Deutsch-Ostafrika

Verwaltungszentrum Daressalam

Gruß aus Dar-es-Salam - Haus des Gouverneurs - Postgebäude - Reichkommissar von Wissmann und Generalmajor von Liebert
Gruß aus Dar-es-Salam – Haus des Gouverneurs – Postgebäude – Reichkommissar von Wissmann und Generalmajor von Liebert

Deutsche Kolonie von 1885 bis 1919

Größe:

Mit den dazu gehörigen Wasserflächen 995.000 km² (= 2 Deutsches Reich).

Bevölkerung:

Mehr als 4 Millionen Einwohner. Wesentlichster Bestandteil sind die Bantu. Die Bantu des südlichen Teils des Schutzgebietes sind den Sulus verwandt. In den Steppen des Nordens bis in die Mitte des Schutzgebietes wohnen die republikanisch organisierten, von Norden eingedrungenen Massais (Hamiten mit der Sprache der Nilotischen Völker). Im Nordwesten, zwischen Victoria- und Tanganyika-See wohnen als herrschende Klasse inmitten von Bantu die hamitischen Wahuma oder Watussi. Zu den Sulustämmen des Südens gehören die monarchisch organisierten Wahehe (im Flussgebiet des Rufiyi) und die Mafiti, beide Stämme sind von Süden eingedrungen. Ein Mischvolk von Arabern und Eingeborenen sind die Suaheli. Neben den Eingeborenen wohnen an der Küste: Araber (Maskat- und Schihiriaraber), Beludschen, Inder, Parsi, Goanesen, Syrer, Ägypter, Türken, Europäer: 922, darunter 678 Deutsche.

Bodengestaltung:

Deutsch-Ostafrika ist ein Teil des sich von Abessinien bis Kapstadt erstreckenden Hochplateaus; dasselbe, vom Indischen Ozean landeinwärts ansteigend, gliedert sich durch mehrere meridional verlaufende Längsspalten (Gräben) und erhebt sich im Schutzgebiet zu einer Höhe von 1000—1500 m und darüber. An der Nordgrenze der doppelgipflige Kilimandscharo (westliche Spitze: Kibo, nach Dr. H. Meyer 6010 m, nach von Höhnel 6130 m, östliche Spitze: Mawensi, nach Dr. H. Meyer 5300 m, nach von Höhnel 5545 m) bedeckt eine Fläche von 3770 km² oder 67 deutschen Qudratmeilen. Dem Kilimandscharo zunächst zur Linken des Pangani, das nach Westen steil abfallende Paregebirge, östlich davon nahe der Küste das Handeigebirge (Kaffeeplantagen). Als Fortsetzung des Paregebirges erscheint auf dem rechten Panganiufer die Terrasse von Useguha. Mit dem Gebirge von Nguru beginnt das durch Ussagara und Uhehe bis zum Nassa in einem Bogen sich fortsetzende, dem Lauf der Küste folgende Randgebirge. Auf der Grenze zwischen Ussagara und Uhehe die Rubeho-Berge. In den Nyassabergen Gipfel von 3000 m, am Nordostende des Nyassa das Livingstonegebirge. Bewässerung: Das Hochplateau im Innern ist wasserarm. In den Indischen Ozean (in der Reihenfolge von Norden nach Süden) ergießen sich folgende Flüsse: der Umba. (Grenzfluss im Norden, der Pangani (Quelle auf dem Kilimandscharo), der Wami und Kingani münden Sansibar gegenüber, der Rufidji (mit dem Ulanga und Ruaha, am Ausfluss des Rufidji die Insel Mafia), der Ruvuma, Grenzfluss im Süden, entspringt auf den Nyassabergen. In den Tanganyika-See fließt der Mlagarassi, in den Victoria—Nyansa der Kagera, der südlichste Quellfluss des Nils, dessen Quellen (1899) noch nicht festgestellt sind.

