Straßburg i. E., gedeckten Brücken

Straßburg (Strassburg) im Elsaß

Straßburg (Strassburg) Hauptstadt des Reichslandes Elsaß-Lothringen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Straßburg i. E. – 167.342 Einwohner (1905) = 24. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Straßburg i. E., Gutenbergplatz
Straßburg i. E., Gutenbergplatz

Neben der Stadt Straßburg im Elsaß existiert im Deutschen Reich (Kaiserreich):

  1. Strasburg in Westpreußen, (polnisch Brodnica), eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Westpreußen, Kreisstadt im Regierungsbezirk Marienwerder, (1905) mit 7217 Einwohnern.
  2. Strasburg in der Uckermark, eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Brandenburg, Regierungsbezirk Potsdam, (1905) mit 6797 Einwohnern.

 

Straßburg im Reichsland Elsaß-Lothringen

Straßburg i. E. ist die Hauptstadt des Reichslandes Elsaß-Lothringen, des Bezirks Unterelsaß sowie des Land- und Stadtkreises Straßburg, Festung ersten Ranges.

Straßburg liegt 2 km vom Rhein entfernt, an der schiffbaren Ill, die hier die Breusch aufnimmt, am Rhein-Rhonekanal, der hier mit der Ill sich vereinigt, sowie am Rhein-Marnekanal, der nördlich der Stadt von der Ill ausgeht und als Illkanal diese mit einem Rheinarm (Kleiner Rhein) verbindet und liegt 150 Meter über dem Meer.

Straßburg i. E., gedeckten Brücken
Straßburg i. E., gedeckten Brücken

Die städtischen Behörden zählen 36 Gemeinderatsmitglieder. Sonst ist Straßburg Sitz des kaiserlichen Statthalters, des Ministeriums und der höchsten Landesbehörden für Elsaß-Lothringen, des Bezirkspräsidiums für Unterelsaß, einer Polizeidirektion für den Stadt- und einer Kreisdirektion für den Landkreis Straßburg, eines katholischen Bischofs, des Oberkonsistoriums für die Kirche Augsburgischer Konfession und des jüdischen Konsistoriums, eines Land- und eines Handelsgerichts, der Generaldirektion der Reichseisenbahnen, einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteueramts, der Landesversicherungsanstalt, eines Bergreviers etc.

Straßburg i. E., Kaiserpalast
Straßburg i. E., Kaiserpalast

Die eigentliche (innere) Stadt wird durch die zweiarmige Ill in drei Teile geteilt, hat elf Tore und durch die engen, unregelmäßigen Straßen ein altertümliches Aussehen. Ein neuer Stadtteil ist im Nordosten auf dem durch Hinausschieben der Festungswerke gewonnenen Terrain errichtet. Der Stadtkreis besteht aus 8 Kantonen: intra muros Nord, Ost, Süd und West und extra muros Nord (mit Ruprechtsau), Ost (mit Neudorf), Süd (mit Neuhof) und West (mit Königshofen, der Schirmecker Straße, Grüneberg-Elsau und Kronenburg), sämtlich eingemeindete Orte. Öffentlichen Plätze Straßburgs sind der Kaiserplatz, der Kléberplatz mit dem Standbild Klébers, der Gutenbergplatz mit der Statue Gutenbergs (von David d’Angers), der Broglieplatz, der Schloßplatz etc. Weitere Denkmäler sind die Denkmäler des Präfekten Lezay-Marnesia hinter dem Theater, des jungen Goethe auf dem Universitätsplatz, das Stöberdenkmal am Weinmarkt, der Züricher Brunnen mit Büste Fischarts, der Reinhardbrunnen vor dem Theater, das Denkmal des Komponisten Viktor Neßler in der Orangerie, des Generals Desaix auf einer Rheininsel etc. Einen reizvollen Aufenthalt gewährt der seit 1895 angelegte Volksgarten im Norden der Stadt gegen Ruprechtsau.

