Hermann von Wissmann

Hermann von Wissmann
Hermann von Wissmann

Hermann von Wissmann, Biografie, Lebenslauf

Hermann von Wissmann

Hermann von Wissmann
* 04.09.1853 in Frankfurt/Oder,
† 15.06.1905 in Weißenbach bei Liezen;
Reichskommissar 1888 – 1891 und Gouverneure 1895 – 1896 in Deutsch-Ostafrika

Hermann von Wissmann, ein berühmter Afrikareisender wurde am 4. September 1853 in Frankfurt a. O. geboren. Im Kadettenkorps vorgebildet, wurde er 1874 Leutnant in einem mecklenburgischen Infanterieregiment. Im Dienste der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft ging Wissmann 1880 mit Pogge nach Loanda (Westafrika) und gelangte mit ihm über Malange und Kimbundo am 17. April 1882 nach Nyangwe am oberen Kongo. Während Pogge zu der von ihm gegründeten Station Mukenge am Lulua zurückkehrte, brach Wissmann im Juni nach Osten auf, erreichte im Juli den Tanganjikasee und 14. November die Ostküste bei Saadani. Nach seiner Rückkehr wurde Wissmann vom König Leopold von Belgien zu einer Forschungsreise in das südliche Kongobecken gewonnen.

Hermann von Wissmann
Hermann von Wissmann

Begleitet von sieben Europäern, unter ihnen der Stabsarzt Wolf und die Leutnants François und Brüder Franz und Hans Müller, fuhr er im November 1883 von Hamburg nach Loanda, zog über Malange zum Kassai, überschritt diesen und gründete am Lulua die Station Luluaburg, von wo er 28. Mai 1885 mit einem zerlegbaren Boot und 28 größern und kleinern Kanus die Talfahrt antrat, die ihn am 5. Juni in den Kassai, am 9. Juli in den Kongo und am 17. Juli nach Léopoldville führte. Dadurch war der bis dahin unbekannte Unterlauf des Kassai festgestellt. Nach kurzem Erholungsaufenthalt in Madeira fuhr Wissmann mit Wolf (Franz Müller war 9. Januar 1885 in Luluaburg gestorben und Hans Müller krank nach Europa zurückgekehrt) den Kassai aufwärts bis zum Wissmann-Fall und zog dann nach Nyangwe, von wo er auf dem alten Wege zum Tanganjika und dann über den Nyassa und Schire im August 1887 zur Sambesimündung gelangte. Im Begriff, die Leitung einer Expedition zum Entsatz von Emin Pascha zu übernehmen, wurde er 1888 vom Reichskanzler Otto von Bismarck unter Beförderung zum Hauptmann und Ernennung zum Reichskommissar dazu berufen, den Araberaufstand in Deutsch-Ostafrika zu bewältigen.

Strafexpedition von Kilwa gegen den Sklavenhändler Hassan Ben Omari
Strafexpedition von Kilwa gegen den Sklavenhändler Hassan Ben Omari

Mit 21 Offizieren, Ärzten und Beamten und 40 Unteroffizieren ging Wissmann nach Ostafrika, wo er in kurzer Zeit eine Kolonialtruppe aus angeworbenen Somal, Zulu und Sudanesen bildete und am 8. Mai 1889 des Rebellenführers Buschiri befestigtes Lager bei Bagamoyo erstürmte. In schneller Folge wurden sodann Saadani, Pangani und Tanga genommen und im September Mpwapwa wieder besetzt; Buschiri wurde gefangen genommen und am 14. Dezember hingerichtet. Endlich gelang es Wissmann, auch das befestigte Lager des Arabers Bana Heri, der an Buschiris Stelle getreten war, zu stürmen (9. März 1890) und dadurch den Aufstand völlig niederzuwerfen. Darauf ging Wissmann zur Erholung nach Deutschland, wo er zum Major befördert und geadelt wurde. Noch in demselben Jahr nach Afrika zurückgekehrt, nahm er den vom Sultan von Sansibar abgetretenen Küstenstrich durch Heißen der kaiserlichen Flagge am 1. Januar 1891 in Besitz und gründete am Kilimandscharo die Station Moschi.

Wissmann "Unter deutscher Flagge quer durch Afrika"
Wissmann „Unter deutscher Flagge quer durch Afrika“

Als am 1. April eine Zivilverwaltung eingerichtet und Wissmann als Kommissar dem Gouverneur Soden unterstellt wurde, ging er auf Urlaub nach Deutschland. Er kehrte im August wieder dorthin zurück, um den durch Privatsammlungen aufgebrachten zerlegbaren Wissmann-Dampfer nach dem Victoria Niansa zu schaffen, konnte aber erst 1892 diesen Auftrag erledigen, indem er unter Änderung des ursprünglichen Planes den Wissmann-Dampfer durch den Schirefluß zum Nyassasee beförderte. Wissmann begab sich darauf zur Erholung nach Indien und im Frühjahr 1894 nach Deutschland zurück. Am 1. Mai 1895 wurde er, der sich inzwischen verheiratet hatte, vom Kaiser Wilhelm II. zum Gouverneur von Deutsch-Ostafrika ernannt und hatte von August 1895 bis Juni 1896 diesen Posten inne. In Berlin wurde er für das Jahr 1897 zum Vorsitzenden der Gesellschaft für Erdkunde erwählt, zog sich aber bald ins Privatleben zurück und lebte, von einigen größern Jagdausflügen (auch nach Südafrika) abgesehen, auf seinem Gut in Steiermark. Hier starb er am 15. Juni 1905 infolge eines Jagdunfalls in Weissenbach bei Liezen.

Ein Denkmal (von J. Götz) wurde ihm zu Bad Lauterberg im Harz errichtet.

Bad Lauterberg, Wissmann-Denkmal

Er veröffentlichte:

  • „Im Innern Afrikas. Die Erforschung des Kassai“ (mit Wolf, v. François und H. Müller, Leipzig 1888; 3. Auflage 1891);
  • „Unter deutscher Flagge quer durch Afrika“ (Berlin 1889, 8. Auflage 1902; kleinere Ausgabe 1891);
  • „Antwort auf den offenen Brief des Herrn Doktor Warneck über die Tätigkeit der Missionen“ (das. 1890);
  • „Meine zweite Durchquerung Äquatorialafrikas“ (Frankfurt a. O. 1891; neue Ausgabe von E. Wolf, 1907);
  • „Afrika, Schilderungen und Ratschläge zur Vorbereitung für den Aufenthalt und den Dienst in den deutschen Schutzgebieten“ (Berlin 1895, 2. Auflage 1903);
  • „In den Wildnissen Afrikas und Asiens, Jagderlebnisse“ (das. 1901, 2. Auflage 1908).
Hermann von Wissmann
Hermann von Wissmann

Im Jahr 1934 widmete ihm die Reichspost eine Briefmarke.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908

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