrika und ermorden mehrere Deutsche und Einheimische. Daraufhin führt die Schutztruppe eine Strafexpedition gegen die Bondelswarts im Süden der Kolonie durch, während dessen Verlauf sich unerwartet Anfang 1904 die Hereros erheben.

12. Januar 1904
Beginn des Hereroaufstandes:
Die Kapitäne der Hereros hatten im Norden der Kolonie große Landflächen an Händler und Spekulanten verkauft, die Hereros nutzten diese aber weiter als Weideland für ihre großen Vieherden. Siedler erschossen daraufhin die Rinder der Hereros und immer öfters kam es zu Schießereien zwischen den Hereros und den Einwanderern. Gouverneur Leutwein berichtete dem Kolonialamt in Berlin von den Sorgen und Problemen, aber nichts tat sich. Noch einmal wanden sich „Herero-Großleute“ an den deutschen Gouverneur, mit der Bitte, ein großes Hereroreservat von Otjituepa bis Omitava zu bilden. Schließlich kam zu Plünderungen deutscher Siedlungen und teilweise brutalen Morden an rund 150 deutschen Siedlern, darunter auch 5 Frauen. Auch wurden von den Hereros viele Angehörige des Damara-Volkes ermordet. Anfangs versuchen die Schutztruppen vergeblich den Hereros Herr zu werden; nur 766 deutsche Soldaten standen einigen Tausend gut bewaffneten Kämpfern der Hereros entgegen. Die Hereros gingen sogar in die Offensive, brachten den Deutschen eine Niederlange nach der anderen ein und belagerten bzw. besetzten Ortschaften im Aufstandsgebiet. In Berlin schrillten die Alarmglocken und man stellte eiligst ein Marineexpeditionskorps zusammen. (weiterlesen hier: Hereroaufstand).

27. Januar 1904
Hauptmann Franke entsetzt das von den Hereros eingeschlossene Okahandja und am 4. Februar Omaruru.

9. Februar 1904
Ein erstes Marineexpeditionskorps landet in Swakopmund. Es dauert jedoch noch ein halbes Jahr bis die Deutschen die Initiative zurückgewinnen können.

August 1904 „Schlacht am Waterberg“ und Niederschlagung des Hereroaufstandes.

1904 – 1908
Die „Hottentotten“ unter Hendrik Witbooi erheben sich (Oktober). Witbooi fällt, sein Nachfolger Simon Copper muss in die Kalahari zurückmarschieren. Gegen ihn geht der Zug des Hauptmanns von Erckert mit seinen Kamelreitern bis tief in die Wüste, wobei Erckert am 16. März 1908 den Tod findet.

1904
Nachdem der Leutnant a. D. Troost vom Auswärtigen Amt die „Konzession zum Betrieb eines öffentlichen, gewerbemäßigen Gütertransportunternehmens mittels Motorwagen in Deutsch-Südwestafrika“ erhalten hat, bringt er zwei Lastzüge nach der Kolonie, die jedoch vollkommen versagen. (Der eine in der Namibwüste stecken gebliebene Wagen neben der Eisenbahnlinie wird vom Volkswitz „Tröster in der Wüste“ benannt.) Die später, erst 1912, vom Gouverneur eingeführten Kraftwagen erwiesen sich ebenfalls, da zu schwer, als ungeeignet. Erst die Truppen der Südafrikanischen Union haben 1914 die richtigen Wagen, leichte Ford, gewählt, die sich bewährten.

2. – 4. Januar 1905
Gefecht bei Groß-Nabas.

1905 – 1907
Gouverneur von Lindequist macht sich um die Hebung der Viehzucht besonders durch Einführung von Karakulrammen aus der Buchara verdient.

20. Oktober 1906
Einführung der Schulpflicht für die Kinder der weißen Bevölkerung im Alter von 6-14 Jahren.

23. März 1907
Die Bondelswarts unterwerfen sich. Der Friede mit den aufständischen Stämmen wird in Ukamas geschlossen.

12. März 1907
Der Reichstag bewilligt die Kosten der Eisenbahn Lüderitzbucht-Keetmannshoop sowie die geforderten Kriegskosten.

