Neumecklenburg

Landschaft in Neumecklenburg (Südsee)
Landschaft in Neumecklenburg (Südsee)

Neumecklenburg (Neuirland) als deutsche Kolonie von 1885 bis 1919 in einer Übersicht mit Ansichtskarten und Landkarten vor 1918.

Pflanzerleben in Neu-Mecklenburg

Neumecklenburg (bis 1885 Neuirland, das Tombara der Einheimischen), ist die zweitgrößte Insel des Bismarck-Archipels im ehemaligen deutschen Südsee-Schutzgebiet (Deutsch-Neuguinea). Die Insel hat eine Fläche von ca. 12.000 km² und ist damit 4 x größer als Mallorca und 3000 km² größer als Korsika.

Neumecklenburg, 1914
Neumecklenburg, 1914

Von Neupommern durch den St. Georgskanal, von Neuhannover durch die Byronstraße getrennt, zieht sie sich in schmalem, langgestrecktem Bogen zuerst von Süden nach Norden, dann nach Nordwesten bei geringer Breite in 400 km Länge zwischen 4°21´ und 2°36´ südlicher Breite. Neumecklenburg ist durchweg hoch und bergig; im südlichen Teil kommen bis über 2000 m hohe Berge vor, den mittleren Teil erfüllt eine fruchtbare Ebene, den nördlichen die Schleinitzkette, die bis 1250 m hoch sind und an die sich überall nach der Küste zu fruchtbare Landschaften anschließen. Während hier Sandstein dem Korallenfels ausgelagert ist oder mit Kalkschichten abwechselt, baut sich der südliche Teil aus Granit, Porphyr, Basalt u.a. auf. Die Einheimischen galten als höchst gefährliche Menschen, die wiederholt die auf den Stationen tätigen Handelsagenten ermordet und ein Eingreifen von Kriegsschiffen nötig gemacht haben. Die weiße Bevölkerung besteht im Jahr 1905 aus 40 Personen (10 weibliche). Die an der Südküste durch eine französische Gesellschaft gegründete Kolonie Port Breton scheiterte kläglich. Außer einigen Missionsstationen gab es zahlreiche Handelsstationen, unter denen Kaewieng (Käwieng), die Inseln Nusa, Kabotheron, Nusaum, ferner Nowan und Bagail zu nennen sind. In Kaewieng befand sich eine Regierungsstation, von der aus eine große Straße an der Ostküste Neumecklenburgs ausgebaut wurde. Neumecklenburg gehört administrativ zu Deutsch-Neuguinea.

Neumecklenburg-Nord mit der Regierungsstation Kaewieng, 1914
Neumecklenburg-Nord mit der Regierungsstation Kaewieng, 1914

Bevölkerungsstatistik

Über die einheimische Bevölkerung des Bezirks Neumecklenburg-Nord, einschließlich der vorgelagerten Inseln, liegt eine ausführliche Zählung vom Jahre 1913 vor. Danach betrugt die Gesamtsumme der Einheimischen in diesem Bezirk 20.283 Personen, darunter 12.450 Männer (einschließlich Knaben) und 7833 Frauen (einschließlich Mädchen). In Neumecklenburg-Süd wurde die Zählung nicht abgeschlossen, da einzelne Teile dieses Bezirks infolge der Unwegsamkeit des Geländes und sonstiger Schwierigkeiten nicht in die Verwaltung eingegliedert werden konnten. Die Zahl der angeworbenen Einheimischen betrug aus Neumecklenburg-Süd 743 (1912) und aus Neumecklenburg-Nord 757. Hierbei sind die Neuanwerbungen aus Neuhannover mit 368 nicht inbegriffen. Die weiße Bevölkerung Neumecklenburgs belief sich auf 66 Personen im Bezirk Käwieng und 26 Personen im Bezirk Namatanai. Unter diesen befinden sich 51 Männer im Bezirk Käwieng und 20 im Bezirk Namatanai. Weiße Frauen lebten im Bezirk Käwieng 15, im Bezirk Namatanai 6.

