Zabern

Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß

Zabern 8937 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Zabern, Rathaus
Zabern, Rathaus

 

Zabern (Vogesen)

Zabern (Elsaßzabern, franz. Saverne) ist eine Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß. Sie liegt am Fuß der Vogesen und am Rhein-Marnekanal, 187 Meter über dem Meer und ist Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Deutsch-Avricourt und Schlettstadt-Zabern. Die Stadt hat eine evangelische und 2 katholische Kirchen, Synagoge, ein Schloss (ehemals bischöfliche Residenz, seit 1852 Sitz für Witwen von Rittern der Ehrenlegion, seit 1871 Kaserne), Gymnasium, Waisenhaus, ein Museum für Altertümer, Landgericht, Oberförsterei, Reichsbanknebenstelle, eine Eisenwaren- und Werkzeugfabrik (Zornhof), Fabrikation landwirtschaftlicher Geräte und Wagen, von Schleifsteinen und Leder, Gießerei, Bierbrauerei und Sandsteinbrüche.

Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 99) 8937 Einwohner, davon 2290 Evangelische und 325 Juden. In der Nähe die Schlossruinen Hoh-Barr, Groß- und Kleingeroldseck und Greifenstein, die St. Veitsgrotte (ehemals eine Einsiedelei), die Barbarakapelle, die Michaeliskapelle etc. Über die Vogesen nach Pfalzburg führt seit 1737 eine schöne, von Goethe in „Dichtung und Wahrheit“ gerühmte Straße, die Steige. Zum Landgerichtsbezirk Zabern gehören die zwölf Amtsgerichte in Buchsweiler, Finstingen, Lörchingen, Lützelstein, Molsheim, Oberehnheim. Pfalzburg, Rosheim, Saarburg in Lothringen, Schirmeck, Wasselnheim und Zabern.

Zabern, eine alte Römeransiedelung (Tabernae), wurde 355 von den Alemannen zerstört. Im lothringischen Bauernaufstand 1525 war Zabern Stütze der Bauern, die Herzog Anton niedermetzelte (Bauernschlachten bei Lupstein). Das Schloss, 1670 nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege wieder erbaut, brannte 1779 nieder. Der durch die Halsbandgeschichte bekannte Kardinal Prinz von Rohan begann als Bischof von Straßburg 1784 den Bau von neuem, führte ihn aber, von der Revolution überrascht, nicht zu Ende.

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.