Napoleon I. hält auf seinen Knien Napoleon III.

Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges

Die Vorgeschichte des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71

Napoleon I. hält auf seinen Knien Napoleon III.
Napoleon I. hält auf seinen Knien Napoleon III.

1814 war Napoleon I. geschlagen und die Sieger verhandelten in Paris. Umsonst forderte der preußische General Blücher außer den gestohlenen Kunstwerken auch die Herausgabe des Elsaß. Durch die milden Bedingungen im Frieden von Paris (1814) behielt Frankreich die eroberten ehemals deutschen Gebiete im Elsaß (Artikel 33). Die Sieger verzichteten, des Friedens Willen, auf jegliche Gebietsabtretung und gestanden Frankreich sogar die Grenzen von 1792 zu. Die Besiegten mussten 700 Millionen Franken Kriegsentschädigung zahlen. Bis zur Abtragung der Schuld wurde Wellington mit einer Besatzungsarmee in Nordfrankreich belassen.

Deutschland 1786
Deutschland 1786

1840 erlitt Frankreich im Orient eine schwere diplomatische Niederlage und versuchte durch eine außenpolitische Offensive diese wieder wettzumachen. Frankreich rüstete auf, kündigte die Verträge von 1815 und der damalige französische Regierungschef Thiers ließ Napoleons Asche von St. Helena nach Paris bringen und dort pompös im Pantheon beisetzen. In verschiedenen Reden beanspruchte er den Rhein als französische Ostgrenze. Damit verursachte damit einen Sturm der Entrüstung in allen deutschen Ländern. In zahlreichen Liedern wurde der „freie deutsche Rhein“ als Sinnbild des deutschen Nationalgefühls leidenschaftlich besungen. Es war die Zeit als unter anderem die patriotischen Lieder „Die Wacht am Rhein“ und Nikolaus Beckers „Rheinlied“ (Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein) entstanden. Louis Napoleon, ein Neffe Napoleon I., benutzte die Napoleonbegeisterung in Frankreich, historisch kostümiert und sogar mit einem über ihm schwebenden dressierten Adler von Großbritannien aus in Boulogne zu erscheinen. Aber die Nationalgarde vertrieb ihn und als er beim Übersetzen nach dem rettenden englischen Schiff ins Wasser fiel, zog man ihn heraus und steckte ihn zu „lebenslanger“ Haft ins Schloss Ham. 1846 floh Louis Napoleon als Maurer verkleidet aus Ham nach Großbritannien.

Barrikaden in Berlin 1848
Barrikaden in Berlin 1848

1848 brodelte es in Europa. In Berlin wurden Barrikaden gebaut, 230 Zivilisten und 20 Soldaten starben. Am 18. Mai fand die feierliche Eröffnung der Frankfurter Nationalversammlung statt. Es war mehr eine Gelehrtenrepublik als ein Parlament. Man pries in viel schönen Reden, viel zu schönen Reden, hinter denen keine Realität stand, die deutsche Einheit. Die Folge war ein entschiedener Sieg der Reaktion.

Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)
Deutscher Bund (Deutschland 1815-1866)

Auch Frankreich wollte sich eine neue Verfassung geben, nur welche? Zunächst sollte ein Präsident an der Spitze stehen, durch Plebiszit wählbar. Neben ihm sollte eine Kammer von 750 Abgeordneten amtieren. An Kandidaten fehlte es nicht von den Legitimisten bis zur Bürgerpartei. Ihr Mann war Louis Napoleon. „Napoleon ist unbekannt … wählen wir das Unbekannte“ schrieb Emile de Girardin. Er erhielt 5,5 Millionen Stimmen. Louis Napoleon versprach am 10. Dezember 1848 „Ordnung im Inneren, Friede nach außen„. Nach drei Jahren glaubte er fest im Sattel zu sitzen. Er hatte durch Vergabe von Staatsämtern an seine Getreuen und eine gewisse Fürsorge gegenüber Bürger und Soldaten für seine Beliebtheit gesorgt. Trotzdem lehnte man die Wiederwahl Louis Napoleon als Präsident ab. Er verlangte eine Wiederzulassung des Plebiszits für die Präsidentenwahl, es wurde abgelehnt. Da gab er am 1. Dezember 1851 ein Ballfest, nach dem Fest ließ er 60 seiner Gegner, darunter Cavaignac, Dubinot, Thiers und Viktor Hugo, festnehmen, das Palais Bourbon, wo die Kammer tagte, militärisch besetzen, die Versammlung auflösen und nun doch das Plebiszit ausschreiben. Eine Unmenge Gegner (ca. 26.600) wurden vorher in „Schutzhaft“ genommen. Ein Straßenkampf brach aus, weil 200 Mitglieder der Legislative den Staatsstreich verurteilten und gefangen genommen waren, und forderte eine Menge Opfer. Louis Napoleon ließ sich am 20./21. Dezember 1851 von 7,5 Millionen Stimmen zum Konsul auf 20 Jahre wählen. Doch schon am 7. November 1852 beschloss der Senat Louis Napoleon Ernennung zum erblichen Kaiser der Franzosen.

