Kamerun

Kamerun, Teilansicht der Akwastadt
Kamerun, Teilansicht der Akwastadt

Kamerun (deutsche Kolonie 1884-1919) in einer Übersicht, Geschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Verwaltungszentrum Duala

Kamerun, Gouvernements-Gebäude, von Puttkamer, Plantage am Kriegshafen
Kamerun, Gouvernements-Gebäude, von Puttkamer, Plantage am Kriegshafen

Kamerun

Wappen:

Kamerun, Wappen (Entwurf)
Kamerun, Wappen (Entwurf)

Größe von Kamerun:

495.000 km² (entspricht ungefähr der Größe des Deutschen Reichs).

Kamerun, Landkarte 1912
Kamerun, Landkarte 1912

Reichskommissare und Gouverneure von Kamerun:

AmtszeitName
1884 – 1885Dr. Maximilian Buchner (1846 – 1921) als Reichskommissar
1885 – 1891Julius Freiherr von Soden (1846 – 1921)
1891 – 1895Eugen von Zimmerer (1843 – 1918)
1895 – 1906Jesko von Puttkamer (1855 – 1917)
1907 – 1910Dr. Theodor Seitz (1863 – 1949)
1910 – 1911Dr. Otto Gleim (1866 – 1929)
1912 – 1916Dr. Karl Ebermaier (1862 – 1943)
Kamerun, Kamerunstrand, Gouverneur-Haus, Post, Beamtenmesse, Schulhaus, Hafenamt
Kamerun, Kamerunstrand, Gouverneur-Haus, Post, Beamtenmesse, Schulhaus, Hafenamt

Bevölkerung:

ca. 3.500.000 Einwohner, darunter 1897: 253 Europäer, wovon 181 Deutsche. An den südlichen Abhängen des Kamerungebirges leben die Bakwiri ca. 37.000, an den westlichen die Bamboko ca. 20.000, am Kamerunbecken die Duala ca. 20.000. Dünn bevölkert ist das Urwaldgebiet (150 – 200 km breit), dichter das hochgelegene Savannenland. Angehörige der Kru werden als Faktoreiarbeiter und Matrosen verwandt.

Kamerun, Duala
Kamerun, Duala

Schutztruppe in Kamerun:

1898 besteht die Schutztruppe aus 1 Kommandeur, 6 Offiziere, 2 Ärzte, 16 Unteroffiziere, 311 Farbige. Deutschen Militärpersonen unterstehende Polizeitruppen befinden sich in den einzelnen Stationen.

1912 besteht die Schutztruppe aus 2 Stabsoffizieren, 16 Hauptleuten, 44 Oberleutnants und Leutnants, 17 Sanitätsoffizieren, 2 Zahlmeistern, 10 Unterzahlmeistern, 3 Oberfeuerwerkern und Feuerwerkern, 8 Büchsenmachern, 70 Unteroffizieren, 28 Sanitätsunteroffizieren, 1550 farbigen Soldaten. Die Schutztruppe zerfällt in 12 Kompanien und ein Artilleriedetachement.

Kamerun, Schutztruppe
Kamerun, Schutztruppe

Kommandeure der Schutztruppe:

AmtszeitName
08.07.1894 – 06.08.1896Hauptmann von Stetten
18.10.1897 – 17.04.1901Major von Kamptz
18.05.1901 – 31.01.1903Oberst von Pavel
06.04.1903 – 18.02.1908Generalmajor Mueller
18.02.1908 – 13.09.1913Oberstleutnant Puder
13.04.1914 – 1916Major Zimmermann
Kamerun, Duala, Gerichtsgebäude "Palaverhaus"
Kamerun, Duala, Gerichtsgebäude „Palaverhaus“

Regierungssitz von Kamerun:

Duala

Der Sitz der Regierung befindet sich auf der Jossplatte, am linken Ufer der Mündung des Wuri in den Kamerunfluss, unmittelbar südlich von Bellstadt in Kamerun.

Verwaltungsbezirke:

Kamerun, Edea, Victoria, Kribi.

