Großfriedrichsburg

Großfriedrichsburg
Großfriedrichsburg

Die Feste Großfriedrichsburg, erste brandenburgische Kolonie in Afrika 1682 – 1717.

Kolonie des Großen Kurfürsten "Großfriedrichsburg"
Die Kolonie des Großen Kurfürsten „Groß-Friedrichsburg“

Großfriedrichsburg

Großfriedrichsburg bzw. Groß-Friedrichsburg ist der Name der 1683 von der Marine des Großen Kurfürsten von Brandenburg unter Major Otto Friedrich von der Gröben auf dem Berg Manfro an der Goldküste errichteten Feste zum Schutz der dort angelegten Kolonien. Sie wurden 1717 an die Niederlande verkauft; aber erst 1725 konnten diese das von dem Fürsten Jean Cunny verteidigte Großfriedrichsburg nehmen. 1883 wurden die ansehnlichen Überreste von der Besatzung eines deutschen Kriegsschiffs S.M.S. Sophie untersucht.

Friedrich Wilhelm von Brandenburg

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg
* 16.02.1620 in Berlin,
† 09.05.1688 in Potsdam;
der „Große Kurfürst von Brandenburg“ und Herzog von Preußen.

Im Jahre 1682 sandte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620 – 1688) die erste Expedition zur Gründung einer afrikanischen Kolonie aus. Sie wurde dem Kammerjunker Major Otto Friedrich von der Gröben (1657 – 1728) unterstellt und bestand aus den Schiffen „Churprinz“ mit 32 Geschützen und 60 Seeleuten unter Kapitän de Voß und „Mohrian“ mit 12 Geschützen und 40 Seeleuten unter Kapitän Blond. Zur Besatzung der Kolonie „wurden mitgenommen die Ingenieure Walter und Leugeben, der Fähnrich von Selbing, 1 Sergant, 2 Korporale, 2 Spielleute und 40 guthe gesunde Musquetiere von denen in Preußen stehenden Regimentern zu Fuße„.

Otto Friedrich von der Groeben

Otto Friedrich von der Gröben
* 16.04.1657 zu Pratten im Ermeland,
† 30.06.1728 auf seinen Gütern bei Marienwerder;
1682 vom Großen Kurfürsten mit zwei Fregatten nach der Küste von Guinea geschickt. Hier gründete er am 1. Januar 1683 das Fort Großfriedrichsburg.

Am 1. Januar 1683 hisste der Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge mit dem roten Adler auf weißem Felde, legte den Grundstein zu der Feste Groß-Friedrichsburg und schloss mit den Häuptlingen Schutzverträge. 1683 und 1684 wurden weitere Verträge mit den Häuptlingen abgeschlossen zu denen ein 150 Meilen langer Küstenstreifen gegenüber den Kanarischen Inseln bis zum Senegal an der westafrikanischen Küste gehörte. Zahlreiche Forts wurden angelegt. Groß-Friedrichsburg, das aus mitgebrachten brandenburgischen Ziegeln erbaut wurde, erhielt eine Armierung von 44 Kanonen. Unter der Mannschaft befanden sich ausgesuchte Handwerker, Barbiere, Schneider, Tischler, Schuster, Zimmermeister, Büchsenmacher, Schmiede, Maurer, Bäcker und Böttcher.

Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge

Gehandelt wurde mit Sklaven, Gold, Elfenbein, Straußenfedern, Salz und Gummi. Zum Absatz der Sklaven pachtete Brandenburg Landbesitz auf der dänischen Insel St. Thomas in Westindien. Der Große Kurfürst schuf mit Blick auf die überseeischen Angelegenheiten in Berlin die oberste Marinebehörde die Admiralität und verlegte Kriegshafen und Sitz der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompanie von Königsberg nach Emden. Es gelang dem Großen Kurfürsten aber nicht seine „krämerhafter kurzsichtigen Königsberger Kaufleute“ zur Aufnahme eines überseeischen Handels zu bewegen. Des weiteren bereiteten die See- und Kolonialmächte der Zeit England, Frankreich und Holland auch gewaltsame Widerstände, so verriegelten die die Engländer und Holländer die Nordsee, was sich entscheidend auswirkte. Bis zu seinem Tode kämpfte der Große Kurfürst für seine See- und Kolonialinteressen. Die letzte Parole, die er ausgab, lautete: „London und Amsterdam!“ Nach seinem Tod fand sich niemand, der das Doppelwerk Kriegsflotte und Kolonien verstand fortzuführen. Sein Enkel, der sparsame Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., verkaufte die afrikanischen Besitzungen 1717 für „7200 Dukaten und 12 Mohren“ an die Holländer.

