Dorfszene auf dem Bismarck-Archipel, S.M.S. Bussard

Bismarck-Archipel

1884 – 1919 deutsche Inselgruppe im westlichen Stillen Ozean (Melanesien).

Neuguinea und Bismarck-Archipel, 1914
Neuguinea und Bismarck-Archipel, 1914

Der Bismarck-Archipel ist 1884 – 1919 eine deutsche Inselgruppe im westlichen Stillen Ozean, zu Melanesien gehörig, nordöstlich von Neuguinea, zwischen 0°40’–6°30′ südlicher Breite und 142–155° östlicher Länge. Er ist 47.100 km² groß, umfasst die Inseln:

  • Neupommern 24.900 km²,
  • Neumecklenburg 12.950 km²,
  • Neuhannover 1476 km²,
  • die Admiralitätsinseln 2276 km²,
  • die Französischen Inseln 820 km²,
  • Neulauenburg 58 km²
  • und viele andere größere und kleinere Inseln.
Otto von Bismarck

Otto von Bismarck

* 01.04.1815 Schönhausen/Elbe (Reg.-Bez. Magdeburg), † 30.07.1898 Gut Friedrichsruh in Sachsenwald (bei Hamburg). Staatsmann, Reichskanzler des Norddeutschen Bundes (1867 - 1870) und des Deutschen Reichs (1871 - 1890)

Der Archipel erhielt 1884 seinen Namen zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck und hieß zuvor Neubritannia-Archipel.

Aus dem Bismarckarchipel. Eingeborene Arbeiter vom Jabimstamm
Aus dem Bismarckarchipel. Eingeborene Arbeiter vom Jabimstamm

Fast alle Inseln sind lang, schmal und hoch (Neumecklenburg bis 2000 m), z. T. vulkanisch und mit noch tätigen Vulkanen; ein Ausbruch fand noch 1878 auf Neupommern statt. Klima, Pflanzen- und Tierwelt gleichen denen Neuguineas. Während des Südostmonsuns von Mai bis September fallen heftige Regengüsse, die auch während des Nordwestmonsuns im Reste des Jahres nicht fehlen. Die ungesunde Landbrise erzeugt heftige Fieber, selbst bei den Einheimischen. Die Inseln sind stark bewaldet und reich bewässert. Erzeugt wurden viel Kokosöl, Kaffee, Baumwolle und Cinchona (Chinin). Die Tierwelt enthält wenige Säugetiere, dagegen sind Vögel (darunter ein Kasuar) und Insekten zahlreich.

Auslegerboot im Prinz Heinrichshafen (Insel Siar). Geiserhaus in Lemieng an der Brandenburgküste.
Auslegerboot im Prinz Heinrichshafen (Insel Siar). Geiserhaus in Lemieng an der Brandenburgküste.

Die Bewohner sind Melanesier und galten damals gegenüber den Europäer als feindselig – ja sogar als „Menschenfresser“, wiederholt wurden deshalb Strafexpeditionen unternommen. Die Zahl der Einwanderer betrug am 1. Januar 1900 ganze 332 Seelen, davon 96 Deutsche; von denen in Neupommern 259, davon 79 Deutsche leben. Pflanzungen sind angelegt worden auf Neupommern (Ralum, Herbertshöhe, Kiningunan, Karawara), dazu auf der Gazellehalbinsel ein Dampfsägewerk. Hauptsache ist der Handel mit Kopra, Trepang, Baumwolle, Perlschalen, Muscheln, Elfenbeinnüssen. Die Einfuhr betrug 1900/1901: 1.287.685 Mark, die Ausfuhr 796.412 Mark. Regelmäßige Dampfschiffsverbindungen bestehen mit Sydney, Hongkong und Singapur (Norddeutscher Lloyd). Die englische evangelische Mission besitzt auf Neupommern, Neumecklenburg und Neulauenburg Stationen und hatte schon eine ansehnliche Zahl von Einheimischen zum Christentum bekehrt; auch die katholische Mission arbeitete mit Erfolg.

Schule der rheinischen Mission auf Siar

Entdeckt wurde der Bismarck-Archipel zuerst 1616 durch Le Maire und Schouten, ihnen folgte Tasman 1643. Der letztere bewies durch die Auffindung der nach ihm benannten Straße die Selbständigkeit des Archipels, Carteret fand 1767 den die beiden Hauptinseln scheidenden Kanal. Ihnen folgten Bougainville 1768, I. Hunter 1791, d’Entrecasteaux 1792 und 1793, d’Urville 1827, Belcher 1840, F. Hunter 1842 und Simpson 1872. In diese Zeit fällt die erste Niederlassung des Hamburger Hauses J. C. Godeffroy auf Neupommern. Die Feindseligkeit der Einheimischen gab Veranlassung, dass die Gazelle auf ihrer wissenschaftlichen Weltreise auch diesen Archipel besuchte. Einige Inseln lief 1875 der Challenger an. Nun wurde die Gruppe auch regelmäßig von Hamburger Handelsschiffen besucht, und die Wesleyaner errichteten auf Neulauenburg eine Missionsstation. Wertvolle Beiträge zur Kenntnis von Land und Leuten brachten der Missionar Brown, die Deutschen Hübner, Kleinschmidt (letzterer wurde hier ermordet), Hernsheim, Finsch, Schmiele, Graf Pfeil, die Engländer Powell, Parkinson und Romilly.

S.M.S. Gazelle, Korvette
S.M.S. Gazelle, Korvette

Durch die Tätigkeit der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft und der Firma Hernsheim hatte sich ein bedeutender Handel entwickelt, der zum allergrößten Teil in deutschen Händen war. Große Strecken Landes wurden, um Pflanzungen anzulegen, von den Einheimischen erworben und diesen 1878, um den deutschen Handel zu stützen, die Häfen Makada und Mioko von Reichs wegen abgekauft, schlussendlich Ende 1884 auf sämtlichen bedeutenden Inseln die deutsche Flagge aufgezogen und der Neuguinea-Kompagnie am 17. Mai 1885 das Recht zur Ausübung landeshoheitlicher Befugnisse im Archipel verliehen. 

Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark
Deutsch-Neuguinea, Neuguinea-Mark

Mit dem 1. April 1899 ging die Landeshoheit an das Deutsche Reich über, wobei das mit Kaiser Wilhelms-Land, den Karolinen und den Marianen gebildete Deutsche Südsee-Schutzgebiet einem Gouverneur unterstellt wurde, der seinen Sitz in Herbertshöhe auf Neupommern nahm.

Während die großen Inseln Neupommern (Neubritannien), Neumecklenburg (Neuirland) usw. nach der Eroberung durch Australien ihre alten englischen Namen wiederbekamen, erhielt sich die Bezeichnung Bismarck-Archipel mit dazugehöriger Bismarck-See bis heute.

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Meyers Lexikon“ in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924

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