Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser

Kyffhäuserdenkmal

Das Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser bei Bad Frankenhausen im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (Thüringen). Entstehung und Geschichte in zeitgenössischen Ansichtskarten.

Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser

Kyffhäuser-Gebirge

Der Kyffhäuser ist ein ziemlich isolierter, mit schönem Laubwald bestandener Bergrücken in Thüringen, er zieht sich längs der Grenze des preußischen Kreises Sangerhausen und der Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt hin, nach Norden steil zur Goldenen Aue abfallend, nach Süden in das nordthüringische Bergland übergehend und durch ein tiefes Tal, das ihn der Länge nach durchzieht, im Osten in zwei Teile geschieden. Der nördliche Hauptkamm trägt zwei Ruinen: am westlichen Ende über Kelbra die Rothenburg (386 m), auf dem östlichen Eckpfeiler, über Tilleda, die sagenreiche Burg Kyffhausen (457 m). 

Gruss vom Kyffhäuser. Gesamt-Ansicht vom Kyffhäuser-Gebirge.
Gruss vom Kyffhäuser. Gesamt-Ansicht vom Kyffhäuser-Gebirge.

Diese  wurde wahrscheinlich im 10. Jahrhundert zum Schutz der kaiserlichen Pfalz in Tilleda erbaut, wird zuerst 1115 erwähnt, war öfters Sitz der Hohenstaufen, wurde aber 1178 von den Thüringern und im 16. Jahrhundert aufs neue zerstört. Die Ruinen dehnen sich weithin aus. Am bemerkenswertesten ist der viereckige Bergfried (22 m hoch) der Oberburg (vom Volk „Kaiser Friedrich“ genannt), der den ganzen Gebirgszug beherrscht. Auch von der Kapelle der östlich gelegenen Unterburg sind noch Trümmer vorhanden.

Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser

Daten des Kaiser Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser:

  • Einweihung 18.6.1896
  • Schöpfer: Bruno Schmitz
  • Gesamthöhe des Denkmals 81 m
  • Turmhöhe 57 m
  • Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. 10 m
  • Sandsteinfigur Kaiser Barbarossas 6,50 m 
  • Bauzeit 1890-96
Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Kyffhäuser-Denkmal, Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I.
Kyffhäuser-Denkmal, Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I.

Geschichte des Kaiser Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser (Kyffhäuserdenkmal):

Im Norden von Thüringen, auf dem Kyffhäuser bei Frankenhausen, ist von den deutschen Kriegervereinen Kaiser Wilhelm I., dem Wiederbringer der von Barbarossa hinab genommenen Reichsherrlichkeit, ein großartiges Denkmal errichtet worden. Am 15. Juni 1896 wurde es von Kaiser Wilhelm II. unter großer Teilnahme der Fürsten und Kriegsveteranen, insgesamt sollen über 30.000 Besucher anwesend gewesen sein, eingeweiht.

Der Kyffhäuser. Denkmal mit Sommer- und Winterwirtschaft
Der Kyffhäuser. Denkmal mit Sommer- und Winterwirtschaft

Vorgeschoben an den steilen, etwa 300 Meter tief abfallenden Rand jenes riffartigen Vorsprunges, macht es bei einer Höhe von 81 Meter (Turmhöhe 57 Meter) vom Tal aus gesehen einen stattlichen Eindruck, in dieser Beziehung das Niederwalddenkmal übertreffend. Die mächtige Plattform, auf der es sich stufenweise erhebt ist 130 Meter lang und 96 Meter breit.

Kyffhäuser-Wirtschaft
Kyffhäuser-Wirtschaft

Einst schmückte den Berg eine mächtige Reichsfestung, ein starker Schutz in unsicherer Zeit. Den von der Leipziger Messe heimkehrenden Kaufleuten war deshalb der Kyffhäuser ein freudig begrüßtes „Vorgebirge der guten Hoffnung“. Die Burg ist längst bis auf wenige Mauerreste verschwunden, aber an die geschichtliche Würde des Berges, auf dem mancher deutsche Kaiser zeitweilig residierte erinnert noch die allbekannte ehrwürdige Sage von Kaiser Rotbart – Barbarossa.

Bismarcksäule auf der Rothenburg beim Kyffhäuser
Bismarcksäule auf der Rothenburg beim Kyffhäuser

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts symbolisierte der Kyffhäuser das erwachende Nationalbewusstsein der Deutschen; hier trafen sich die Studentenverbände, die die nationalstaatliche Einigung erstrebten. Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. schlug der Deutsche Kriegerbund vor ihm ein Denkmal zu errichten. Als Standort wurde durch die Kriegerbundzeitung „Parole“ am 22. März 1888 der Kyffhäuser genannt. Der am 7. Oktober 1888 gebildete geschäftsführende Denkmalausschuss entschied sich dann noch im Dezember 1888 für diesen Standort (Burgberg).

