Meran, Stadtansicht

Meran

Meran in Tirol im Kaisertum Österreich, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Meran 9323 Einwohner (1900)

Meran, Blick vom Tappeinerweg
Meran, Blick vom Tappeinerweg

Meran in Tirol im Kaisertum Österreich

Meran ist eine Stadt im Kaisertum Österreich, Gefürstete Grafschaft Tirol und berühmter Kurort.

Meran liegt in reizender Lage 320 Meter über dem Meer, am Fuße des Küchelbergs, an der Passer, unweit ihrer Mündung in die Etsch, und an der Bozen-Meraner Bahn. Meran besteht aus der Altstadt mit engen Gassen und den charakteristischen Bogengängen (Lauben) und dem neuen, regelmäßigen Stadtteil gegen den Bahnhof zu.

Meran, Stadtansicht
Meran, Stadtansicht

Meran ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein Obergymnasium der Benediktiner mit Konvikt, ein Mädcheninstitut der Englischen Fräulein, Möbeltischlerei, Kunstmühlen, Teigwaren-, Gold- und Silberwarenfabrikation, Handel mit Wein und Obst. Im Jahr 1900 leben in Meran 9323, mit den angrenzenden, zu dem Kurbezirk gehörigen Dörfern Obermais (3693 Einwohner), Untermais (4968 Einwohner) und Gratsch (392 Einwohner) 18.376 deutsche Einwohner.

Meran, Gilfpromenade mit Steinernensteg
Meran, Gilfpromenade mit Steinernensteg

Sehenswerte Gebäude sind die restaurierte landesfürstliche Burg aus dem 15. Jahrhundert, die gotische Stadtpfarrkirche (14. Jahrhundert) mit hohem Turm, die ebenfalls gotische Spitalkirche mit schönem Portal und die evangelische Christuskirche. Die Stadt besitzt ferner ein neues Kurhaus und Kurmittelhaus, Theater, zahlreiche Hotels und Pensionen, schöne Villen und prachtvolle Promenaden zu beiden Seiten der Passer, darunter die Gilfanlage, die Marie Valerie-Anlage mit Denkmal der Kaiserin Elisabeth und der am Küchelberg emporführende Tappeinerweg (mit Denkmal des Stifters Dr. Tappeiner).

Meran, Tappeiner Promenade
Meran, Tappeiner Promenade

Als klimatischer Kurort genießt Meran einen Weltruf, der in der reizenden, hohen, gegen Norden geschützten Lage am Südabhang der Alpen und in dem milden, gleichmäßigen, trocknen, auch im Winter heitern und windstillen Klima (mittlere Jahrestemperatur 12,5°) seine Begründung hat. Man gebraucht im Frühling die Molken-, im Herbst die Traubenkur; auch besitzt Meran mehrere Kaltwasserheilanstalten, eine pneumatische und Inhalationsanstalt, ein Schwimmbad und eine Nervenheilanstalt (Martinsbrunn). Die Frequenz beläuft sich durchschnittlich auf 15.000 Personen; insbesondere wird Meran von Nervenleidenden, Rekonvaleszenten und Brustkranken als Winteraufenthalt aufgesucht.

Meran, K. K. Stammschloss Tirol gegen die Zielspitze (3006 m)
Meran, K. K. Stammschloss Tirol gegen die Zielspitze (3006 m)

Die Stadt besitzt eine neue Wasserleitung und mit Bozen gemeinsam ein großes Elektrizitätswerk (an der Töll, mit 11.000 PS). Von den zahlreichen Burgen der Umgebung sind zu erwähnen: die Zenoburg, Schönna ([Schenna] 587 m, mit Mausoleum des Erzherzogs Johann), Fragsburg, Katzenstein, Lebenberg, Forst, Turnstein, Auer, Brunnenburg, Tirol. Letztere (nicht römischen Ursprungs) war vom 12. Jahrhundert bis zum Tode der Margarete Maultasch 1369 landesfürstliche Residenz; sie ist Staatseigentum und wurde in jüngster Zeit zum Teil restauriert. Nordöstlich erhebt sich der Hirzer (2785 m).

Meran, Schloss Lebenberg
Meran, Schloss Lebenberg

Die Stadt Meran, nach der (von Mommsen bestrittenen) Vermutung tirolischer Forscher in der Nähe des „alten Meran“ oder Maja erbaut, das nach der Sage von einem Erdsturz begraben wurde, also auf rätoromanischem Boden gelegen, erscheint zuerst in einer Urkunde von 857 als Meirania, dann 1234 als Forum Meranum und gehörte den Gaugrafen im Vintschgau, als welche dann im 12. Jahrhundert die Grafen von Tirol, d. h. Schloss Tirol bei Meran erscheinen. Unter den Görzer Landesfürsten entwickelte sich Meran zur landesfürstlichen Stadt. Hier wurde Margarete Maultasch am 10. Februar 1342 mit dem Sohne Kaiser Ludwigs des Bayern in zweiter Ehe vermählt. Seit Max I. und Ferdinand I. zeigte sich jedoch Meran von Innsbruck immer mehr in Schatten gestellt.

Meran ist heute eine Stadt in der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Italien.

Quellenhinweise:

  • „Allgemeines Ortschaften-Verzeichnis der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder“, Wien 1902
  • „Andrees neuer allgemeiner und österreichisch-ungarischer Handatlas“, 1904
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Österreichs Hort – Geschichts- und Kulturbilder aus den Habsburgischen Erbländern“, 1908
  • „Österreichische Bürgerkunde – Handbuch der Staats und Rechtskunde“ um 1910
  • „Mein Österreich – Mein Heimatland“ 1915

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