Schlettstadt

Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß

Schlettstadt 9700 Einwohner – 1905 (Städte im Kaiserreich)

Schlettstadt, Krautmarkt mit Strassburgtor
Schlettstadt, Krautmarkt mit Strassburgtor

Schlettstadt

Schlettstadt ist eine Kreis- und Kantonshauptstadt im Reichsland Elsass-Lothringen, Bezirk Unterelsaß. Sie liegt an der Ill, 180 Meter über dem Meer und ist Knotenpunkt der Eisenbahnen Straßburg-Basel, Schlettstadt-Markirch und Schlettstadt-Zabern. Die Stadt hat 2 schöne katholische Kirchen (Münster oder St. Georgskirche und Fideskirche), eine evangelische Kirche, Synagoge, Gymnasium, Lehrerinnenseminar, landwirtschaftliche Winterschule, Mädchenwaisenhaus, mehrere ehemalige Klöster, Theater, Amtsgericht, Hauptzollamt, Oberförsterei. berühmte Metallweberei (toiles métalliques), Gerberei, Ziegeleien, Säge- und Lohmühlen, starken Obst- und Weinbau. Im Jahr 1905 leben hier mit der Garnison (ein Jägerbataillon Nr. 8 und eine Maschinengewehrabteilung Nr. 10) 9700 meist katholische Einwohner.

Westlich auf einem Berg die umfangreichen Ruinen der Hohkönigsburg. Schlettstadt, in merowingischer Zeit ein königlicher Meierhof, späterhin eine königliche Pfalz, kam im 11. Jahrhundert an das dortige Benediktinerkloster der heil. Fides, dessen Propst auch in der späteren Stadt Schlettstadt Schultheiß und Rat ernannte, bis der Bischof von Straßburg im 13. Jahrhundert das Kloster erwarb. 1216 erhielt Schlettstadt Mauern und unter Kaiser Friedrich II. Stadtrecht, war seit Rudolf von Habsburg Reichsstadt und bewahrte später das Archiv des Zehn-Städtebundes. Im 15. Jahrhundert begründete hier Agricola eine Gelehrtenschule, die auch Erasmus von Rotterdam besuchte. Die Reformation fand zahlreiche Anhänger, wurde aber gewaltsam unterdrückt. 1632 eroberten die Schweden Schlettstadt und übergaben es 1634 an Frankreich.

Die 1673 geschleiften Festungswerke wurden durch Vauban 1676 wiederhergestellt. 1814 und 1815 belagerten es die Verbündeten vergeblich, dagegen gewannen es am 24. Oktober 1870 die Deutschen durch Kapitulation. Seitdem sind die Festungswerke abgetragen worden. Die Stadt ist Geburtsort J. Wimphelings, des Reformators M. Butzer und des Humanisten Beatus Rhenanus (dessen Büchersammlung sich in der Stadtbibliothek befindet).

Als Elsaß im Vertrag von Mersen 870 dem ostfränkischen Reich zufiel, wurde es dem Herzogtum Schwaben zugeteilt, dessen Herzoge bis zum Erlöschen des staufischen Hauses 1268 auch den Titel eines Herzogs von Elsaß führten. Schon im 12. Jahrhundert begann das Land zwischen Wasgau und Rhein in eine große Zahl selbständiger reichsunmittelbarer Herrschaften und Städte zu zerfallen; als Vertreter der Reichsgewalt waren Landgrafen und Reichsvögte bestellt. Die Landgrafschaft im oberen Elsaß (Sundgau) besaßen seit dem 13. Jahrhundert die Grafen von Habsburg, im untern Elsaß (Nordgau) die Grafen von Öttingen. Die Landgrafschaft verlor im 14. Jahrhundert ihre Bedeutung, und die damit verbundenen Güter und Rechte wurden an das Bistum Straßburg verkauft. Einen größeren Einfluss behaupteten die Reichsvögte, deren Amt auch meist im Besitz der Habsburger war. Solange die Reichsgewalt im Elsaß mächtig war, begünstigte sie die Reichsstädte, deren es außer Straßburg zehn gab: Hagenau, Colmar, Schlettstadt, Weißenburg, Oberehnheim, Rosheim, Mülhausen, Kaysersberg, Türkheim und Münster.