Barbarossahöhle am Kyffhäuser, Barbarossa Stuhl und Tisch
Barbarossahöhle am Kyffhäuser, Barbarossa Stuhl und Tisch

Am 12. Januar 1889 wurde die kaiserliche Genehmigung erteilt. Ebenfalls im Januar 1889 übernahm Georg Fürst zu Schwarzburg-Rudelstadt, zu dessen Territorium der Kyffhäuser gehörte, das Protektorat über den Bau, nach seinem Tod 1890 folgte ihm Fürst Günther in diesem Ehrenamt. Wahrscheinlich beeinflusste nicht nur der historisch-poetische Charakter der Ortes (Barbarossa-Sage) die Standortwahl, sondern auch die interessante Landschaft. Man suchte einen Platz, der von der natürlichen Gegebenheit her die Erwartungen „weihevoller Abgeschiedenheit“ erfüllte, und der Kyffhäuser entsprach ideal einer Kombination von Landschaft, Geschichte und Poesie.

Bruno Schmitz

* 21.11.1858 in Düsseldorf, † 27.04.1916 in Berlin; Architekt großer Denkmalsanlagen: Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser, an der Porta Westphalica, am deutschen Eck bei Koblenz, Entwurf zum Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig.

Die Idee des von Bruno Schmitz geschaffenen Denkmals ist diese: Aus einem mächtigen, von einer Krone gezierten Wartturm reitet der Kaiser des neuen Reiches hervor, frohgemut über die herrlichen Lande erblickend. Gleichzeitig erwacht unten in dem vorgelagerten Hofraum der alte Barbarossa, der in rohen Umrissen (von N. Geiger) in das hier unberührt gebliebene Gebirge eingemauert worden ist, umgeben von Zwergen und sinnbildlichen Gestalten. Das mächtige Reiterstandbild von Prof. Hundrieser ist fast 10 Meter hoch. 

Der Entwurf zum Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser von Prof. Bruno Schmitz
Der Entwurf zum Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser von Prof. Bruno Schmitz

Das 8,5 Meter lange Pferd ist nur zu 2/3 aus dem Turm vorgeschoben, was allerdings die Wirkung erheblich beeinträchtigt, aber man sagt, das gewaltige Bildwerk habe den Stürmen da oben nicht ganz frei und ungeschützt preisgegeben werden dürfen. Wendeltreppen führen im Turm hinauf bis in die Krone, von der sich ein herrlicher Rundblick bietet. Schmitz schuf auch das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Westfälischen Pforte und das Denkmal am Deutschen Eck bei Koblenz.

Thüringen, Das Kyffhäuser-Denkmal
Thüringen, Das Kyffhäuser-Denkmal mit geplanten Monumentalköpfen

1927 begann man in den USA mit dem Bau des Mount-Rushmore-Nationaldenkmals. Die vier 18 Meter großen Präsidentenköpfe wurden bis zum Jahr 1941 weitgehend fertiggestellt. Bereits drei Jahrzehnte zuvor gab es in Deutschland Überlegungen und Pläne drei monumentale Porträtköpfe (Bismarck, Kaiser Wilhelm I. und Moltke) in den Felsen unterhalb des Denkmals zu meißeln. 

Kyffhäuser - Plan der Feststätte der deutschen Nationalfeste nach Prof. Bruno Schmitz
Kyffhäuser - Plan der Feststätte der deutschen Nationalfeste nach Prof. Bruno Schmitz

Auch sollte der Denkmalkomplex um eine riesige stadionartige Feststätte für ca. 400.000 Besucher erweitert werden. Die Realisierung scheitere jedoch schon bald am Widerspruch des Landesfürsten Günther von Schwarzburg-Rudolstadt, der dies mit der Sorge um die Natur und seine Jagdgebiete begründete.

Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser, Zur Erinnerung an die Einweihung 18. Juni 1896
Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser, Zur Erinnerung an die Einweihung 18. Juni 1896

Die Kyffhäuser-Legenden bilden nur einen kleinen Bruchteil des Thüringer Sagenschatzes. In keinem anderen deutschen Volksstamm leben so zahlreiche Sagen wie dem der Thüringer. Kein Berg und kein Tal, kein Bach und keine Heide, kein Fels und keine Schlucht sind zu finden, die nicht von dem Zauberschleier der Sage umwogen wären. Dieser Umstand verrät uns einen poetischen , heitern Sinn der Bewohner. („Harms Vaterländische Erdkunde“ 1906)

Ruine Rothenburg am Kyffhäuser
Ruine Rothenburg am Kyffhäuser

Die Asche von Prof. Bruno Schmitz fand 1916 und die von Prof. Alfred Westphal, der Architekt, Bauleiter und Protagonist des Kyffhäuserdenkmals, 1924 ihre letzte Ruhestätte in der Kuppelhalle des Turms. Teile der Innenräume wurden umgestaltet, Reste der alten Burganlage ausgegraben und ein kleines Burgmuseum erbaut. 