31. März 1907
Aufhebung des Kriegszustandes.

1. April 1907
Die Eisenbahn Swakopmund-Windhuk wird wieder von der Zivilverwaltung übernommen.

14. Mai 1907
Der Reichstag bewilligt 5 Millionen Mark für die durch den Aufstand geschädigten Siedler.

18. Juli 1907
Beginn der Verschiffung größerer Mengen von Kupfererzen aus Swakopmund.

31. August 1907
Abnahme der Eisenbahnstrecke von Lüderitzbucht bis Aus.

4. Oktober 1907
Verordnung der Reichsregierung über die Einrichtung einer Landespolizei in Deutsch-Südwestafrika.

20. Oktober 1907
Grundsteinlegung des Elisabethhauses in Windhuk.

31. Oktober 1907
Gründung der Deutschen Farmgesellschaft für Südwestafrika 1907 unter Beteiligung der Liebig-Kompagnie.

12. November 1907
Bildung einer Deutsch-Südwestafrikanischen Züchtereigenossenschaft in Omaruru.

8. Dezember 1907
Gründung des Farmerbundes.

April 1908
Erste Diamantfunde in Lüderitzbucht, im Juni Diamantfunde bei Kolmanskop.

1908
Fertigstellung der Bahn Lüderitzbucht-Seeheim-Keetmannshoop-Seeheim-Kalkfontein (545 km).

1908 – 1910
Hauptmann Streitwolf (kaiserlicher Resident des Caprivizipfels) unternimmt im Auftrag des damaligen Gouverneurs von Schuckmann eine Expedition durch den Caprivizipfel.

28. Januar 1909
Veröffentlichung der deutschen Regierung über die Selbstverwaltung in Deutsch-Südwestafrika.

28. Mai 1909
Erster Farmertag in Windhuk, am nächsten Tage wird die erste 1909 Landesausstellung eröffnet.

1910
Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft eröffnet in Keetmanshoop das Heimathaus, in dem auch eingewanderte Mädchen bis zur Erlangung einer Stellung Aufnahme finden.

Dezember 1911
Eröffnung des Betriebes der Eisenbahn Keetmanshoop-Windhuk (Karibib). (697 km.)

4. Februar 1912
Die Küstenfunkstation in Swakopmund und etwas später, am 3. Juni, eine solche in Lüderitzbucht, werden in Dienst gestellt. Der Bau der Großfunkstation Windhuk wird erst einige Tage nach Beginn des Weltkrieges fertig gestellt. (Letztere stand mit der Funkstation Kamina in Togo und Nauen in Verbindung.)

27. Mai 1913
Errichtung eines Landwirtschaftsrates.

9. Juni 1913
Gründung der Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika

14. August 1913
Die Ausgabe deutsch-südwestafrikanischer Hypothekenpfandbriefe wird genehmigt.

22 August 1913
Eröffnung des Johanniterkrankenhauses in Keetmanshoop.

9. September 1913
Einführung der Kaiserlichen Bergwerksverordnung von 1905 im Gebiete der Kaokoland- und Minengesellschaft.

24. September 1913
Gründung einer Fleischverwertungsgesellschaft in Okahandja.

27. November 1913
Gründung einer Genossenschaftsbank für den Norden in Omaruru.

1914
Eröffnung des Elisabethhauses (Wöchnerinnenheim) in Grootfontein.

5. Januar 1914
Eröffnung des Erholungsheims in Swakopmund.

21. Februar 1914
Verordnung zum Wehrgesetz für die Deutsche Schutztruppe. Wehrfähige Reichsangehörige, die sich dauernd im Schutzgebiet aufhalten, sind verpflichtet, ihre Dienstpflicht bei der Schutztruppe zu erfüllen.

22. Februar 1914
Studienreise des Professors Fritz Jaeger zur Erforschung der Etoschapfanne und des Kaokofeldes.

Juni 1914
Die ersten zwei Flugzeuge im Schutzgebiet sollen der Postbeförderung dienen.