Kamerun, West-Afrika, Bibundi
Kamerun, West-Afrika, Bibundi

Stationen:

Rio del Rey, Edea (Ediä), Campo, Yaunde, Lolodorf, Buea, Johann Albrechtshöhe.

Ortschaften:

Etwa 25 km von seiner Mündung liegen am Wuri 3 Dualadörfer, Bellstadt, Akwastadt und Didostadt. 

Kamerun, West-Afrika, Duala
Kamerun, West-Afrika, Duala

Briefmarken:

Am 1. Juni 1887 wurde Kamerun zum Weltpostverein angemeldet. Von 1887 bis 1901 werden die Marken (Mark und Pfennigausgaben) des Deutschen Reichs verwenden. Diese sind nur an der Verwendungen der Stempel „Kamerun“ und seltener „Victoria-Kamerungebiet“ zu erkennen. Ab 1900 bringt die Reichspost eigene Kamerun-Briefmarken mit der Kaiserlichen Yacht S.M.S. Hohenzollern als Motiv zur Ausgabe.

Kamerun 20 Pfennig 1900
Kamerun 20 Pfennig 1900
Kamerun 40 Pfennig, 1900
Kamerun 40 Pfennig, 1900
Kamerun 3 Mark, 1900
Kamerun 3 Mark, 1900

Handel und Verkehr:

Die Ausfuhr besteht in Palmkernen, Gummi, Palmöl, Elfenbein, Kakao, Ebenholz, Tabak, Kolanüssen etc. Wert derselben 1896/97: 3.705.955 Mark.

Eingeführt werden Manufakturwaren, Spirituosen, Materialwaren, gemünztes Geld, Salz, Holz und Holzwaren, Eisen und Eisenwaren, Tabak, Reis, Pulver etc. Wert der Einfuhr 1896/97: 5.895.759 Mark.

Marktszene in Kamerun
Marktszene in Kamerun

Bodengestalt und Bewässerung:

Das höchste Gebirge im ganzen Umkreis des Atlantischen Oceans ist das Kamerungebirge (höchster Gipfel der MongomaoLoba, 3960 m). Das Plateauland (7—800 m) steigt im Norden zu dem 1800—3000 m hohen Gebirge von Adamaua an.

Kamerun-Victoria am Kamerunberg
Kamerun-Victoria am Kamerunberg

Flüsse:

Der Rio del Rey, (ein Meereseinschnitt), der Kamerufluss, nimmt auf den Mungo und den Bimbiafluss, den Wuri (im Unterlauf Madiba Duala) mit dem Abo und dem Dibombe, den Dibambu und den Kwakwa (ein Mündungsarm des Sanaga). In dieBiafrabai münden der Lom oder Sanaga, der grösste Strom Kameruns (Nachtigalschnellen) und der Nyong. Das nördliche Gebiet von Kamerun durchfließt der schiffbare Benue, der bedeutendste Nebenfluss des Niger, der als internationaler Wasserarm (Nigerschifffahrtsacte 1885) den Nordosten des Schutzgebiets mit dem Atlantischen Ozean direkt verbindet; im südlichen findet sich der Oberlauf des Ngoko- bzw. des Ssangaflusses, durch den ein Anschluss Zum Congo besteht.

Kamerun, S.M.S. Sperber auf Reede vor Victoria (Limbe-Fluss)
Kamerun, S.M.S. Sperber auf Reede vor Victoria (Limbe-Fluss)

Klima:

Das Jahr hat vier Temperaturabschnitte; der Februar mit 27, 10° Celsius ist im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23, 48° Celsius der kühlste Monat.

Geschichte der deutschen Kolonie Kamerun:

1868
Die Firma C. Woermann richtet eine Faktorei im Gebiet des Kamerunflusses ein und benutzt hierzu eine auf dem Fluss verankerte Hulk (ausgedientes Schiff).

Hulk der Firma C. Woermann am Kamerunfluss, 1868
Hulk der Firma C. Woermann am Kamerunfluss, 1868

1877-1879
Der erste Woermanndampfer „Aline“ wird erbaut und in den Westafrikadienst gestellt (1279 BRT.). 1884 sind es bereits fünf Schiffe, die die Verbindung zwischen Hamburg und Kamerun aufrechterhalten.