Zum Teil zum deutschen Schutzgebiet gehören die drei Süßwasserseen Afrikas: der Victoria—Nyansa (1180 m über dem Meeresspiegel, 66.000 km² groß = Königreich Bayern), der Tanganyika (880 m über dem Meeresspiegel, 35.000 km² groß = Provinz Ostpreußen), der Nyassa-See (500 m über dem Meeresspiegel, 27.000 km² groß = Provinz Westpreußen).

Westlich vom Kilimandscharo befinden sich der Guassonyiro-, der Eyassi- und der Manyara—See. Der nordwestlich vom Nyassa befindliche lewa-See liegt 780 m hoch und bildet ein abflussloses Becken, das augenblicklich fast ganz ausgetrocknet ist.

Klima:

Deutsch-Ostafrika gehört in seiner ganzen Ausdehnung der tropischen Zone an. Vom Mai bis September weht der Südwestpassat, vom Dezember bis März der Nordostpassat. Die Winde tragen die Feuchtigkeit über das Festland und bestimmen die Regen- und Trockenzeit. Im Innern wechselt eine durchschnittlich 6 Monate währende Regenzeit mit einer ebenso langen Trockenzeit ab.

An der Küste tritt nach den Regenzeiten (Ende Dezember bzw. Ende April) eine kühle Periode ein, in welcher die Temperatur des Nachts auf 10° C sinkt, während sie bei Tage 35° C und mehr beträgt.

Regierungssitz:

Dar-es-Ssalam.

Das deutsche Schutzgebiet gliedert sich in 22 Bezirke: Kilimandscharo, West-Usambara, Tanga, Pangani, Saa-dani, Bagamoyo, Dar-es-Ssalam, Kissakki, Kilossa, Mpapwa, Kilimatinde, Tabora, Mwansa‚ Bukoba, Udjidji, Ukonongo, Iringa, Langenburg, Magwangwara, Kilwa, Lindi und Mikindani.

Stationen:

Von Norden nach Süden und Westen nach Osten geordnet.

  • Schutztruppe: Dar-es-Ssalam, Bukoba, Mwansa, Moshi, Marangu, Udjidji, Tabora, matinde, Pangani, Iringa, Mpapwa, Kilossa, Malangali, Kalinga, Dwangire, Ssongea.
  • Polizeitruppe: Kisswani, Wilhelmsthal, Masinde, Tanga (Ausgangspunkt der bis Muhesa fertiggestellten Eisenbahn nach Korogwe), Pangani, Saadani, Kissakki, Bagamoyo, Dar-es-Ssalam, Langenburg, Bari- kiwa in Donde, Kilwa, Lindi, Mikindani.

Schutztruppe:

Am 1. April 1897: 2139 Mann, davon 1694 eigentliche Truppe, 445 Landespolizei. November 1896 gab es 41 Offiziere, 17 Ärzte, 119 Zahlmeister, Unteroffiziere etc., 10 farbige Offiziere, 123 farbige Unteroffiziere, 1694 reguläre und 238 irreguläre Askaris.

Handel:

Ausgeführt werden unbearbeitetes Elfenbein, roher Kautschuk, Sesam, Kopal, fossiles und Baumharz, Kokosnüsse, Matten, einheimische Bauhölzer, Hörner, Kopra, Kaffee, Tee, Kakao, Flusspferdzähne, Tabak etc. Gesamtwert der Ausfuhr 1897: 3.736.197 Rupien oder 5.146.611 Mark und 36 Pfennig. Zum Kurs von 1 Mark = 1,3775 die Rupie.

Eingeführt werden Baumwollwaren, geschälter Reis, Eisen und Eisenwaren, Wein, Mtama und Mawele, Butter, Schmalz, Käse, Schinken, Speck, Fleisch, Bier, Mineralöl, Gemüse und Obst, Mehl, Tabak, Spirituosen etc. Wert der Einfuhr 1897: 6.840.781 Rupien oder 9.423.106 Mark und 95 Pfennig. Zum Kurs von 1 Mark = 1,3775 die Rupie.