Niederwalddenkmal

National-Denkmal auf dem Niederwald
National-Denkmal auf dem Niederwald

Das Niederwalddenkmal, das Nationaldenkmal auf dem Niederwald bei Rüdesheim am Rhein (Hessen). Entstehung und Geschichte in zeitgenössischen Ansichtskarten.

Rüdesheim mit Niederwald-Denkmal
Rüdesheim mit Niederwald-Denkmal

Der Niederwald ist das südwestliche Ende des Taunus, ein mit Buchen und Eichen gekrönter Bergrücken im damals preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden, zwischen Wisper und Rhein, Bingen gegenüber, in der Rossel 343 m hoch, mit schöner Aussicht über den Rheingau.

Landkarte Westfalen, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen, Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck
Landkarte Westfalen, Hessen-Nassau, Großherzogtum Hessen, Schaumburg-Lippe, Lippe, Waldeck

An seinem Abhang liegen längs des Rheins die Weinberge von Rüdesheim und Aßmannshausen.

Germania für das National-Denkmal auf dem Niederwald
Germania für das National-Denkmal auf dem Niederwald
Das Nationaldenkmal auf dem Niederwald
Das Nationaldenkmal auf dem Niederwald

Daten des Niederwalddenkmals:

  • Gesamthöhe 37,6 m
  • Grundsteinlegung September 1877
  • Einweihung September 1883
  • Entwurf Johannes Schilling
  • Baukosten 1.190.812 Mark
  • Höhe der Germania 10,55
  • Höhe der Krone 1 m
  • Durchmesser der Krone 0,90 m
  • Höhe des Unterbaues 25,80 m
  • Gesicht der Germania 1 m
Nationaldenkmal auf dem Niederwald
Nationaldenkmal auf dem Niederwald

Die Geschichte des Niederwalddenkmals

Bereits kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurden erste Stimmen laut, ein monumentales Denkmal zur Erinnerung an die deutsche Reichseinigung zu errichten. „Harms Vaterländische Erdkunde von 1906“ schildert uns die Vorbereitung zum Bau des Niederwalddenkmals wie folgt: Lange war man über den Platz des Denkmals uneinig. Da veröffentlichte der Kurdirektor Ferdinand Hayl in Wiesbaden eine längere, gründliche Arbeit, in der er nachwies, dass kein Platz in ganz Deutschland für das Denkmal so geeignet sei wie der Vorsprung des Niederwaldes bei Bingen. Und mit dieser Ansicht drang er durch. Nun entfaltete sich in allen deutschen Gauen ein reger Eifer.

Die Wacht am Rhein. Entwurf eines Nationaldenkmals von W. Hornberger
Die Wacht am Rhein. Entwurf eines Nationaldenkmals von W. Hornberger

700.000 Mark wurden in kurzer Zeit durch freiwillige Beiträge zusammengebracht, den Rest 500.000 Mark bewilligte der Reichstag. Die deutschen Künstler wurden aufgefordert, Zeichnungen und Modelle zu liefern. Die Siegespalme errang der Bildhauer Johannes Schilling aus Dresden, allerdings erst mit seinem dritten Entwurf. Am 16. September 1871 legte Kaiser Wilhelm I. den Grundstein, am 28. September 1883, dem Jahrestage der Eroberung Straßburgs, konnte er das fertige Denkmal im Beisein der deutschen Fürsten und unter dem Jubel unzähliger Scharen einweihen. „Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Legenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung! Das walte Gott!“ so lauteten die herrlichen Schlussworte seiner Weiherede.

Die Grundsteinlegung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald.
Die Grundsteinlegung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald.

Nach Rüdesheim zu ist dem Denkmal eine Gruppe von breiten Treppen und Plattformen vorgelagert, die diesem einen mächtigen Unterbau geben und den Anblick des Ganzen außerordentlich heben. Sowohl von Rüdesheim als auch von Aßmannshausen aus führt eine Zahnradbahn hinauf. 

Illustrierte Zeitung 11. August 1883: Die Aufstellung der Germania-Statue auf dem Niederwald: Der Kopf der Germania.
Illustrierte Zeitung 11. August 1883: Die Aufstellung der Germania-Statue auf dem Niederwald: Der Kopf der Germania.

Der Ausblick vom Denkmal herab über den lachenden Rheingau, auf den spiegelnden Strom, auf Bingen und das enge Nahetal und weiterhin auf bläulich verschwindende Berge und Städte ist unbeschreiblich schön.

Illustrierte Zeitung 11. August 1883: Die Aufstellung der Germania-Statue auf dem Niederwald: Der Aufzug des untersten Gußstücks der Germania auf das Postament.
Illustrierte Zeitung 11. August 1883: Die Aufstellung der Germania-Statue auf dem Niederwald: Der Aufzug des untersten Gußstücks der Germania auf das Postament.