1881
Die Firma C. Woermann gründet in Duala die erste Niederlassung auf dem Festland.

1883/84
Bereits Ende 1883 fasst Fr. Colin aus Landau den Plan, im Gebiet der freien Bagas und Susus in Westafrika, gegenüber den englischen Los-Inseln, eine deutsche Kolonie zu gründen, die Dembiahkolonie. Er legt zunächst am Dubrekafluss eine Faktorei an und verhandelt mit den benachbarten Stammesführern. Nachdem das Auswärtige Amt seinen Plänen zugestimmt hat, kommen Dr. Nachtigal und Dr. Buchner, an Bord der Kriegsschiffe S.M.S. Elisabeth und S.M.S. Möwe, an der Sangariküste an. Es gelingt, mit einigen Stammesführern Schutzverträge abzuschließen, doch stellt sich bei sorgfältiger Prüfung heraus, dass andere Stammesführer bereits Verträge (1880) mit den Franzosen abgeschlossen haben. Diese werden respektiert. In dem deutsch-französischen Vertrag vom 24. Dezember 1885 wird das Gebiet der Dembiahkolonie an Frankreich abgetreten. Damit kommt auch die im März 1885 gegründete Handelsgesellschaft „Fr. Colin, Deutsch-Afrikanisches Geschäft“ unter französische Gerichtsbarkeit.

Faktorei der Firma C. Woermann am Kamerunfluss. Schauplatz der Verhandlungen, die zur Erwerbung Kameruns führten.
Faktorei der Firma C. Woermann am Kamerunfluss. Schauplatz der Verhandlungen, die zur Erwerbung Kameruns führten.

19. Mai 1884
Dr. Nachtigal, deutscher Generalkonsul in Tunis, wird von Otto von Bismarck beauftragt, nach Westafrika zu fahren, um „…die dort ansässigen Deutschen unter deutschen Schutz zu stellen„. Die Instruktion bezieht sich auf den Küstenstrich zwischen dem Nigerdelta und Gabun, insbesondere das Gebiet gegenüber der spanischen Insel Fernando Po von der Mündung des Kamerunflusses (Kamerun aus dem portugiesischen Wort cameröes = Krabben gebildet) bis zum Kap St. John. In der Weisung heißt es, dass die Errichtung einer Verwaltung sowie einer Garnison deutscher Truppen nicht beabsichtigt ist.

S.M.S. Möwe, Kanonenboot
S.M.S. Möwe, Kanonenboot

11. – 14. Juli 1884
In Bimbia wird am 11. Juli der erste Schutzvertrag unterzeichnet. Nachdem die Agenten der Firmen Woermann und Jantzen & Thormählen bereits vorgearbeitet haben, gelingt es dem Reichskommissar Dr. Nachtigal und seinem Begleiter Dr. Buchner, auch die Könige Bell und Aqua, deren Stammesführer bisher infolge englischen Einflusses dagegen waren, zum Unterzeichnen eines Schutzvertrages zu bewegen. Am 14. Juli erfolgt die feierliche Flaggenhissung in den Dörfern Bell, Aqua und Didotown in Anwesenheit des Kriegsschiffes S.M.S. Möwe.
Großbritannien war um einige Tage zu spät gekommen, obschon bereits 1882 das Land den Briten als Protektorat angeboten worden war; diese aber auf dieses Angebot nicht geantwortet hatten.

Gustav Nachtigal

Gustav Nachtigal
* 23.02.1834 in Eichstedt/Altmark (Reg.-Bez. Magdeburg),
† 20.04.1885 an Bord von S.M.S. Möwe vor Westafrika,
Arzt und Afrikareisender, 1884 stellte er Togo und Kamerun unter deutschen Schutz.