Straßburg i. E., Kleberplatz
Straßburg i. E., Kleberplatz

Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken bestimmten Gebäuden (8 evangelische und 7 katholische Kirchen, darunter je eine neue Garnisonkirche, eine reformierte Kirche und eine Synagoge) ist das katholische Münster ein Meisterstück altdeutscher Baukunst, 110 m lang, 41 m breit, im Mittelschiff 30 m hoch. Den Grundstein zu dem gegenwärtigen Bau lebte 1015 Bischof Werner; 1277 begann unter Bischof Konrad von Lichtenstein Erwin von Steinbach den Bau der Fassade und der Türme, den nach seinem Tode (1318) sein Sohn Johannes (bis 1339) fortsetzte und Hans Hültz aus Köln 1439 zum Abschluss brachte. Aber nur der nördliche Turm (142 m hoch) erreichte seine Vollendung, der südliche wurde bloß bis zur Plattform gebracht. Das Münster vereinigt fast alle Baustile des Mittelalters: spätromanisch sind Krypta, Chor und Querschiff, selbst ein Teil des untern Schiffes; weiterhin findet ein Übergang zum gotischen Spitzbogen statt, der in der Fassade bis zur Vollendung fand. Von besonderer Schönheit ist das Hauptportal mit zahlreichen Statuen und einer großen Fensterrose (50 m im Umfang). Dazu sind die herrlichen Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jahrhundert, die Kanzel, ein Meisterwerk von Johann Hammerer (1486), die Orgel von Silbermann und die berühmte astronomische Uhr von Schwilgué (1839 bis 1842 neuhergestellt) hervorzuheben.

Straßburg i. E., Hauptbahnhof
Straßburg i. E., Hauptbahnhof

Von den übrigen katholischen Kirchen ist noch die 1889–93 erbaute Herz-Jesukirche bemerkenswert, ein zwar einfacher, aber wirkungsvoll gegliederter, imposanter Bau. Von den evangelischen Kirchen verdienen die Neue Kirche (an Stelle der alten, 1870 eingeäscherten neuerbaut) und die Thomaskirche (13. und 14. Jahrhundert) mit dem Denkmal des Marschalls Moritz von Sachsen (von Pigalle) Erwähnung. Hervorragende Gebäude sind ferner der neue Kaiserpalast, das Schloss (ehemals bischöfliche Residenz, später Universität, dann Universitäts- und Landesbibliothek, jetzt für die städtischen Museen verwandt), daneben das Frauenhaus mit schöner Fassade und mittelalterlichen Skulpturen, das Gebäude der Handelskammer „Hotel du Commerce“, der schönste Renaissancebau der Stadt, das Stadthaus, das Theater am Broglieplatz (nach der Einäscherung von 1870 neuerbaut), der Statthalterpalast, das neue Universitätsgebäude, das Bezirkspräsidium, das Landesausschussgebäude, das Landgerichtsgebäude, das Aubettegebäude (Parolebureau) am Kléberplatz, das Gebäude der Lebensversicherungsgesellschaft Germania etc.

Straßburg i. E., Justizpalast und kath. Jung-St. Peters-Kirche
Straßburg i. E., Justizpalast und kath. Jung-St. Peters-Kirche

Die Bevölkerung beläuft sich im Jahr 1905 mit der Garnison auf 167.678, davon sind 75.916 Evangelisch, 85.848 Katholiken und 5111 Juden, darunter 3654 Personen mit französischer Muttersprache. Die Industrie gewinnt stetig an Bedeutung. Straßburg hat Fabriken für Maschinen, Messerwaren, Tabak, musikalische Instrumente (Pianinos, Orgeln), Wachstuch, Tapeten, Papier, Schirme, Fischbein, Konserven, Bonbons, Werkzeuge, Briketts, Seilerwaren, Parfümerien, Schokolade, Teigwaren, Senf, Öfen, Leder, Möbel, Bürsten, Hüte, Chemikalien, Seife, Wagen, künstliche Blumen und Federn, Strohhüte, Handschuhe, Bijouteriewaren etc. Bekannt sind die Gänseleberpasteten und die Bierbrauereien von Straßburg. Ferner gibt es Gerbereien, Färbereien, Feilenhauerei, Fibrahechelei, Ziegelbrennerei, Buchdruckerei, große Mühlwerke etc., auch hat Straßburg ein Landgestüt und eine große Artilleriewerkstätte.