Am 28. September 1883 wurde das Niederwalddenkmal nach sechsjähriger Bauzeit in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. eingeweiht. Das Denkmal wurde nach Entwürfen des Bildhauers Johannes Schilling und des Architekten Karl Weißbach errichtet. Die für den Tag der Enthüllung von den Anarchisten geplante Dynamitexplosion misslang wegen des feuchten Wetters; die beiden Hauptschuldigen, August Reinsdorf und Emil Küchler, wurden im Februar 1885 in Halle hingerichtet.

Die Feier der Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald.
Die Feier der Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwald.
Johannes Schilling

Johannes Schilling
* 23.06.1828 in Mittweida,
† 21.03.1910 in Klotzsche bei Dresden;
deutscher Bildhauer.

Johannes Schilling, Bildhauer, wurde am 23. Juni 1828 in Mittweida geboren. Er war Schüler Rietschels und Hähnels, wurde Professor an der Akademie zu Dresden. Seine Hauptschöpfungen sind: die 4 Tageszeiten auf der Brühlschen Terrasse in Dresden (1872), das Bronzestandbild Schillers in Wien (1876), ein Kriegerdenkmal in Hamburg (1877), das Nationaldenkmal auf dem Niederwald (1883), das Reformationsdenkmal in Leipzig (1883), das Reiterstandbild König Johanns in Dresden (1889), sowie das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Dortmund (1894) und Hamburg (1903).

Kopf der Germania
Kopf der Germania

Das Antlitz der Germania bildete Johannes Schilling seiner Tochter Clara nach, die auch bei der Einweihungsfeier anwesend war.

Karl Weißbach

Karl Weißbach
* 08.04.1841 in Dresden,
† 08.07.1905 in Dresden;
deutscher Architekt

Professor Karl Weißbach vom Königlichen Polytechnikum in Dresden übernahm die Leitung über die architektonischen Bauaufgaben am Nationaldenkmal im Niederwald.

Begrüßung des Kaisers durch Johannes Schilling am Fuße des Niederwalddenkmals.
Begrüßung des Kaisers durch Johannes Schilling am Fuße des Niederwalddenkmals.

Die Germania stellt die Personifizierung Deutschlands dar. Die erste populäre Gestalt einer Germania hat der Düsseldorfer Maler Lorenz Clasen in seiner „Wacht am Rhein“ geschaffen. Die Gesamthöhe des Denkmals beträgt 37,6 m, die der Germania-Figur 10,55 m, bis zur Spitze der Krone sind es 12,38 m. Die Krone selber ist einen Meter hoch, das Schwert misst etwas über 7 Meter. Die imposanten Reichsadler hat eine Höhe von 2,30 m. Die allegorische Figuren des Krieges und des Friedens kommen auf 6,80 m.

Niederwalddenkmal, Krieg und Frieden
Niederwalddenkmal, Krieg und Frieden

Die rechte Hand der Germania hält die Kaiserkrone in die Höhe, die linke Hand umfasst das gesenkte Reichsschwert; nach dem siegreichen Deutsch-Frankzösischen Krieg von 1870/71 konnte das Kaisereich wiedererrichtet werden. Das Sockelmassiv ist umkleidet von einem Bronzerelief, das Hauptrelief ist 10,78 m lang und 2,62 m hoch und zeigt 133 lebensgroße Personen. Den Mittelpunkt bildet Kaiser Wilhelm I. hoch zu Roß, umgeben von den deutschen Bundesfürsten jener Zeit, Reichskanzler Otto von Bismarck und ranghohen Militärs. Unterhalb des Reliefs sind die fünf Strophen des Liedes „Die Wacht am Rhein“ eingemeißelt

Nationaldenkmal auf dem Niederwald mit Feldherrenrelief, Abschied, Wiedersehen und Rhein und Mosel

Auf einem vortretenden Sockel sind die allegorischen Figuren des Vaters Rhein mit seiner Tochter Mosel dargestellt. Die beiden Seitenreliefs zeigen die Szenen Abschied und Wiedersehen der einfachen Soldaten mit ihren Familien. Auf dem Unterbau des Denkmalssockel sind die ein Meter großen Wappen der 25 Bundesstaaten zu sehen. In der oberen Hälfte des Denkmalssockels ist die Inschrift eingemeißelt: „Zum Andenken an die einmütige siegreiche Erhebung des Deutschen Volkes und an die Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches 1870 – 1981.“

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908
  • „Harms Vaterländische Erdkunde“ 1906
  • „Das Deutsche Reich – Vaterlandskunde“, Prof. Dr. J.W. Otto Richter, Verlag Otto Spamer

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen