S.M.S. Hohenzollern (1892)

S.M.S. Hohenzollern
S.M.S. Hohenzollern

S.M.S. Hohenzollern (1892), Staatsyacht und Aviso der Kaiserlichen Marine, technische Angaben und Geschichte in alten Postkarten.

Kaiserliche Yacht Hohenzollern vor Venedig.

S.M.S. Hohenzollern (1892) – Angaben

Name:Hohenzollern
Namensherkunft:Hohenzollern, deutsches Fürstengeschlecht schwäbischen Ursprungs. Seit 1701 preußische Könige, seit 1871 Deutsche Kaiser.
Stapellauf:27.06.1892 in Stettin (Vulcanwerft)
Schwesterschiffe:Einzelschiff
Besatzung:ca. 295 Mann
Maße:Länge 116 m Breite 14 m Tiefgang 5,9 m
Wasserverdrängung:4280 Tonnen
Maximale Geschwindigkeit:21,5 kn
Maschinenleistung:9500 PS (Doppelschraubenmaschine)
Dampfstrecke:2000 Seemeilen
Bewaffnung:3 Schnellfeuerkanonen Kaliber 10,5 cm, 12 Schnellfeuerkanonen Kaliber 5 cm
Ende:1923 abgewrackt

S.M.S. Hohenzollern (1892) – Geschichte

Die alte und die neue Hohenzollern (S.M.S. Kaiseradler und S.M.S. Hohenzollern)
Die alte und die neue Hohenzollern (S.M.S. Kaiseradler und S.M.S. Hohenzollern)

Die alte „Hohenzollern„, die noch bei Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. von 1888 bis 1893 Dienst tat, war ein Raddampfer, der später den Namen „Kaiseradler“ erhielt. Die neue „Hohenzollern“ war für Kaiser Wilhelm II. ungefähr das gleiche, wie das Schloss Sanssouci in Potsdam für Friedrich den Großen. Sie war ursprünglich von dem damaligen Staatssekretär Admiral Hollmann im Reichstag als ein Aviso für höhere Kommandoverbände gefordert worden und entpuppte sich dann schließlich als Kaiserliche Yacht. Natürlich erfolgten nun im Reichstag heftige Diskussionen über die Finanzierung der Staatsyacht.

Kiel. Kaiserliche Yacht Hohenzollern.
Kiel. Kaiserliche Yacht Hohenzollern.

Der Stapellauf des Schiffes erfolge am 27. Juni 1892 in Stettin. Kaiser Wilhelm II. hielt dabei persönlich eine Rede und Kaiserin Victoria vollzog die Taufe. Die neue „Hohenzollern“ war stets das ganze Jahr in Dienst, weil das Schiff jederzeit für eine Kaiserreise zur Verfügung stehen musste. Wenn anzunehmen war, dass eine solche Reise nicht unmittelbar in Aussicht stand, wurde ein Teil der Offiziere und Mannschaften zu den verschiedensten Ausbildungskursen abkommandiert, doch nur so, dass sie jederzeit schnell zurückgerufen werden konnten.

Venedig. S.M.S. Hohenzollern.
Venedig. S.M.S. Hohenzollern.

Während der Anwesenheit des Kaisers, die im Durchschnitt im Jahr zweieinhalb Monate betrug, war der Dienst an Bord der „Hohenzollern“ nicht leicht. Besonders schwierig wurde der Bootsdienst, weil die Anforderungen an die Boote sehr groß waren. Die Boote mussten ganz besonders tadellos gefahren werden, ein schlechtes Anlegen oder gar eine abgefahrene Scheuerleiste wäre ein Verbrechen gewesen.

S.M.S. Hohenzollern. Das Standartenboot.
S.M.S. Hohenzollern. Das Standartenboot.