Neumecklenburg-Süd, 1914
Neumecklenburg-Süd, 1914

Europäische Unternehmungen

Europäische Unternehmungen sind im Laufe der Jahre in Neumecklenburg eine größere Anzahl entstanden. Sie befassten sich in der Hauptsache mit der Anlegung und Bearbeitung von Kokospalmpflanzungen und lagen zumeist auf der Ostküste der Insel. In Neumecklenburg-Süd sind vor allen Dingen die Plantagen der Bismarckarchipel-Gesellschaft in Bopire zu nennen. Nordwärts erstreckten sich verschiedene Pflanzungen der Neuguinea-Kompagnie, Hernsheim & Co., sowie verschiedener kleinerer Gesellschaften und selbständiger Ansiedler. Besonders Neumecklenburg-Nord hatte bereits zahlreiche Pflanzungen aufzuweisen. Auch sind allenthalben Handelsstationen errichtet worden, die sich vornehmlich mit dem Ankauf der von den Einheimischen auf den Markt gebrachten Kopra befassten.

Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark
Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark

Verwaltung

Verwaltungsseitig ist die Insel zur deutschen Kolonialzeit in zwei Bezirke eingeteilt und zwar in Neumecklenburg-Nord und Neumecklenburg-Süd.

  • An der Spitze des Bezirks Neumecklenburg-Nord steht ein Bezirksamtmann, der seinen Sitz in Käwieng, einem Hafenort im Nusafahrwasser, im Norden der Insel, hat. Dem Bezirksamtmann sind die nötigen Unterbeamten und Polizeimeister sowie eine Polizeitruppe von 50 Mann beigegeben.
  • Der Bezirk Neumecklenburg-Süd wird von einem Stationsleiter verwaltet, dessen Sitz sich in Namatanai auf der Westküste des mittleren Neumecklenburg befindet. Dem Stationsleiter zur Seite steht ein Polizeimeister und gleichfalls eine aus 50 Soldaten bestehende Polizeitruppe.

Der Bezirksamtmann in Käwieng wie der Stationsleiter in Namatanai übten jeweils für ihren Bezirk die Geschäfte des Standesbeamten sowie die Eingeborenengerichtsbarkeit aus. Hinsichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehören die beiden Bezirke Neumecklenburg- Süd und Neumecklenburg-Nord zum Bezirksgericht und Obergericht in Rabaul auf Neupommern. Regierungsschulen bestanden in Neumecklenburg nicht. Die Missionierung auf der Insel lag in den Händen der protestantischen australischen Methodistenmission sowie der katholischen Mission vom Heiligsten Herzen Jesu. Beide Missionen hatten auf verschiedenen Plätzen der Insel Missions- und Eingeborenenschulen eingerichtet. Für den Auslandsverkehr geöffnet war der Hafen von Käwieng. Hier liefen 10wöchentlich die Dampfer der Neuguinea-Singapore-Linie vor, dreimonatlich besuchten den Hafen von Käwieng wie auch den Hafen von Namatanai die Dampfer der von Rabaul ausgehenden Küstenlinie des Norddeutschen Lloyd. 

Deutsch-Neu-Guinea Nr. 12, 30 Pfennig mit Stempel Kaewieng

Postanstalten befanden sich sowohl in Käwieng wie in Namatanai. Telegraphenanstalten bestanden in Neumecklenburg noch nicht. Sowohl auf der Westküste wie auch auf der Ostküste sind von der Verwaltung mehrere 100 km fahrbare Straßen angelegt worden, die auch zum großen Teil für Kraftwagen benutzbar sind und sehr zur Niederlassung von Kolonisten beigetragen haben.

Knabe aus Neumecklenburg
Knabe aus Neumecklenburg

Im September 1914 wurde die Insel von australischen Truppen erobert und ab 1919 als Mandat des Völkerbundes von Australien verwaltet. Neumecklenburg wurde wieder in Neuirland (New Ireland) umbenannt und die wenigen deutschen Farmer vertrieben. Politisch gehört die Insel heute zu Papua-Neuguinea, das seit 1975 unabhängig ist.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Deutsches Kolonial-Lexikon“ 1920, Band II, S. 633 ff. (Krauß)
  • „Andrees Allgemeiner Handatlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und Leipzig 1914

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