Straßburg i. E., Bei den Mühlen
Straßburg i. E., Bei den Mühlen

Der lebhafte Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Warenbörse, eine Reichsbankhauptstelle (Umsatz 1906: 2245,2 Millionen Mark.), die Bank von Elsaß-Lothringen, Straßburger Bank etc. Die schiffbare Ill, den Ill-, Rhein-Rhone- und Rhein-Marnekanal, ist besonders bedeutend für Steinkohlen, Kolonial- und Lederwaren, Papier, Tabak, Eisen, Getreide, Wein, Holz, Gänseleberpasteten, Sauerkraut, Schinken, Hopfen, Gartengewächsen der verschiedensten Art etc. Dem Verkehr in der Stadt und mit der Umgebung dient eine elektrische Straßenbahn sowie mehrere Dampfstraßenbahnen. Für den Eisenbahnverkehr ist Straßburg Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Weißenburg, Straßburg-Deutsch-Avricourt, Straßburg-Kehl, Straßburg-Basel, Straßburg-Saales und Straßburg-Lauterburg sowie der Dampfstraßenbahnen Straßburg-Markolsheim und Straßburg-Truchtersheim. Einen bedeutenden Aufschwung hat der Handel seit der 1892 eröffneten Hafenanlage vor dem Metzgertor erfahren.

Straßburg i. E., Rheinhafen
Straßburg i. E., Rheinhafen

An Bildungs- und ähnlichen Anstalten hat Straßburg die 1872 neugegründete Kaiser Wilhelms-Universität (Wintersemester 1904/05: 1395 Studierende), die neue Universitäts- und Landesbibliothek von etwa 863.000 Bänden (größtenteils durch freiwillige Gaben entstanden und zum Ersatz für die in der Nacht vom 24. zum 25. Aug. 1870 verbrannte Stadtbibliothek bestimmt), ferner ein protestantisches Gymnasium (1538 gegründet), ein bischöfliches Gymnasium, ein Simultanlyzeum, ein Mädchengymnasium, 2 Oberrealschulen, 2 Realschulen, ein Priester-, ein Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar, eine Präparandenschule, eine Volkshochschule, ein Polytechnisches Institut, eine Technische, eine Handels- und eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Sternwarte, mehrere Museen, ein Konservatorium und ein Pädagogium für Musik, eine Hebammenlehranstalt, Theater, Besserungs- und Erziehungsanstalten für Mädchen, 2 Taubstummenanstalten, mehrere Waisenhäuser und Klöster, ein Diakonissenhaus etc. Auch ist Straßburg Zentralstation für Erdbebenforschung.

Straßburg i. E., Universität
Straßburg i. E., Universität

An Militärbehörden befinden sich in Straßburg das Generalkommando des 15. Armeekorps, die Kommandos der 30. und 31. Division, der 60., 61. und 85. Infanterie-, der 31. Kavallerie-, der 30. Feldartillerie- und 4. Fußartilleriebrigade sowie der Pioniere des 15. Armeekorps, der 5. Festungs- und der 3. Ingenieurinspektion, die Traindirektion und die Sanitätsinspektion des 14., 15., 16. und 18. Armeekorps, ein Artilleriekonstruktionsbüro, ein Gouverneur, ein Stadtkommandant. In Straßburg stationiert sind die Infanterieregimenter Nr. 105, 126, 132, 136, 172 und 2 Bataillone vom Infanterieregiment Nr. 143, ein Husarenregiment Nr. 9,2 Fußartillerieregimenter Nr. 10 und 14, ein Feldartillerieregiment Nr. 51, eine Abteilung Feldartillerie Nr. 15, 2 Pionierbataillone Nr. 15 und 19, ein Trainbataillon Nr. 15 und eine Maschinengewehrabteilung Nr. 3.

Straßburg i. E., Die Rheinbrücken
Straßburg i. E., Die Rheinbrücken

Die Festungswerke, deren Anlage 1682–84 von Vauban mit der auf der Ostseite der Stadt liegenden fünfeckigen Zitadelle begonnen wurde, haben seit 1870 eine bedeutende Erweiterung und Verstärkung erfahren. Ein Teil der Befestigung ist im Nordosten herausgerückt, und 14 Forts, 4–8 km vom Mittelpunkte der Stadt entfernt, krönen die umliegenden Höhen, 3 davon auf der badischen Seite des Rheins bei Kehl. Die Stärke der Werke wird dadurch noch bedeutend erhöht, dass durch die Ill und den Rhein-Rhonekanal ein großer Teil der Umgebung von Straßburg unter Wasser gesetzt werden kann. Die Umgebung der Stadt ist zwar flach, gleicht aber ihrer Fruchtbarkeit halber einem großen Garten.