Großfriedrichsburg
Großfriedrichsburg

Damit war die Geschichte von Großfriedrichsburg aber noch nicht zu Ende. Die Chronisten vor über 100 Jahren erzählen in sicherlich zeitgenössischer Verklärung den weiteren Werdegang wie folgt:

Schon 1716 entschloss sich der letzte deutsche Vertreter in Groß-Friedrichsburg, Generaldirektor Dubois den Schutz der Festung dem Afrikaner Jan Cunny zu übertragen und in die Heimat zurückzukehren. Der hielt sich „treu seinem dem König von Preußen geleisteten Eid„. (Sicherlich dürften hier auch wirtschaftliche Interessen eine große Rolle gespielt haben.) Als die Holländer mit einer Flotte vor der Festung erschienen, da verweigerte er die Übergabe mit der Bemerkung, er führe die Verwaltung im Namen des Königs in Preußen und wolle dies nur an preußische Schiffe bewerkstelligen. Hierauf griffen die Holländer die Festung an, doch wurden sie blutig zurückgeschlagen. Die Geschichte berichtet weiter, dass der Kampf noch Jahre angedauerte und den Holländern viele Menschen und viel Geld gekostet habe. Erst 1724 oder 1725 gelang es Jan Cunny zu vertreiben und der „unter Mitnahme der brandenburgischen Flagge im Urwald untertauchte„. Die Holländer nannten nun die Feste „Hollandia“, kümmerten sich bald danach nicht weiter um sie und überließen sie ihrem Schicksal.

S.M.S. Sophie besucht Großfriedrichsburg
S.M.S. Sophie besucht die Ruinen von Großfriedrichsburg

1884 besuchte das deutsches Kriegsschiff, die Korvette S.M.S. Sophie, also rund 200 Jahre nach der Gründung der Kolonie, die Gegend von Groß-Friedrichsburg. Der Kommandant des Schiffes und mehrere Offiziere ließen sich von den Einheimischen in der historischen Gegend führen, wo die Geschichte über Generationen weitergegeben war. Unter Schutt und Pflanzen fand man noch 6 alte Geschützrohre, eines davon nahm S.M.S. Sophie mit in die Heimat, wo es zunächst in der Ruhmeshalle zu Berlin ausgestellt wurde und heute in Emden am Falderndelft steht.

S.M.S Strassburg vor Großfriedrichsburg - Afrika
S.M.S. Straßburg vor Großfriedrichsburg – Afrika

Anfang des Jahres 1913 lief S.M.S. Straßburg über die Kanarischen Inseln, Sierra Leone und Togo nach Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Kapstadt, St. Helena, Rio de Janeiro und Mar del Plata. Auch hier besuchte die Besatzung die alten brandenburgischen Festung „Groß-Friedrichsburg“.

Die Ruine der Feste „Groß-Friedrichsburg“ steht noch heute; ein massiver Festungsbau, mit Zinnen und Kanonen, einem Herrenhaus und Kasematten, nur wenige Autostunden von Accra, der Hauptstadt der Republik Ghana, entfernt. Seit 1979 gehört sie zusammen mit den anderen europäischen Festungen in der Umgebung zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Deutschlands Kolonien“ von Rochus Schmidt Verlag des Vereins der Bücherfreunde Schall & Grund 1898
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“ 7. Auflage Braunschweig und Leipzig Hellmuth Wollermann 1906
  • „Konversationslexikon“, Leipzig und Wien 1909
  • „Die deutschen Kolonien“ Geographie, E. von Seydlitz – Königliche Universitäts- und Verlagsbuchhandlung Breslau 1910
  • „Deutschlands Kolonien“ von W. Scheel Verlagsanstalt für Farbfotographie Weller & Hüttich 1912
  • „Die deutschen Kolonien“ Herausgegeben von Kurd Schwabe Nationalausgabe – Band I/II 1914
  • „Deutsches Kolonial-Lexikon“ Leipzig 1920
  • zeitgenössische Postkarten mit ihren originalen Bildunterschriften.

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2 Kommentare

  1. Der „Soldatenkönig“ war nicht der Sohn des Großen Kurfürsten, sondern der Sohn von Friedrich I., König seit 1701.

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