Wenn der Kaiser im Boot saß, wurde dieses stets von dem ältesten Wachoffizier, einem Kapitänleutnant, als Bootsoffizier geführt. Für das zahllose Gefolge, das naturgemäß sehr viel Wünsche hatte, mussten immer Boote bereit sein. Zeitweilig reichten außer den Booten für den Kaiser 4 Dampfpinassen gleichzeitig nicht aus, um die Ansprüche auf Boote zu bewältigen.

Kaiser Wilhelm II. mit Hohenzollernmannschaft Kommandant K. z. S. Graf Platen.
Kaiser Wilhelm II. mit Hohenzollernmannschaft Kommandant K. z. S. Graf Platen.

Die Mannschaften der „Hohenzollern“ trugen während der Anwesenheit des Kaisers an Stelle der üblichen blauen oder weißen Mützen große Strohhüte. Wenn auch der Strohhut in der Kaiserlichen Marine etwas Ungewöhnliches war, so waren die Mannschaften doch auf ihre auffallende Kopfbedeckung recht stolz. An Land wurden die Strohhüte nicht getragen, sondern nur an Bord und in den Booten.

S.M.S. Hohenzollern. Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus.
S.M.S. Hohenzollern. Kaiser Wilhelm II. und Zar Nikolaus.

Das Paradeboot, wenn der Kaiser als Herrscher einen offiziellen Besuch machte, war das Standartenboot. Es war dies eine dunkelblaue Ruderbarkasse mit vergoldetem Rand. Fuhr der Kaiser nicht als Kaiser, sondern als Admiral, so führte das Boot im Bug nicht die Kaiserstandarte, sondern einen Breitwimpel.

S.M.S. Hohenzollern
S.M.S. Hohenzollern mit Kaiserstandarte

Die größte Reise, die die „Hohenzollern“, jedoch ohne den Kaiser, gemacht hat, ist die Fahrt nach New York im Jahre 1902 gewesen. Da für eine so große Strecke das Schiff in Bezug auf die Kohlenvorräte nicht gebaut war, mussten sämtliche verfügbaren Lasten mit Kohlen aufgefüllt werden.

S.M. Renn-Yacht Alice und S.M.S. Hohenzollern. Zur Erinnerung an die denkwürdige Amerikafahrt S.K.H. des Prinzen Heinrich Februar 1902 (US-Präsident Roosevelt und Prinz Heinrich)
S.M. Renn-Yacht Alice und S.M.S. Hohenzollern. Zur Erinnerung an die denkwürdige Amerikafahrt S.K.H. des Prinzen Heinrich Februar 1902 (US-Präsident Roosevelt und Prinz Heinrich)

Trotzdem konnte die Fahrt nicht auf dem gewöhnlichen Schnelldampferkurs gemacht werden, sondern es wurden als Zwischenstationen Gibraltar, die Kanarischen Inseln, St. Thomas und auf der Rückfahrt die Bermuda und die Azoren angelaufen. Als Vertreter des Kaisers war sein Bruder, Prinz Heinrich, nach Amerika gereist, um beim Stapellauf der Kaiserlichen Segeljacht „Meteor“ zugegen zu sein. Admiral von Tirpitz begleitete ihn und die „Hohenzollern“ sollte als Wohnschiff in New York liegen.

Haifischfang auf Hohenzollern 1902 in St. Thomas.
Haifischfang auf Hohenzollern 1902 in St. Thomas.

Wie der Kaiser gern seine Besuche bei ausländischen Herrschern auf dem Wasserweg mit der Hohenzollern und einigen Begleitschiffen erledigte, so wurden auch die Gegenbesuche entsprechend erwidert. Der König von England und der Zar von Russland machten ihre Besuche stets begleitet von einigen Kriegsschiffen, die besonders repräsentativ waren. Bei solchen Gelegenheiten fanden stets große Flottenparaden und auch sonstige militärische Vorführungen statt. Erwähnt sei hier die Flottenparade im Jahre 1901 vor dem Zaren und den russischen Großfürsten auf der Rhede von Danzig.