Straßburg i. E., Theater und Brunnen
Straßburg i. E., Theater und Brunnen

Zum Landgerichtsbezirk Straßburg gehören die 15 Amtsgerichte zu Benfeld, Bischweiler, Brumath, Erstein, Hagenau, Hochfelden, Illkirch, Lauterburg, Niederbronn, Schiltigheim, Straßburg, Sulz unterm Wald, Truchtersheim, Weißenburg und Wörth.

Geschichte:

Unter der Regierung des Kaisers Augustus entstand auf der Stelle des heutigen Straßburg eine städtische Ansiedelung, Argentoratum, die der achten Legion als Standquartier diente. Durch den großen Sieg bei Straßburg 357 über die Alemannen rettete Kaiser Julian die Rheingrenze, doch schon um 406 fiel jenen das Elsaß zu. Damals ging die Stadt in Flammen auf, wurde aber bald neu erbaut, trägt seit dem 6. Jahrhundert den jetzigen Namen und vergrößerte sich in der Karolingerzeit durch die Neustadt im Westen. Hier schworen am 14. Februar 842 Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle den Eid gegenseitiger Treue, der in altromanischer und altdeutscher Sprache erhalten ist. Seit der Begründung des Bistums wuchs die Bedeutung der Stadt, die lange Eigentum des Bischofs war. Wie in anderen bischöflichen Städten errangen auch in Straßburg allmählich die Bürger größere Selbständigkeit: an Stelle der bischöflichen Ministerialen trat ein aus der Bürgerschaft hervorgehender Rat, und die Richter der Stadt, die Consules, sprachen vom Bischof unabhängig Recht, aber zur „freien“ Stadt vom Range der Reichsstadt wurde Straßburg erst im 13. Jahrhundert unter Bischof Heinrich III. von Stahleck (1245–60). Sein Nachfolger Walter von Geroldseck wurde 1262 bei Oberhausbergen geschlagen. Für die hohe Blüte der Stadt in dieser Zeit zeugen nicht nur Namen wie Gottfried von Straßburg, Meister Eckard, Johannes Tauler, sondern vor allem das Münster. Die Familienfehde zweier Adelsgeschlechter führte 1332 zur Aufnahme der Zünfte in den Rat; zu den bisherigen vier Stadtmeistern trat zugleich als Vertreter der Handwerker ein jährlich wechselnder Ammeister. Die Stadt schloss sich 1381 dem Schwäbischen Städtebund an und unterstützte ein Jahrhundert später die Schweizer gegen Karl den Kühnen bei Granson und Nancy. In Straßburg stellte der Mainzer Gutenberg die erste Druckerpresse auf, hier wirkten einige Jahrzehnte später die Dichter Sebastian Brant und Thomas Murner sowie der Humanist Wimpheling. Die Bedeutung der Stadt verrät ihre für eine mittelalterliche Stadt recht hohe Einwohnerzahl (um 1475 etwa 20.700 Seelen). Die Reformation fand früh durch Butzer Eingang, der 1523 in Straßburg eine Zuflucht fand; seit Abschaffung der Messe 1529 konnte die Stadt als vollkommen protestantisch gelten. In der gefährlichen Zeit der religiösen Streitigkeiten und Fehden hatte sie einen vorzüglichen Führer in dem gelehrten und welterfahrenen Jakob Sturm. Durch ihn wurde Straßburg auch eine Stätte der Wissenschaft, besonders durch den Humanisten Johannes Sturm. Ihm gegenüber vertrat literarisch das deutschvolkstümliche Element der Straßburger Johann Fischart. Für ihren Rücktritt von der Union belohnte Kaiser Ferdinand II. die Stadt 1621 mit der Errichtung der Universität, nachdem schon 1567 das von Sturm 1538 gegründete Gymnasium zur Akademie ausgestaltet worden war. Im Dreißigjährigen Krieg verfolgte Straßburg eine wenig rühmliche Neutralitätspolitik.