1884/85
In den darauf folgenden Wochen und Monaten werden von Dr. Buchner weitere Verträge im Innern abgeschlossen, zuletzt in Südkamerun. Die Besitzverhältnisse und die Hoheitsrechte unter den Küstenstammesführern waren sehr schwierig, ein Umstand, der zu Konflikten mit den alteingesessenen Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich führte.

18. – 22. September 1884
Aufstand gegen den deutschfreundlichen König Bell, veranlasst durch britische Kaufleute. Der Aufstand wird durch ein Landungskorps der Kriegsschiffe S.M.S. Bismarck und S.M.S. Olga, die unter dem Kommando des Admirals Knorr stehen, unterdrückt, nachdem die Joßplatte, wo sich die Aufständischen verschanzt haben, erstürmt ist. Bei diesem Kampf fällt der Agent der Firma Woermann, Pantenius.

Kamerun, Polizeitruppe
Kamerun, Polizeitruppe

29. April 1885
Über die Abgrenzung der gegenseitigen Interessen wird ein Abkommen zwischen Großbritannien und Deutschland getroffen.

3. Juli 1885
Der erste Gouverneur von Kamerun, Freiherr von Soden, trifft ein. In seiner Begleitung ist als Kanzler der Referendar Jesko von Puttkamer sowie als Amtsdiener der Unteroffizier Füllbier, der eine Polizeitruppe ausbilden soll, zu deren Aufstellung es jedoch erst 1891 kommt.

Parade der Kameruner Schutztruppe vor dem Gouverneur
Parade der Kameruner Schutztruppe vor dem Gouverneur

24. Dezember 1885
Unterzeichnung eines Protokolls zwischen Deutschland und Frankreich, welches die Machtsphären beider Staaten In Afrika, wo sich dieselben berühren, definitiv feststellt. Durch Austausch der durcheinander liegenden kleinen Schutzgebiete wird die Grenzfrage in Kamerun befriedigend gelöst.

10. Oktober 1886
Die deutsche Reichsmarkwährung wird eingeführt. (Früher wurde 1886 nach Krus ein Geschäft abgeschlossen. 1 Kru wird jetzt = 20 Mark = 80 Liter Palmöl = 160 Liter Palmkerne bewertet.)

Münzen, Deutschland 1900
Münzen, Deutschland 1900 (Mark und Pfennig)

Dezember 1893
50 Dahomeysoldaten der Polizeitruppe rebellierten, weil ihre Frauen wegen angeblicher Faulheit geprügelt wurden. Außerdem forderten sie als vom Deutschen Reich in Dahomey freigekaufte Sklaven Sold. In der ersten Zeit erhielten sie aber lediglich Kleidung, Kost und Logis. Als die Aufständischen das Regierungsgebäude und die Häuser auf der Joßplatte plündern, wird der Aufruhr von der Mannschaft des Kreuzers S.M.S. Hyäne niedergeschlagen.

Duala, Nachtigall-Denkmal
Duala, Nachtigall-Denkmal

15. März 1894
Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich über strittige Gebiete. Deutschland erhält den so genannten „Entenschnabel“. Diese Grenzziehung besteht bis 1911.

Dezember 1894
Der Landeshauptmann Jesko von Puttkamer (Togo) wird stellvertretender Gouverneur (Gouverneur von Zimmerer erkrankt).

Jesko von Puttkamer

Jesko von Puttkamer
* 02.07.1855 in Berlin,
† 23.01.1917 in Charlottenburg;
Gouverneur von Kamerun und Kaiserlicher Kommissar von Togo.

Dezember 1894
Oberleutnant von Stetten führt eine Strafexpedition gegen die Bakwiri, die ihren Boden gegen die Landnahme durch Faktoreien verteidigen. Seine Begleiter sind Dr. Preuß und Leutnant Hans Dominik. Als der Stammesführer „Dschagga“ fällt, unterwerfen sich die Bakwiri, womit die Pflanzungsarbeit am Kamerunberg beginnen kann. Die Gebeine des 1891 gefallenen Hauptmanns von Gravenreuth, des „Löwen von Ostafrika“, werden gefunden und in Duala unter seinem Denkmal beigesetzt.