4./5. August 1914
Die Kriegserklärung Englands an Deutschland wird über Lome in Togo nach Lüderitzbucht übermittelt; am 6. August wird diese Nachricht von Nauen aus direkt funkentelegrafisch bestätigt und gleichzeitig der Belagerungszustand vom Gouverneur Dr. Seitz erklärt. Am 7. August erfolgt die allgemeine Mobilmachung im Schutzgebiet.

8. und 13. August 1914
Die Küstenfunkstationen Lüderitzbucht und Swakopmund werden abgebrochen.

2. September 1914
Erstes Patrouillengefecht bei Beenbreck.

9. September 1914
Die Regierung der Südafrikanischen Union beschließt nach Überwindung innerer Widerstände den Krieg gegen Deutsch-Südwestafrika. Am 13. September überfallen Unionsstreitkräfte die deutsche Polizeistation Ramansdrift und beginnen damit die Feindseligkeiten.

10. September 1914
Die Deutschen besetzen die Walfischbai.

18. September 1914
Die Lüderitzbucht wird von den Unionstruppen besetzt. Vier Tage 1914 später werden die ersten deutschen Männer in das „concentration camp“ (Konzentrationslager) bei Pretoria, später in das von Pietermaritzburg abtransportiert; im Oktober folgen dorthin Frauen und Kinder.

23. September 1914
Eine deutsche Kolonne dringt nach Überschreitung des Oranje über Unionsgebiet gegen Ramansdrift vor.

23. und 24. September und 30. Oktober 1914
Beschießung von Swakopmund durch englische Hilfskreuzer.

26. September 1914
Der Kommandeur der Schutztruppe, Oberstleutnant von Heydebreck, vernichtet in dem Gefecht von Sandfontein 8 feindliche Schwadronen und nimmt 15 Offiziere und 200 Mann gefangen.

Oktober 1914
Bis Anfang Oktober haben die Truppen der Union an der Küste Lüderitzbucht, im Süden Ramansdrift und im Caprivizipfel Schuckmannsburg besetzt.

9. Oktober 1914
Das erste Gefecht des Burenfreikorps unter Kommandant de Wet bei van Rooisvley. Als am 8. September die Mobilmachung in der Südafrikanischen Union angeordnet wird, billigt ein kleiner Teil der Buren das Eingreifen der Regierung Bothas in den Weltkrieg nicht und greift zu den Waffen. Die Aufständigen gehen zum Teil über den Oranje nach Deutsch-Südwestafrika, wo sie sich zu einem Freikorps zusammenschließen. Der Rest der aufständischen Buren kämpft in der Union weiter. Das letzte Gefecht findet am 24. Januar 1915 bei Upington statt. General Maritz führt die Abteilungen Maritz, Kemp, Stadler.

12. November 1914
Der Kommandeur der Schutztruppe, Oberstleutnant von Heydebreck, wird bei der Explosion von Gewehrgranaten am 9. November in Kalkfontein-Süd schwer verwundet und erliegt den Verletzungen. Sein Nachfolger im Kommando ist der Major und spätere Oberstleutnant Franke.

18. Dezember 1914
Im Oktober besuchen der Bezirksamtmann Dr. Schultze, Jena, und die Leutnants Loesch und Roeder auf Einladung des Kommandanten das im Ovamboland an der Grenze Angolas und Deutsch-Südwestafrikas gelegene portugiesische Fort Naulila und werden dort hinterlistig getötet, obwohl sich Portugal nicht im Krieg mit Deutschland befindet. Zur Vergeltung erstürmt Hauptmann Weiß (mit Leutnant Bieder) an der Spitze seiner 6. Kompanie und mit Teilen der 2. Batterie Fort Naulila im Ovamboland.

11. Februar 1915
General Botha übernimmt den Oberbefehl über die Unionstruppen, von denen eine Abteilung bereits am 25. Dezember in Walfischbai gelandet war.