Straßburg i. E., Bei den gedeckten Brücken
Straßburg i. E., Bei den gedeckten Brücken

Der französische König Ludwig XIV. ließ 1680 durch die Reunionskammer in Breisach den Spruch fällen, dass Straßburg für die der Krone Frankreich gehörenden, aber noch in städtischem Besitz befindlichen Vogteien von Wasselnheim, Barr und Illkirch dem König huldigen solle. Die Stadt wagte dies nicht rund abzulehnen, nur seitens des Reiches wurden Verhandlungen eröffnet. Aber Ludwig XIV. griff 1681 mitten im Frieden Straßburg mit 30.000 Mann an, und die Erkenntnis der Aussichtslosigkeit jeglichen Widerstandes führte am 30. September zur Übergabe der Stadt. Der Friede von Ryswyk 1697 bestätigte diese Annexion, und auch der von Utrecht änderte nichts daran. Die neue Regierung begünstigte mit Erfolg die Ausbreitung des Katholizismus, konnte aber der Stadt ihr deutsches Wesen nicht rauben. Für dessen Erhaltung sorgte besonders die Universität, an der die Juristen Schilter und Obrecht, der Theologe Blessig, die Sprachforscher Schweighäuser, Scherz und Oberlin und der Historiker Schöpflin lehrten. Die französische Revolution brachte eine neue Verfassung: an die Spitze trat ein Maire, dem 17 gewählte Munizipalräte und 36 Notabeln zur Seite standen. Nach dem Falle des Königtums brach auch über Straßburg die Schreckensherrschaft herein; auch hier wurde 1793 ein Revolutionstribunal unter dem deutschen Emigranten Eulogius Schneider errichtet. Erst unter dem ersten Kaiserreich, als die in den Revolutionsstürmen verfallene Universität als französische Akademie wiedererstand, wurde Straßburg eine französische Stadt. Der Versuch Ludwig Napoleons am 30. Oktober 1836, sich hier von der Garnison zum Kaiser ausrufen zu lassen, misslang. Nach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges begann am 13. August 1870 begann die Einschließung der Stadt durch General von Werder, den Befehlshaber der badischen Division. Die hartnäckige Verteidigung durch den Kommandanten, General Uhrich, sowie der Wunsch, die Bürgerschaft einzuschüchtern und die Übergabe zu beschleunigen, veranlassten von Werder zu einem Bombardement (24.-27. August), das die kostbare städtische Bibliothek zerstörte und das Münster beschädigte. Doch da die Beschießung ergebnislos blieb, wurde zur regelrechten Belagerung geschritten. Am 12. September war die dritte Parallele fertig; schon war Bresche in den Hauptwall geschossen und alles zum Sturme vorbereitet, als am 28. September die Festung kapitulierte. Die Besatzung (noch 17.000 Mann) wurde kriegsgefangen, 1200 Kanonen und zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet. Wegen deutsch feindlicher Haltung der Stadtbehörde wurde 1873 der Bürgermeister Lauth seines Amtes entbunden und der Gemeinderat zunächst auf zwei Monate, dann auf ein Jahr suspendiert. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Magistrats wurde der Polizeidirektor Back betraut, unter dem das Gemeindeschulwesen ausgebildet, Straßenbahnen gebaut, eine Wasserleitung hergestellt und die großartige Stadterweiterung nach Ankauf der alten Festungswerke durchgeführt wurden. Erst 1886 wurde wieder ein Gemeinderat gewählt, der Back zum Bürgermeister ernannte.

Am 11. November 1918 diktierte der französische Marschall Ferdinand Foch der deutschen Waffenstillstandsdelegation die Bedingungen zur Beendigung der Kampfhandlungen, die einer Kapitulation gleich kamen. Das deutsche Herr musste u.a. Elsaß-Lothringen binnen 14 Tagen räumen. Schon am 10. November 1918 erklärte E. Ricklin Elsaß-Lothringen zur unabhängigen Republik. Nichtsdestotrotz besetzen am 22. November 1918 französische Truppen Straßburg und ganz Elsaß-Lothringen. Der Versailler Vertrag verfügte 1919 die Angliederung Elsaß-Lothringens ohne Plebiszit (Volksabstimmung) an Frankreich.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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