1897
Gründung der großen Kakaopflanzung „Viktoria“ am Kamerunberg (Dr. Eugen Zintgraff). Grundkapital 2,5 Millionen Mark.

Kamerun, Markt in Victoria
Kamerun, Markt in Victoria

1898
Vergabe eines großen Gebietes (vom Umfange Bayerns) als Konzession an eine hamburgisch-englische Spekulationsgesellschaft.

1899
Die Expedition Schlechter stellt den Reichtum des Waldgebietes an Kautschuk liefernden Pflanzen fest. Zahllose Händler dringen in das Waldgebiet ein, es kommt zu Konflikten mit ansässigen Stämmen. Ein Aufstand des Bulistamm im Hinterland von Kribi wird blutig niedergeschlagen.

Gravenreuth-Denkmal für Kamerun
Gravenreuth-Denkmal für Kamerun

1900
Beginn intensiver Durchführung von Schutzimpfungen gegen Pocken.

1902 – 1904
Eine deutsch-englische Grenzexpedition nimmt genaue Vermessungen der Grenzlinie zwischen Yola und dem Tschadsee vor.

Kakaoernte mit Bali-Weyboys
Kakaoernte mit Bali-Weyboys

1902
Die Pflanzungen am Kamerunberg nehmen eine eigene Gebirgsbahn von 7 km Länge in Betrieb, die später bis Soppo, 4 km unterhalb Buea, verlängert wird.

21. Februar 1902
Eine Verordnung des Reichskanzlers über die Haussklaverei in Kamerun bezweckt eine systematische allmähliche Abschaffung der Sklaverei.

1903
In den Waldgebieten am oberen Dja und Njong im Süden kommt es nach Ermordung und Flucht der Händler zu ernsten Unruhen, die niedergeschlagen werden.

Kamerun, Einsacken von Palmkernen
Kamerun, Einsacken von Palmkernen

1905 – 1907
Nachdem die Gesellschaft „Südkamerun“ einen Dampfer auf den oberen Njong brachte, kommt es zu einem gemeinsamen Aufstand der dort ansässigen Stämme.

15. April 1907
Umwandlung der Kopfsteuer in eine Gebäudesteuer.

Kamerun, Kirche der Basler Mission in Duala-Bonaduma
Kamerun, Kirche der Basler Mission in Duala-Bonaduma

1. Juni 1907
Verordnung über Bezahlung von Arbeitern in Kamerun. Mit Ausnahme von Südkamerun müssen alle Löhne in Bargeld bezahlt werden.

1908
Religiöse Aufstände der islamischen Bevölkerung im Norden werden von der Polizeitruppe schnell niedergeworfen.

1908
Durch einen Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich wird die Süd- und Ostgrenze reguliert.

Kamerun, Faktorei am Bibundi-Fluß der Westafr. Pflanzungs-Gesellschaft "Bibundi"
Kamerun, Faktorei am Bibundi-Fluß der Westafr. Pflanzungs-Gesellschaft „Bibundi“

1. März 1908
Das Gouvernement in Buea richtet eine eigene Druckerei ein, die einen europäischen Drucker und 15 einheimische Lehrlinge beschäftigt.

1909
Die Manengubabahn im Norden Kameruns wird eröffnet (160 km).

Kamerun, Landkarte 1900
Kamerun, Landkarte 1900

1909
Gründung eines großen Lepraheims in Ossidinge, welches eigenen landwirtschaftlichen Betrieb (1200 ha) erhält, so dass sich die Kranken selbst ernähren können. Die Ansiedlung der Leprosen findet 1911 statt (600 Kranke).

Oktober 1909
Eine Tischlereilehrwerkstatt in Duala wird in Betrieb genommen. Es werden fünf farbige Gesellen und zehn Lehrlinge beschäftigt.

1. Oktober 1910
Eröffnung der landwirtschaftlichen Schule in Viktoria mit 19 Schülern. Ausbildung (dreijähriger Kursus) von einheimischen landwirtschaftlichen Aufsichtsbeamten.