Kyffhäuser-Denkmal, Ehrenhalle mit Urnen
Kyffhäuser-Denkmal, Ehrenhalle mit Urnen

Das Kyffhäuserdenkmal ist das einzige Kaiser Wilhelm-Denkmal von Bedeutung, welches auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (1949 – 1990) die Zeiten des Sozialismus unbeschadet überstanden hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) waren es sowjetische Offiziere die das Denkmal vor übereifrigen deutschen Bilderstürmern bewahrten. Diese wollten ein gigantisches Denkmal zu Ehren des Kommunismus an gleicher Stelle errichten, oder wenigstens die Kaiserkrone vom Denkmalsturm stoßen. Auch zu Zeiten der DDR erfreute sich das Denkmal großer Beliebtheit und lockte zum Ärger der DDR-Oberen Heerscharen von Besuchern an. Heute wird das „Kyffhäuserdenkmal“ besonders gerne von Motorradfahrern besucht, ist nach wie vor ein ausgesprochener Touristenmagnet und liegt nahe am geographischen Mittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland.

Begehbare 6,60 m hohe deutsche Kaiserkrone
Begehbare 6,60 m hohe deutsche Kaiserkrone
Kaiser Wilhelm I., Höhe des Reiterstandbildes 9,70 m
Kaiser Wilhelm I., Höhe des Reiterstandbildes 9,70 m
Kaiser Barbarossa, Sandsteinfigur Höhe 6,50 Meter
Kaiser Barbarossa, Sandsteinfigur Höhe 6,50 Meter

1990 brachte es das Kyffhäuserdenkmal sogar auf die letzte DDR-Dauermarkenserie (Deutsche Post, 60 Pfennig-Wert der D-Mark Ausgabe).

Kyffhäuserdenkmal, 60 Pfennig, Deutsche Post 1990
Kyffhäuserdenkmal, 60 Pfennig, Deutsche Post 1990

Das Kaiser Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser ist mit seinen 81 Meter Gesamthöhe nach dem Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig das zweitgrößte Nationaldenkmal Deutschlands und das größte Kaiser Wilhelm-Denkmal.

Der Kyffhäuser im Jahre 2000

Barbarossalied

Unter den vielen Kyffhäusersagen ist die vom Kaiser Friedrich Barbarossa, der im Innern des Berges schlafend, der Wiederherstellung der Einheit und Macht Deutschlands ausharrt, die bekannteste; nach den neuesten Forschungen hat sich aber diese Sage, die schriftlich zuerst (1696) in einem Programm des Frankenhäuser Rektors J. Hoffmann vorkommt, ursprünglich auf Friedrich II. bezogen.

Barbarossa, Denkmal auf dem Kyffhäuser
Barbarossa, Denkmal auf dem Kyffhäuser

Barbarossalied

Text: Friedrich Rückert
Melodie: J. Gersbach, 1824

1. Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

2. Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat, im Schloß verborgen,
Zum Schlaf sich hingesetzt.

3. Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit
Und wird einst wiederkommen
Mit ihr zu seiner Zeit.

4. Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

5. Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

6. Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug‘ halb offen zwinkt,
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

7. Er spricht im Schlaf zum Knaben:
„Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg!

8. Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr“

Das Hindenburgdenkmal am Kyffhäuser

Am 6. Mai 1939 wurde unterhalb des Kyffhäuserdenkmals das Hindenburgdenkmal von Hermann Hosaeus eingeweiht. Die zehn Tonnen schwere und fünf Meter große Figur ist aus bayrischem Porphyr gearbeitet. Paul von Hindenburg hatte zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) der in Ostpreußen eingefallen russischen Armee in der Schlacht bei Tannenberg (26. – 30. August 1914) eine empfindliche Niederlage beigebracht und galt fortan als „der Befreier des Ostens“.

Hindenburg-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Hindenburg-Denkmal auf dem Kyffhäuser
Hindenburg-Denkmal auf dem Kyffhäuser

Die Russen verziehen ihm das offensichtlich nicht und so wurde nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) seine Statue von sowjetischen Soldaten umgestürzt und da zu schwer, an Ort und Stelle einfach eingebuddelt. Am 7. Juni 2004 fand der neue Hotelpächter Paul Breul das eingegrabene Hindenburgdenkmal auf seinem Gelände.

Hindenburgdenkmal am Kyffhäuser 2011
Hindenburgdenkmal am Kyffhäuser 2011

Da bei den Behörden Unklarheit über den Umgang mit dem Denkmal herrscht, liegt es bis heute, teils unter einem Hausfundament, ausgegraben und umzäunt in einer Grube.

Hindenburgdenkmal am Kyffhäuser 2011
Hindenburgdenkmal am Kyffhäuser 2011

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“, in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1906
  • „Meyers kleines Konversations-Lexikon“ in 6 Bänden 1908
  • „Meyers Lexikon“, in 12 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig 1924

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