20. März 1915
Die Gefechte bei Pforte-Jakalswater-Riet veranlassen die Schutztruppe, die Räumung des Südens einzuleiten.

7. April 1915
Die Landesmitte und Windhuk werden geräumt.

5. Mai 1915
Die einzelnen Abteilungen der Schutztruppe müssen ständig verlustreiche Rückzugsgefechte gegen einen weit überlegeneren Feind bestehen. Der Oberkommandierende, General Botha, zieht in Karibib ein. Gouverneur Dr. Seitz verlegt seinen Sitz von Windhuk nach Grootfontein. Windhuk muss am 12. Mai durch die Stadtverwaltung dem Feinde übergeben werden.

21. Mai 1915 Einzelnen Abteilungen der Schutztruppe leisten weiterhin Widerstand. Die Hauptkräfte der Schutztruppe versammeln sich zwischen Kalkfeld und Waterberg. Die zwischen dem Gouverneur und General Botha an der Giftkuppe stattfindende Unterredung verläuft ergebnislos.

19. Juni 1915
Unionstruppen (etwa 35.000 Mann, ihre Gesamtzahl beträgt 60.000) treten von der Staatsbahn aus den Vormarsch nach Norden an. Der Rest der Schutztruppe zieht sich auf die vorbereitete Stellung bei km 514 der Otavibahn zurück und trifft am 26. in Otavi ein.

1. Juli 1915
Rückzugsgefecht bei Otavifontein (800 Deutsche gegen 8000 Unionssoldaten).

6. Juli 1915
Die während des Krieges im Norden errichtete Funkstation Tsumeb muss übergeben werden. Der Rest der Schutztruppe versammelt sich in Khorab.

9. Juli 1915
Bei km 500 der Otavibahn wird der Waffenstillstandsvertrag mit den für die Schutztruppe ehrenvollen Übergabebestimmungen von Dr. Seitz, Oberstleutnant Franke und General Botha unterzeichnet.

16. August 1915
Ganz Deutsch-Südwestafrika wird von der Südafrikanischen Union besetzt. Der Caprivizipfel wurde bereits 1914 von Großbritannien annektiert war bis 1929 Teil der britischen Kolonie Betschuanaland, dem heutigen Botswana.

Anfang 1919
Die Reichpost in Berlin gibt am Sammlerschalter die letzten Deutsch-Südwest-Afrika-Briefmarken aus.

28. Juni 1919
Das Deutsche Reich verliert mit dem Versailler Vertrag nun auch völkerrechtlich die Kolonie. Südwestafrika wird Mandatsgebiet des Völkerbundes unter südafrikanischer Verwaltung. Der Versailler Vertrag (Artikel 119) erlaubt den Engländern, mehr als 6000 Deutsche auszuweisen. Nach 1920, als die Südafrikanische Union das Mandat übernahm, erfolgten keine weiteren Ausweisungen.

November 1919
Die deutschen Beamten werden ausgewiesen. Der Ausweisungsbefehl lautet wörtlich: „Offiziere, Verbrecher und Beamte werden nach Deutschland abtransportiert“ Der Abtransport geschieht dementsprechend in unwürdigster Weise.

10. Januar 1920
Der Versailler Vertrag tritt in Kraft. Übertragung des Völkerbundsmandats für Deutsch-Südwestafrika an die Südafrikanische Union.

1923
Im „Londoner Abkommen“ zwischen Großbritannien und Deutschland wird das Heimatrecht der deutschen Siedler garantiert.

27. Oktober 1966
Die Vereinten Nationen entziehen Südafrika das Mandat. Beginn des Kriegs zwischen SWAPO und südafrikanischen Truppen.

21. März 1990
Verabschiedung der Verfassung; Wahl Sam Nujomas zum Präsidenten. Namibia wird unabhängig.

Am 1. März 1994 übergab die Republik Südafrika sowohl das Gebiet der Walfischbucht als auch die Pinguininseln an die Republik Namibia.

Allgemeine Zeitung – Älteste Tageszeitung Namibias

 

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