Hagenau

Stadt, Kreis- und Kantonshauptort im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß

Hagenau 17.993 Einwohner – 1900 (Städte im Kaiserreich)

Hagenau i. E., Gesamtansicht
Hagenau i. E., Gesamtansicht

 

Hagenau im Elsaß

Hagenau ist eine Stadt, Kreis- und Kantonshauptort im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß. Sie liegt an der Moder, mitten im 13.744 Hektar großen Hagenauer Forst, 145 Meter über dem Meer und ist Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Weißenburg, Hagenau-Beningen und Hagenau-Roppenheim. Die Stadt hat 2 evangelische und 2 katholische Kirchen (die romanische St. Georgskirche aus dem 12. und die gotische St. Nikolauskirche aus dem 13. Jahrhundert), Synagoge. Im Jahr 1900 leben hier mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 137, ein Dragonerregiment Nr. 15, ein Feldartillerieregiment Nr. 31 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 67) 17.993 Einwohner, die Mehrzahl sind Katholiken, 4706 sind Evangelische und 561 Juden.

An industriellen Anlagen befinden sich in Hagenau Wollspinnerei, Schaumwein- und Schuhfabrikation, Bierbrauerei und 21 Hopfendarren. Der Hopfenbau liefert jährlich gegen 5000 dz Hopfen. Hagenau hat ein Gymnasium mit Realschule, Museum, Stadtbibliothek, Strafanstalt für Frauen, Knabenbesserungsanstalt und ist Sitz eines Amtsgerichts, zweier Oberförstereien, eines Hauptsteueramts und des Kommandos der 62. Infanteriebrigade. Hagenau ist entstanden aus einer Ansiedelung, die Konrad III. in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts anlegte. Kaiser Friedrich Barbarossa erbaute dort eine Pfalz, umgab den Ort mit Mauern und erteilte ihm 1164 ein Stadtrecht mit ausgedehnten Freiheiten.

Später wurde Hagenau Sitz des Landvogts von Hagenau und 1257 vom deutschen König Richard von Cornwallis zur Reichsstadt erhoben. An ihrer Spitze stand ein königlicher Schultheiß; auch der benachbarte Hagenauer Forst war Reichsgut. Im Juni 1540 fand in Hagenau das ursprünglich nach Speyer berufene Religionsgespräch zwischen den Protestanten und Katholiken statt, doch wurden die Verhandlungen bald nach Worms verlegt. Mit der Landvogtei kam 1648 auch die Stadt Hagenau an Frankreich, worauf Ludwig XIV. 1673, ihre Reichsunmittelbarkeit nicht achtend, die Festungswerke abtragen ließ.

1675 von den Kaiserlichen wieder genommen, wurde sie 1677 von den Franzosen zurückerobert und in Brand gesteckt. 1705 wurde Hagenau abermals von den Kaiserlichen, 1706 wieder von den Franzosen genommen; 1871 fiel die Stadt mit Elsaß-Lothringen an Deutschland zurück, nachdem sie bereits seit der Schlacht von Wörth im Besitz der Deutschen und bis zur Einnahme Straßburgs Sitz des Generalgouverneurs vom Elsaß gewesen war. In der Nähe liegt das ehemalige, im 13. Jahrhundert gegründete Kloster Marienthal, das 1789 säkularisiert wurde und noch jetzt ein berühmter Wallfahrtsort ist.

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.