Weißenburg (Weissenburg) im Elsaß

Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß

Weißenburg im Elsass 6782 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Weißenburg im Elsass, Marktplatz und Rathaus
Weißenburg im Elsass, Marktplatz und Rathaus

 

Neben der Stadt Weißenburg im Elsass im Reichsland Elsaß-Lothringen existieren im Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und in der Schweiz:

  1. Weißenburg am Sand, unmittelbare und Bezirksamtsstadt im Königreich Bayern, Regierungsbezirk Mittelfranken mit im Jahr 1905 = 6709 Einwohner.
  2. Weißenburg (Ostpr.), Dorf im Königreich Preußen, Provinz Ostpreußen, Kreis Sensburg mit im Jahr 1910 = 653 Einwohner
  3. Weißenburg (Kr. Gnesen), Dorf und Gutsbezirk im Königreich Preußen, Provinz Posen, Kreis Gnesen mit im Jahr 1910 = 196 bzw. 288 Einwohner
  4. Weißenburg, ein Truppenübungsplatz im Königreich Preußen, Provinz Posen, bei Posen
  5. Weißenburg, Gutsbezirk im Königreich Preußen, Provinz Sachsen, Kreis Schweinitz, Amtsgericht Herzberg mit im Jahr 1910 = 32 Einwohner
  6. Weißenburg (Kr. Löbau, Westpr.), Bahnhof (Gutsbezirk Rakowitz), Königreich Preußen, Provinz Westpreußen, Amtsgericht Löbau (Westpr.) mit im Jahr 1910 = 41 Einwohner
  7. Weißenburg, Dorf und stark besuchter Kurort in der Schweiz, Kanton Bern, im Nieder-Simmental, 844 m ü. M. oberhalb der Station Weißenburgder Eisenbahn Erlenbach-Zweisimmen, mit einer 1600 entdeckten Gipsquelle von 27°, die namentlich Brustleidenden sehr empfohlen wird, einem neuen Kurhaus (Vorder- oder Neubad) und vortrefflichen Badeeinrichtungen; oberhalb liegt das einfacher gehaltene Hinter- oder Altbad.
  8. Komitat Weißenburg (ungarisch Fejér vármegye,) Verwaltungseinheit (Gespanschaft/Komitat) im Königreich Ungarn.

 

Weißenburg im Elsass

Weißenburg (Kron-Weißenburg) ist eine Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß. Sie liegt an der Lauter und ist Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg- Weißenburg, Weißenburg-Lauterburg und der pfälzischen Linie Neustadt a. H.- Weißenburg. Die Stadt hat eine evangelische und eine katholische Kirche, ein Gymnasium, eine landwirtschaftliche Schule, Amtsgericht, Oberförsterei, ein Stanzwerk, Strumpfwaren-, Papier-, Hut-, Leder- und Streichholzfabrikation, eine große lithographische Anstalt, Färberei, Bierbrauerei und Weinbau. Im Jahr 1895 leben hier mit der Garnison (1 Regiment Infanterie Nr. 60) 6788 Einwohner, die Mehrzahl sind Evangelische, 2895 sind Katholiken und 200 Juden.

Weißenburg verdankt sein Dasein einer Reichsbenediktinerabtei, die, im 7. Jahrhundert gestiftet, eine berühmte Schule besaß, und in der um 868 der Mönch Otfried die Evangelienharmonie dichtete. Die Stadt, 1247 zuerst genannt, befreite sich 1305 von der Herrschaft des Abtes und gehörte dann zu den zehn Reichsstädten im Elsaß; sie führte 1534 die Reformation ein, wurde 1677 von den Franzosen erobert und verbrannt und 1697 Frankreich zugesprochen. Am 4. August 1870 fand bei Weißenburg das erste siegreiche Gefecht der Deutschen gegen die Franzosen statt (siehe Deutsch-Französischer Krieg). Mac Mahon hatte die 2. Division seines Armeekorps bis Weißenburg vorgeschoben. Die Stadt war von einem Bataillon besetzt, die übrige Division lagerte auf den südlichen Höhen ohne eine Ahnung von der Nähe des Feindes, als 8:30 Uhr früh eine bayrische Batterie der Division Bothmer von der Höhe südlich von Schweigen das Feuer auf Weißenburg eröffnete. Während die Bayern, zunächst ohne Erfolg, Weißenburg selbst angriffen, rückte das 5. Korps gegen Altenstadt und den Eisenbahndamm vor, und die 21. Division vom 11. Korps suchte die Stellung der Franzosen, deren Führer gleich zu Anfang fiel, auf dem Geißberg von Südosten her zu um fassen.

Das 58. Regiment und 5. Jägerbataillon stürmten unter großen Verlusten den Bahnhof und die nächstgelegene Vorstadt, die Bayern Weißenburg selbst. Nun richtete sich der deutsche Angriff, besonders der 9. Division (7., 47., 58. und 59. Regiment), gegen die französische Stellung auf den Höhen südlich von Weißenburg, deren stärksten Stützpunkt das feste Schloss Geißberg bildete. Erst als die übrigen französischen Bataillone vor dem Anmarsch des 11. Korps den Rückzug antraten und das Schloss mit Granaten beworfen wurde, nahm die Besatzung (200 Mann) um 2 Uhr die angebotene Kapitulation an. Das Gefecht, dessen glücklicher Ausgang in Deutschland großen Jubel erregte und die Siegeszuversicht kräftigte, hatte 91 Offiziere und 1460 Mann an Toten und Verwundeten gekostet; die Franzosen verloren ein Geschütz und 1000 Gefangene.

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.