Kolberg

Stadt im Königreich Preußen, Provinz Pommern, Regierungsbezirk Köslin, Kreis Kolberg-Köslin, ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Kassuben

Kolberg 22.864 Einwohner – 1905 = 195. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Kolberg, Strandschloss mit Seesteg
Kolberg, Strandschloss mit Seesteg

 

Kolberg (Colberg)

Kolberg (Colberg) ist eine Stadt im Königreich Preußen, Provinz Pommern, Regierungsbezirk Köslin, Kreis Kolberg-Köslin, ehemalige Hauptstadt des Herzogtums Kassuben, an der Persante, die bei den nahen Vorstädten Münde und Strandvorstadt in die Ostsee mündet. Die Stadt ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Belgard-Kolberg, Gollnow-Kolberg u. a.

Kolberg hat 4 evangelische und eine katholische Kirche, darunter die schöne fünfschiffige Marienkirche, ein Backsteinbau des 14. und 15. Jahrhundert mit bedeutenden, restaurierten Deckengemälden, und die 1871–76 erbaute Nikolaikirche in der Vorstadt Münde, sowie eine Synagoge, ein gotisches Rathaus, ein neues Kreishaus, ein Erzstandbild Friedrich Wilhelms III. (von Drake). Auf dem Markt steht Nettelbecks Haus und Ramlers Geburtshaus, ein Nettelbeck-Gneisenau-Denkmal, ein Denkmal des Sanitätsrats Hirschfeld.

Kolberg besitzt einen Hafen mit Leuchtfeuer an der Mündung der Persante und ein besuchtes See-, Sol- und Moorbad (Zahl der Kurgäste 1904: 13.288), eine neue Quellwasserleitung. Im Jahr 1900 leben mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 14 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 2) 20.200 Einwohner in der Stadt. Die überwiegende Mehrheit sind Evangelisch, 786 sind Katholiken und 349 Juden. Die Industrie beschränkt sich auf Eisengießerei und Maschinenbau, Herstellung pharmazeutischer Präparate, Dampfholzschneiderei (mit Imprägnieranstalt), Tabakfabrikation, auch wird Fischerei betrieben. Der Handel wird durch eine Reichsbanknebenstelle unterstützt. Der Schiffsverkehr ist unbedeutend. Kolberg hat ein Gymnasium mit Realgymnasium, Präparandenanstalt, Fräuleinstift, Seehospiz, mehrere Kinderheilanstalten, ein Theater, zwei Rettungsstationen für Schiffbrüchige und ist Sitz eines Landratsamts für den Kreis Kolberg-Köslin, eines Amtsgerichts, eines Hauptsteueramts, eines Seemannsamts und einer Spezialkommission.

Kolberg war bis 1873 Festung, die Schanzen an der See und das Fort Münde wurden 1887 als solche aufgegeben. Ein beliebter Vergnügungsort ist die Maikuhle, ein Wald am Hafen und an der See.

Die Stadt Kolberg ist einer der ältesten Orte Pommerns und als Salzort schon früh bedeutend. Der Ort ist um eine slawische Feste entstanden, die 1065 in ein Domstift verwandelt wurde. 1255 erhielt Kolberg von Herzog Barnim I. Stadtrecht, kam 1276 unter die Herrschaft des Stiftes Kammin und wurde 1284 in den Hansebund aufgenommen. Seit 1530 fand die Reformation in Kolberg Eingang. Im Dreißigjährigen Kriege kam es 1627 in die Gewalt der Kaiserlichen, wurde aber 1631 von den Schweden erobert, welche die spätere Festung anlegten. 1653 wurde die Stadt an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg übergeben, der die Befestigungen verstärken ließ und hier eine Ritterakademie stiftete, die 1705 nach Berlin verlegt wurde. Im Siebenjährigen Kriege belagerten die Russen, 10.000 Mann stark, 1758 vergebens die nur von 700 Mann besetzte Stadt, die von dem Kommandanten Major von Heyden und der Bürgerschaft tapfer verteidigt wurde. Denselben Ausgang hatte eine zweite Belagerung durch die Russen vom 26. August bis 18. September 1760. Eine dritte Belagerung im Jahr 1761 endete dagegen damit, dass Kommandant Heyden, durch Hunger gezwungen, die Festung den Russen übergeben musste, die jedoch 1762 nach Peters III. Thronbesteigung von ihnen wieder geräumt wurde. Noch rühmlicher zeichnete sich Kolberg aus bei der sechsmonatigen Belagerung der Feste durch die Franzosen 1806 und 1807. Hierher hatte sich der schwer verwundete Freiheitskämpfer Ferdinand von Schill gerettet. Er und der Kolberger Bürger Joachim Nettelbeck erhielten den Mut der Besatzung und der Bürger wach, bis diese durch das Eintreffen Gneisenaus mit neuem Eifer beseelt wurden (das oben erwähnte Nettelbeck-Gneisenau-Denkmal von Georg Meyer wurde 2. Juli 1903 errichtet). Am 10. Juni 1807 waren die Laufgräben so nahe gerückt, dass Breschbatterien angelegt werden konnten und am 1. Juli begann der Feind ein heftiges Bombardement, bei dem ein Teil der Stadt niederbrannte. Die Botschaft des Friedens von Tilsit (9. Juli 1807) hob endlich die Belagerung auf und erhielt die wichtige Festung dem König, welcher der Stadt ihren Beitrag zur Kriegskontribution erließ.

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