Colmar (Kolmar) im Elsaß

Stadt im Reichsland Elsaß-Lothringen und Hauptstadt des deutschen Bezirks Oberelsaß

Colmar 41.582 Einwohner – 1905 = 97. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Colmar, Kaufhausgasse
Colmar, Kaufhausgasse

 

Neben der Stadt Stadt Colmar (Kolmar) im Elsaß gibt es im Deutschen Reich (Kaiserreich):

  • Kolmar in Posen, (bis 1877 Chodziesen) eine Kreisstadt im Königreich Preußen, Provinz Posen, Regierungsbezirk Bromberg, an der Staatsbahnlinie Posen-Neustettin. Im Jahr 1900 leben hier 5025 meist katholischen Einwohnern.

 

Colmar (Kolmar) im Elsaß

Colmar (Kolmar) im Elsaß ist die Hauptstadt des deutschen Bezirks Oberelsaß im Reichsland Elsaß-Lothringen. Sie liegt an der Lauch und dem Logelbach (einem aus der Fecht abgeleiteten Kanal) und unweit der Ill, die mit dem Rhein-Rhonekanal durch einen Zweigkanal, der in ein Hafenbecken einmündet, in Verbindung steht und 193 Meter über dem Meer. Colmar ist Sitz eines Bezirkspräsidiums, einer Kreisdirektion, eines Oberlandesgerichts für Elsaß-Lothringen, eines Landgerichts, einer Forstdirektion mit zwei Oberförstereien sowie des Kommandos der 39. Division und der 82. Infanteriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 3 Magistratsmitglieder und 24 Stadtverordnete.

Colmar ist eine alte Stadt mit engen, winkligen Straßen. Die ehemaligen Festungswerke bilden um 1900 zum Teil schöne Promenaden. Ein neuer Stadtteil hat sich am Bahnhof entwickelt. Dort befindet sich auch das schöne Gebäude des Bezirkspräsidiums (ehemalige Präfektur) und das Marsfeld mit Anlagen. Ansonsten sind zu nennen das Münster oder die katholische Pfarrkirche zu St. Martin (aus dem 13. und 14. Jahrhundert) mit zwei Türmen, von denen einer unvollendet ist, einem schönen Portal und dem berühmten Bild Maria im Rosenhag, von M. Schongauer, der in Colmar gelebt hat; die evangelische Pfarrkirche (Barfüßerkirche aus dem 15. Jahrhundert), das ehemalige Dominikanerkloster („Unterlinden“, 1232–89 erbaut) mit Sammlungen, die ehemalige Dominikanerkirche, das Kaufhaus aus dem 15. Jahrhundert, die Synagoge etc.

Colmar besitzt Denkmäler des Generals Rapp, des Admirals Bruat, des Dichters Pfeffel und des Physikers Hirn (sämtlich in Colmar geboren), Schongauers, des Stadtschultheißen Rösselmann und Lazarus Schwendis sowie ein Winzerdenkmal.

Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 171, ein Jägerbataillon Nr. 84, eine Maschinengewehrabteilung Nr. 14, ein Dragonerregiment Nr. 14 und eine Eskadron Jäger zu Pferde Nr. 14) 36.844 Einwohner, der Großteil sind Katholiken, 10.861 sind Evangelische und 1204 Juden.

Die Industrie ist bedeutend. Colmar hat Woll- und Baumwollspinnerei und-Weberei, Seidenspinnerei, Jute-, Tuch-, Packtuch-, Nähfaden-, Stärkemehl-, Kartoffelzucker-, Teigwaren-, Wagen- und Maschinenfabrikation, Gießerei, Bleicherei, Bierbrauerei, Weinbau etc. Den Handel unterstützen eine Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle.

Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Linien Straßburg-Basel, Colmar-Metzeral, Colmar-Breisach u. a.

An öffentlichen Anstalten befinden sich dort: ein Lyzeum (Gymnasium) mit Realschule, eine Präparandenanstalt, Rabbinerschule, landwirtschaftliche Winterschule, landwirtschaftliche Versuchsstation, Weinbauschule, Hebammenlehranstalt, Waisenhaus, Mädchenrettungshaus etc. Zu Colmar gehört der 3 km westlich gelegene Fabrikort Logelbach mit Baumwollspinnerei, -Zwirnerei und-Weberei. Der Landgerichtsbezirk Colmar umfasst die 15 Amtsgerichte zu Barr, Colmar, Ensisheim, Gebweiler, Kaysersberg, Markirch, Markolsheim, Münster i. E., Neubreisach, Rappoltsweiler, Rufach, Schlettstadt, Schnierlach, Sulz i. Oberelsaß und Weiler.

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.

Colmar ist wahrscheinlich das Columbarium der Römer. Es wird erstmalig in einer Schenkungsurkunde Kaisers Ludwig des Frommen von 823 genannt. 833 lagerten die Söhne Ludwigs des Frommen in der Ebene zwischen Colmar, Türkheim und Sigolsheim und verführten das Heer des Vaters (Lügenfeld). Karl III. hielt in Colmar 884 einen Reichstag ab. 1220 erhielt Colmar durch den Landvogt Wölflin Stadtrechte und Mauern, und 1226 wurde es Reichsstadt. Das Stadtrecht, das Rudolf von Habsburg 1278 Colmar erteilte, wurde dann Muster für viele andere Städte. Seit 1347 fanden die Zünfte im Rate Vertretung und verdrängten im 17. Jahrhundert die adligen Geschlechter völlig daraus. 1255 trat Colmar in den rheinischen Städtebund und nahm an der Verteidigung des Elsaß gegen fremde Einfälle sowie 1476 und 1477 an den Schlachten gegen Karl den Kühnen tapferen Anteil. Die Protestanten erhielten 1575 freie Religionsübung, die ihnen Kaiser Ferdinand II. 1629 wieder zu nehmen versuchte. 1632 fiel Colmar in die Hände der Schweden, 1635 in die der Franzosen, die es 1649 nach dem Westfälischen Frieden räumten, 1673 aber aufs neue besetzten, die Festungswerke schleifen ließen und Colmar 1680 durch die Réunionskammern mit Frankreich vereinigten, bei dem es fortan bis 1871 verblieb. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg gelangte Elsaß-Lothringen wieder an Deutschland zurück. Seit 1698 ist Colmar der Gerichtshauptort für das Elsaß.

Am 11. November 1918 diktierte der französische Marschall Ferdinand Foch der deutschen Waffenstillstandsdelegation die Bedingungen zur Beendigung der Kampfhandlungen, die einer Kapitulation gleich kamen. Das deutsche Herr musste u.a. Elsaß-Lothringen binnen 14 Tagen räumen. Schon am 10. November 1918 erklärte E. Ricklin Elsaß-Lothringen zur unabhängigen Republik. Nichtsdestotrotz besetzen am 22. November 1918 französische Truppen Colmar und ganz Elsaß-Lothringen.