Kamerun, Kaiserliche Gouvernementswerkstätte in Duala
Kamerun, Kaiserliche Gouvernementswerkstätte in Duala

16. Dezember 1910
Hauptmann Hans Dominik, welcher 16 Jahre der Kameruner Schutztruppe angehörte, stirbt auf der Heimreise nach Deutschland. Dominik diente auf der Station Jaunde.

4. November 1911
Deutsch-französisches Marokkoabkommen (Marokko-Vertrag), durch welches Deutschland Neukamerun und damit Zutritt zu dem Kongo und seinem größten rechten Nebenfluss Ubangi erhält.

Kamerun. Die neuen Kolonialerwerbungen im Kongogebiet. Unsere Karte gibt ein Bild von der Lage des neuen Kolonialgebietes, das Deutschland auf Grund des Marokkoabkommens von Frankreich erhalten hat. Die Größe des abgetrennten Gebietes lässt sich wegen der etwas verzwickten Grenzführung noch nicht genau berechnen; es wird jedoch auf 260.000 Quadratkilometer geschätzt, ist also halb so groß wie Deutschland. Kamerun hat eine Einbuße dadurch erlitten, dass ein Teil des sogenannten Entenschnabels an Frankreich fiel; unser bisheriger Zugang zum Tschadsee wird aber dadurch nicht berührt. Das am Atlantischen Ozean gelegene spanische Guineagebiet, auch nach dem Grenzfluss Rio uni benannt, ist jetzt ganz von deutschem Gebiete umgeben.
Kamerun. Die neuen Kolonialerwerbungen im Kongogebiet. Unsere Karte gibt ein Bild von der Lage des neuen Kolonialgebietes, das Deutschland auf Grund des Marokkoabkommens von Frankreich erhalten hat. Die Größe des abgetrennten Gebietes lässt sich wegen der etwas verzwickten Grenzführung noch nicht genau berechnen; es wird jedoch auf 260.000 Quadratkilometer geschätzt, ist also halb so groß wie Deutschland. Kamerun hat eine Einbuße dadurch erlitten, dass ein Teil des sogenannten Entenschnabels an Frankreich fiel; unser bisheriger Zugang zum Tschadsee wird aber dadurch nicht berührt. Das am Atlantischen Ozean gelegene spanische Guineagebiet, auch nach dem Grenzfluss Rio uni benannt, ist jetzt ganz von deutschem Gebiete umgeben.

1912
Gründung der Tabakpflanzung Batschenga bei Jaunde in Südkamerun

1912
Die erste Funkstation wird nahe bei Duala von der Gesellschaft Telefunken errichtet.

1912
Gründung der Afrikanischen Frucht-Compagnie, G. m. b. H., Bananenpflanzung in der Tikoebene.

Kamerun, Lehrerfamilie in Marienberg, Sanaga
Kamerun, Lehrerfamilie in Marienberg, Sanaga

1. Februar 1913
Übernahme des Ubangivorsprunges in deutsche Verwaltung.

22. Februar 1913
Einführung einer Kopfsteuer von 10 Mark in ganz Kamerun.

1. April 1913
Deutschland übernimmt die französische Station Carnot in Neukamerun.

Kamerun, Ansicht von Victoria
Kamerun, Ansicht von Victoria

1. Juni 1913
Abschluss des Gebietsaustausches mit Frankreich in Alt- und Neukamerun.

9. – 19. Juni 1913
Oberleutnant von Hagen nimmt Besitz von dem letzten von Frankreich abgetretenen Gebiet in Neukamerun.

Kamerun, Ansicht von Victoria mit Buea-Weg
Gruss aus dem Schutzgebiet Kamerun, Polizeitruppe in Kamerun

10. September 1913
Erhöhung der Einfuhrzölle zugunsten der Erbauung von Automobilstraßen.

30. Oktober 1913
Eröffnung eines Europäerkrankenhauses in Jaunde.

1. August 1914
Die Mittellandbahn wird von Duala über Eseka (173 km) bis km 180 fertig gestellt. Spurweite 1 m.

Kamerun 1914
Kamerun 1914

Kamerun im Ersten Weltkrieg

1. August 1914
In Kamerun wird die Nachricht von dem Kriegsausbruch in Europa bekannt. Der Ausnahmezustand wird verhängt. Am 15. August verlegt der Gouverneur seinen Dienstsitz von Buea nach Duala. Die Barre des Kamerunflusses bei Duala wird durch Versenkung mehrerer Dampfer gesperrt. Die Schutztruppe verfügt über einen Bestand 185 weißer und 1550 schwarzer Soldaten, die Polizeitruppe zählt 30 Weiße und 1200 Eingeborene.