S.M.S. Hohenzollern und S.M.S. Sleipner. Ankunft des Kaisers in Kiel
S.M.S. Hohenzollern und S.M.S. Sleipner. Ankunft des Kaisers in Kiel

S.M.S. Hohenzollern war die kaiserliche Staatsyacht und stets in Bekleidung eines Kriegsschiffes und eines Depeschenbootes unterwegs. Von 1900 bis 1914 war es das Depeschenboot S.M.S. Sleipner.

S.M.S. Hohenzollern als Motiv auf allen Kolonialbriefmarken

Alle Briefmarken der deutschen Kolonien zeigen als Motiv die Kaiserliche Yacht Hohenzollern. Die niedrigen Werte sind einfarbig, die höheren Werte zweifarbig.

Deutsch-Südwestafrika 3 Pfennig, 1900
Deutsch-Südwestafrika 3 Pfennig, 1900
Deutsch-Ostafrika 30 Heller, 1905
Deutsch-Ostafrika 30 Heller, 1905
Samoa 5 Mark, 1900
Samoa 5 Mark, 1900

S.M.S. Hohenzollern in einer zeitgenössischen Betrachtung

Der deutsche Marineoffizier und Marineschriftsteller Georg Wislicenus schrieb in seinem Werk „Deutschlands Seemacht sonst und jetzt“ (Leipzig 1896) über S.M.S. Hohenzollern folgendes:

S.M.S. Hohenzollern 1893
S.M.S. Hohenzollern 1893

„In unserer Zeit, wo die Technik Riesenschritte macht, ist Kaiseradler von besseren Bauten schnell überholt worden. Es ist als Schiedsrichterschiff bei den Flottenmanövern nicht mehr schnell genug und bietet in seinen engen Räumen und mit seiner geringen Seetüchtigkeit nicht das, was ein Kaiser, der die kräftige Entwicklung unserer Kriegsflotte als eine seiner Lebensaufgaben betrachtet, mit Fug und Recht verlangen kann. Deshalb wurde im Anfange unsers Jahrzehnts ein neues, schnelleres und stärkeres Kaiserschiff gebaut, das den Führer unsrer Kriegsflotte tragen soll, wenn er mit seinem seemännischen Stabe die Flottenmanöver leitet.

Vordeck der Yacht Hohenzollern. Die Waschfrau kommt am Löhnungstag mir der Rechnung.
Vordeck der Yacht Hohenzollern. Die Waschfrau kommt am Löhnungstag mir der Rechnung.

Im Kriege ist dieses Schiff als Aviso für größere Kommandostäbe bestimmt, das heißt, es soll alsdann den kommandierenden Admiral mit seinem Stabe aufnehmen; im Frieden hat es seinem kaiserlichen Herrn schon öfters bei Flottenmanövern, zum Besuche fremder Fürsten und zu Erholungsreisen in die nordländischen Gebirgsbuchten gedient. Seine Majestät Jacht Hohenzollern ist ein Meisterwerk deutscher Schiffbaukunst. Das Schiff lief am 27. Juni 1892 in Stettin vom Stapel; es ist 4190 Tonnen groß, 116 m lang, 14 m breit und taucht 5,6 m tief.

S.M.S. Hohenzollern Besatzungsmitglieder
S.M.S. Hohenzollern Besatzungsmitglieder

Seine Doppelschraubenmaschinen leisten bis zu 9460 Pferdestärken und geben dabei fast 22 Seemeilen Geschwindigkeit, sodaß Hohenzollern eines der schnellsten Kriegsschiffe ist. Die leichte Takelung zeigt drei Pfahlmasten, deren vorderster eine Signalrahe führt. Die Flaggenköpfe der Stangen haben die Form der Kaiserkrone. Die kriegsmäßige Bewaffnung zählt drei 35 Kaliber lange 10,5 cm Schnellladekanonen und zwölf 40 Kaliber lange 5 cm Schnellladekanonen; alle Geschütze tragen Panzerschilde als Schutz und werden auf dem Oberdeck aufgestellt. Im Frieden sind nur acht der 5 cm Kanonen an Bord. Ein Doppelboden mit sehr vielen Zellen, sowie viele wasserdichte Schotten sichern dem Schiffe die die Schwimmfähigkeit bei Beschädigungen der Außenhaut.

