Stralsund, Rathaus

Stralsund

Stralsund in Pommern im Königreich Preußen, Stadtgeschichte in alten Ansichtskarten und zeitgenössischen Texten.

Stralsund 31.810 Einwohner – 1905 = 124. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Stralsund, Überfahrt von Stralsund nach Rügen mit dem Trajektschiff (Eisenbahnfähre)
Stralsund, Überfahrt von Stralsund nach Rügen mit dem Trajektschiff (Eisenbahnfähre)

Stralsund in Pommern im Königreich Preußen

Stralsund ist Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks im Königreich Preußen, Provinz Pommern und Stadtkreis, bis 1873 auch Festung, am Strelasund, der Rügen vom Festland scheidet.

Stralsund ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Berlin-Stralsund, Angermünde-Stralsund, Rostock-Stralsund u. a. Die Stadt hat 3 Land- und 4 Wassertore, 5 evangelische Kirchen (darunter die Nikolaikirche von 1311, die Marienkirche, 1416 bis 1478 erbaut, und die Jakobikirche mit wertvollen Gemälden von Tischbein), eine Kapelle der apostolischen Gemeinde, eine katholische Kirche, Synagoge, ein interessantes Rathaus von 1306 mit Museum,

Stralsund vom Turm der Marienkirche
Stralsund vom Turm der Marienkirche

ein Denkmal des Bürgermeisters Lambert Steinwich (* 19. Mai 1571 in Düsseldorf – † 13. August 1629 in Stralsund) und des Freiheitskämpfers Ferdinand Schill (* 6. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden – † 31. Mai 1809 in Stralsund). Im Jahr 1905 leben in Stralsund mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 42) 31.809 Einwohner, der Großteil sind Evangelische, 1186 sind Katholiken und 106 Juden.

Stralsund, Hafen
Stralsund, Hafen

An industriellen Anlagen hat Stralsund eine Zuckerfabrik, die Vereinigten Stralsunder Spielkartenfabriken (jährliche Produktion 2,5 Millionen Karten), Eisengießerei und Maschinenbau, Zucker-, Lack-, Firnis-, Zigarren-, Leinenwaren-, Glacéhandschuh-, Fischkonserven-, Seifen-, Stärke-, Kumt-, Möbel- und Tonwarenfabriken, Fischerei, Bierbrauerei und eine Dampfkunstmühle mit Getreidebrennerei.

Stralsund, Rathaus und Nicolaikirche
Stralsund, Rathaus und Nicolaikirche

Der Handel in Stralsund, unterstützt durch eine Handelskammer, 7 Konsulate fremder Länder und eine Nebenstelle der Reichsbank (Umsatz 1906: 444,4 Millionen Mark), wie durch die lebhafte Schifffahrt, befasst sich vorzugsweise mit Fischen, Steinkohlen, Getreide und Hülsenfrüchten, Kolonialwaren, Wolle, Öl etc. Die Reederei zählte 1904: 68 Schiffe zu 2.465 Registertonnen; in den Hafen liefen im Jahre 1905 ein: 530 beladene Seeschiffe zu 39.116 Registertonnen.; es liefen aus 412 beladene Seeschiffe zu 36.190 Registertonnen.

Stralsund, Fährstraße und Schillhaus
Stralsund, Fährstraße und Schillhaus

Den Verkehr in der Stadt Stralsund vermittelt eine elektrische Straßenbahn. Stralsund hat ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine Prüfungskommission für Steuermänner und Schiffer, eine Navigationsschule, eine Taubstummenanstalt, eine Handels- und Industrieschule, Waisenhaus, Rettungshaus, ein Theater, eine Siechenanstalt, eine Lotsenstation, ein Seebad etc.

Stralsund, Bahnhof
Stralsund, Bahnhof

Die Stadt Stralsund ist Sitz einer königlichen Regierung, eines Amtsgerichts, einer Forstinspektion, eines Stadtkonsistoriums, eines geistlichen Ministeriums, eines Hauptzollamtes und eines Seemannsamtes. Die städtischen Behörden zählen 12 Magistratsmitglieder und 48 Stadtverordnete.
Der Regierungsbezirk Stralsund umfasst 4010 km² (72,83 Quadratmeilen) mit im Jahr 1905 = 220.449 Einwohner, darunter 211.543 Evangelische, 8366 Katholiken und 267 Juden (55/km²), und besteht aus den fünf Kreisen: Franzburg, Greifswald, Grimmen, Rügen, Stralsund (Stadt).

Stralsund, Semlowertor
Stralsund, Semlowertor

Stralsund wurde 1234 von Wizlaw I., Fürsten von Rügen, als deutsche Stadt gegründet und wurde bald eins der bedeutendsten Mitglieder der Hanse. Obwohl den Herzogen von Pommern untertan, behauptete die Stadt eine fast reichsfreie Stellung. 1429 belagerten es die Dänen, erlitten aber auf der kleinen vor der Stadt gelegenen Insel Strela eine Niederlage, von der diese den Namen Dänholm erhielt. 1628 Schloss Stralsund ein Bündnis mit Gustav Adolf von Schweden und wurde von Wallenstein vom 23. Mai bis 4. August belagert, der mit einem Verlust von 12.000 Mann unverrichteter Sache abzog.

Stralsund, Markt Steinwich-Denkmal
Stralsund, Markt Steinwich-Denkmal

Im Westfälischen Frieden 1648 an Schweden abgetreten, musste sich Stralsund am 15. Oktober 1678 nach heftigem Bombardement dem Großen Kurfürsten von Brandenburg ergeben, kam aber 1679 an Schweden zurück. Im Nordischen Kriege 1715 von den vereinigten Preußen, Sachsen und Dänen belagert und am 23. Dezember von den kapitulierenden Schweden geräumt, kam es 1720 doch an letztere zurück. Im Juli 1807 nahmen die Franzosen Stralsund durch Kapitulation und schleiften die Festungswerke.

Stralsund, Schilldenkmal
Stralsund, Schilldenkmal

Am 31. Mai 1809 wurde die von Schills Freischar besetzte Stadt von Dänen, Holländern und Oldenburgern erstürmt, wobei Schill fiel. Durch den Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 kam Stralsund nebst ganz Schwedisch-Pommern an Dänemark und von diesem durch Vertrag vom 4. Juni 1815 an Preußen. Stralsund ist eine heute eine Stadt im Nordosten Deutschlands und gehört zum Landesteil Vorpommern des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Quellenhinweise:

  • Prof. A. L. Hickmann’s Geographisch-statistischer Taschen-Atlas des Deutsches Reichs, Leipzig und Wien 1897
  • „F. W. Putzgers Historischer Schul-Atlas“, Verlag von Velhagen & Klasing, 1902
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“, 1906
  • „Post-Taschen-Atlas von Deutschland nebst Ortsverzeichnis“, Th. Pfuhl, Berlin, 1906
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 20 Bänden, Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Petzolds Gemeinde- und Ortslexikon des Deutschen Reiches“, Band 1 und 2, Bischofswerda (Sachsen), 1911

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