Rudolf Manga Bell, ein Enkel König Bells, wird im August 1914 hingerichtet. Bell wehrte sich gegen die geplanten Umsiedlungen der Einheimischen aus Duala und die Aufgabe ihrer traditionellen Siedlungsplätze, indem er deutsche Anwälte beauftragte, in Berlin auf dem parlamentarischen Weg dies zu verhindern. Seine Aktivitäten wurden ihm als Hochverrat ausgelegt.

2. August 1914
Der Gouverneur überträgt alle militärischen Befehlsbefugnisse auf den Kommandeur Major Zimmermann.

5. August 1914
Der Kriegszustand wird über Kamerun verhängt.

Das Wohnhaus des Gouverneurs von Kamerun in Buea.
Das Wohnhaus des Gouverneurs von Kamerun in Buea. v.l.n.r. Gouverneur Dr. Seitz, Frau Seitz, Frl. von Cleve, Gesellschaftsdame, Adjutant Oberleutnant von Puttkamer

7. August 1914
Belgischer Vorschlag zur Neutralisierung des konventionellen Kongobeckens, zu dem auch fast ganz Neukamerun gehört, an Frankreich, das sich am 7. August einverstanden erklärt. Großbritannien weigert sich (am 17. August), die Neutralisierung anzuerkennen.

7. August 1914
Französische Truppen greifen den deutschen Zollpostens Singa an der Ostgrenze an, wohin eine Kolonne von 300 Soldaten von dem französischen Grenzort Bangui bereits am 5. August in Marsch gesetzt worden ist. Vom Norden aus über den Schari wird die Einnahme von Kusseri versucht, die Franzosen müssen sich unter schweren Verlusten zurückziehen..

12. August 1914
In Ermangelung von Banknoten und Hartgeld werden Schatzscheine im Gesamtwert von 2 Millionen Mark ausgegeben.

25. August 1914
Die britische Truppen rücken von Nigerien über die Nordwestgrenze und besetzen Nssanakang.

Kameruner Schutztruppe bei Rast auf der Basler Missionsstation Nyasosso
Kameruner Schutztruppe bei Rast auf der Basler Missionsstation Nyasosso

28. August 1914
Die Belgier treten in den Kampf ein.

9. September 1914
Eine britische Abteilung rückt an der Küste entlang in Kamerun ein. Bei Nssanakang werden sie zurückgeschlagen.

26. September 1914
Britische und französische Kriegsschiffe dringen in die Kamerunbucht ein und beschießen Duala, um Truppenteile zu landen. Die in der Nähe liegende deutsche Funkstation, welche bis dahin mit Nauen in Verbindung stand, wird von den Deutschen selbst rechtzeitig zerstört.

1914 English forces preparing embarkment to attack the port of Duala Cameroun
1914 English forces preparing embarkment to attack the port of Duala Cameroun

27. September 1914
Britische Truppen besetzen Duala von der See aus. Ein großer Teil der Deutschen muss in englische und französische Gefangenschaft gehen, da es nicht genügend Waffen gab, um alle Männer zu bewaffnen. Den Deutschen in Viktoria und Buea erging es im November ebenso.