S.M.S. Hohenzollern. König Eduard VII. von Großbritannien kommt an Board.
S.M.S. Hohenzollern. König Eduard VII. von Großbritannien kommt an Board.

Die innere Ausstattung des Schiffes ist zweckmäßig, bequem und geschmackvoll. Überladener Prunk ist vermieden; es sind wohnliche helle Räume, deren gediegener Schmuck echt deutsch anheimelt und das Auge in ganz andrer, vornehmerer Art erfreut als z.B. die üppigen Schnörkeleien in den Kajüten moderner Schnelldampfer, die wohl nur für amerikanischen Geschmack berechnet sind. Für die kaiserliche Familie sind eine Reihe von Gemächern bestimmt, die meist in den breitesten Raum, das sogenannte Promenadendeck, dessen hinteres Deckhaus als Rauchkajüte dient. Auch für das kaiserliche Gefolge, sowie für die Offiziere und Mannschaften des Schiffes ist trefflich gesorgt. Die Besatzung zählt 307 Mann.“

S.M.S. Hohenzollern. Erzherzog Franz Ferdinand im Gespräch mit Admiral von Holtzendorff. Links: Flügeladjutant von Bülow, rechts Admiral Scheer.
S.M.S. Hohenzollern. Erzherzog Franz Ferdinand im Gespräch mit Admiral von Holtzendorff. Links: Flügeladjutant von Bülow, rechts Admiral Scheer.

Im Jahr 1914 führt die letzte Mittelmeerreise nach Italien, Griechenland und ins österreichische Triest. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau in Sarajewo durch serbische Attentäter, führte Kaiser Wilhelm II. trotz starker Bedenken auf Rat des Reichskanzlers Bethmann Hollweg seine geplante Nordlandreise nach Balholmen in Norwegen wie geplant durch, in der Hoffnung die politischen Spannungen nicht noch weiter zu verschärfen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde S.M.S. Hohenzollern am 31. August 1914 außer Dienst gestellt, am 27. Dezember 1920 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen, 1923 verkauft und in Wilhelmshaven abgewrackt.

S.M.S. Hohenzollern
S.M.S. Hohenzollern
S.M.S. Hohenzollern

S.M.S. Hohenzollern (1914) – Nummer 3

Nach S.M.S. Hohenzollern (1876), der späteren „Kaiseradler“ und S.M.S. Hohenzollern (1892) wurde im Jahr 1913 auf der Vulcan-Werft in Stettin mit dem Bau einer dritten Kaiseryacht begonnen. Der Stapellauf des 137 Meter langen Schiffes erfolgte am 29. September 1914. Da bereits der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, entfielen die Feierlichkeiten und es fand keine offizielle Schiffstaufe statt. Die Maschinen und Innenausstattung wurden nicht mehr eingebaut und das Schiff in einem Nebenarm der Oder geschleppt, um die Werft-Kapazitäten für die Kriegsschiffe freizuhalten. 1923 wurde die unfertige Kaiseryacht verkauft und in Kiel abgewrackt.

Bildergalerie:

Quellenhinweise:

  • „Deutschlands Seemacht“ von Georg Wislicenus – Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1896
  • „Nauticus – Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen“ 1899-1901
  • „Überall“ Illustrierte Zeitschrift für Armee und Marine, Jahrgänge
  • „Deutschland zur See“ Illustrierte Wochenschrift, Zeitschrift des Vereins „Marinedank“, Berlin, Jahrgänge
  • „So war die alte Kriegsmarine“ von Eberhard von Mantey – Berlin 1935
  • „Die deutschen Kriegsschiffe“, Groener 1966
  • „Die Deutschen Kriegsschiffe“, Hildebrand/Röhr/Steinmetz

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