Kamerun 25 Pfennig, Britische Besetzung
Kamerun 25 Pfennig, Britische Besetzung

8. Oktober 1914
Ein britischer Angriff auf Jabassi wird zunächst abgewiesen, ist dann aber am 14. Oktober erfolgreich.

26. Oktober 1914
Edea und Sanaga werden von den Franzosen besetzt.

Kamerun, Teilansicht der Akwastadt
Kamerun, Teilansicht der Akwastadt

10. Juni 1915
Die deutsche Station Garua am Benue, die den britischen Truppen lange Widerstand geleistet hat, muss kapitulieren. Am 27. Juni muss im Zentrum Ngaundere und schließlich am 24. Oktober auch das westlich davon gelegene Banjo geräumt werden. Die deutschen Truppen ziehen sich zu der Hauptabteilung nach Jaunde zurück, wo sie sich bis zur Jahreswende 1915/16 halten.

Januar 1916
Die deutsche Schutztruppe in Stärke von 900 Weißen und 14.000 schwarzen Soldaten und Trägern tritt den Marsch nach der benachbarten spanischen Rio-Muni-Kolonie an, wo sie am 14. Februar entwaffnet und unter spanischen Schutz gestellt wird. Der Truppe sind 40.000 Eingeborene gefolgt. Die Deutschen, die nicht nach Spanien übergeführt, sondern vorher in französische Gefangenschaft geraten sind, werden zusammen mit den Togo-Deutschen in das berüchtigte Lager von Dahomey gebracht.
Im Norden hält sich noch westlich des Logoneflusses auf der Station Mora, die 3. Kompanie unter Hauptmann von Raben. Am 18. Februar 1916 ergeben sich die Deutschen, da ihnen die Munition ausgegangen ist.

Gouvernements-Palast in Buea am südlichen Abhang des Kamerunberges
Gouvernements-Palast in Buea am südlichen Abhang des Kamerunberges

1916
Abschluss eines Geheimvertrages zwischen Frankreich und Großbritannien über die Teilung Kameruns. Nach diesem wird bereits während des Ersten Weltkrieges Kamerun in ein kleineres, an Nigerien grenzendes englisches und in ein weit größeres französisches Verwaltungsgebiet aufgeteilt. Diese Teilung wird auch nach Unterstellung Kameruns unter Mandatsverwaltung beibehalten, jedoch wird Neukamerun dem französischen Kolonialreich unmittelbar einverleibt.

Anfang 1919
Die Reichspost in Berlin gibt am Sammlerschalter die letzten Kamerun-Briefmarken aus.

Kamerun 5 Mark, 1919
Kamerun 5 Mark, 1919

Kamerun als britisches und französisches Mandatsgebiet

7. Mai 1919
Deutschland verliert mit dem Versailler Vertrag nun auch völkerrechtlich die Kolonie Kamerun. Nach Entscheidung des Obersten Rates wird Frankreich als Mandatar Kameruns eingesetzt. Die Scheidung des englischen Mandatsgebietes entspricht der militärischen Aufteilung vom März 1916.

Kamerun, Landkarte 1919
Kamerun, Landkarte 1919

1960 Französisch-Kamerun wird unabhängig.

1961 Zusammen mit Britisch-Kamerun wird die „Bundesrepublik Kamerun“ gegründet.

1972 Umwandlung in die „Vereinigte Republik Kamerun“.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Deutschlands Kolonien“ von Rochus Schmidt Verlag des Vereins der Bücherfreunde Schall & Grund 1898
  • „Großes Lehrbuch der Geographie“ E. von Seydlitz, Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“ 7. Auflage Braunschweig und Leipzig Hellmuth Wollermann 1906
  • „Konversationslexikon“, Leipzig und Wien 1909
  • „Die deutschen Kolonien“ Geographie, E. von Seydlitz – Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau 1910
  • „Deutschlands Kolonien“ von W. Scheel Verlagsanstalt für Farbfotographie Weller & Hüttich 1912
  • „Die deutschen Kolonien“ Herausgegeben von Kurd Schwabe Nationalausgabe – Band I/II 1914
  • „Deutsches Kolonial-Lexikon“ Leipzig 1920
  • „Der Kampf um unsere Schutzgebiete – Unsere Kolonien einst und jetzt“ von P. Jos. M. Abs Düsseldorf 1926
  • zeitgenössische Postkarten mit ihren originalen Bildunterschriften.

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