Französisches Kaiserreich unter Napoleon III.
Französisches Kaiserreich unter Napoleon III.

Das Plebiszit ergab nun ein Verhältnis von 7,75 Millionen Stimmen für und 250.000 Stimmen gegen die Wahl. Mit den Worten „I’Empire c’est la paix“ trat Napoleon III. vor die Fürsten Europas. Die Fürsten erkannten ihn ausnahmslos an, nur Zar Nikolaus antwortete ihm mit „Sire“. Napoleon III. vergaß es ihm nicht. 1854 erklärten die Westmächte Großbritannien und Frankreich an Russland den Krieg, da dieses ihren Aufforderungen zur Räumung der Donaufürstentümer nicht nachgekommen war. Die Russen wurden in der blutigen Schlacht an der Alma besiegt, ebenso bei Balaklawa und Inkerman. Darauf begann die Belagerung Sebastopols, die den ganzen Krimkrieg bildete. Napoleon III. war der Triumphator des Krimkrieges. Seine Generäle Niel und Mac Mahon schlugen 1855 die Russen endgültig.

Napoleon III., Queen Victoria, Eugenie, Prince Consort zu Besuch in Paris im April 1855
Napoleon III., Queen Victoria, Eugenie, Prince Consort zu Besuch in Paris im April 1855

Nun nahm Napoleon III. die Kolonialpolitik energisch auf und geriet dabei in Konflikte mit Großbritannien. Trotz Großbritanniens Ärger okkupierte er 1853 Neukaledonien als Verbrecherkolonie. In Nordafrika wurde die Besitzung in Algier (Algerien) bis zur Sahara ausgedehnt. Senegambien (Senegal und Gambia) wurde erweitert. 1858 gelang es ihm, für die Christenverfolgung das Königreich Annam (Vietnam) in Südostasien zu bestrafen und sich Cochinchina (südlicher Teil von Südvietnam) abtreten zu lassen. 1860 eroberten seine Truppen im Chinakrieg mit den Ausländern Peking und sein General erhielt den Titel Graf Palicao und 1864 gliederte er Cochinchina das Königreich Kambodscha an und erwies sich so als ein ernst zu nehmender Konkurrent Großbritannien. Deren Argwohn verstärkte sich beträchtlich, als mit französisch-ägyptischem Kapital der 1869 vollendete Suezkanal gebaut wurde.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Aber langsam begann der Stern Napoleons III. zu sinken. Er strebte fieberhaft danach, außenpolitische Erfolge zu erringen, um sein angeschlagenes Regime wieder stabilisieren zu können. So stachelte er sowohl Preußen als Österreich zum Krieg an. Ein Krieg zwischen Preußen und Österreich, so rechnete er, werde ihm, eine günstige Gelegenheit verschaffen, auf dem linken Ufer des Rheins große deutsche Gebiete an sich zu reißen.

Kaiserin Eugenie
Kaiserin Eugenie

Der französische Kaiser ließ geheime Verhandlungen mit den Regierungen der beiden deutschen Großmächte führen und beide traten dabei die nationalen Interessen des deutschen Volkes mit Füßen. Bismarck deutete mehrfach an, dass er unter bestimmten Umständen französische Annexionen billigen werde. Wohlgesonnene Zeitgenossen sahen darin einen diplomatischen Schachzug Bismarcks, der so Frankreichs stillhalten erkaufte. So sagte er am 2. Juni zu dem italienischen General Govone: „Ich bin für meine Person viel weniger Deutscher als Preuße und würde ohne Schwierigkeit der Abtretung des ganzen Gebietes zwischen Rhein und Mosel an Frankreich zustimmen. Pfalz, Oldenburg, ein Teil der preußischen Rheinprovinz.“ Bismarck hütete sich jedoch wohlweislich, sich offiziell festzulegen. Die österreichische Regierung hingegen ging einen Schritt weiter und schloss am 12. Juni ein geheimes Abkommen mit Frankreich ab. Schwerwiegender als der Vertragstext selbst war eine mündliche Erklärung, die während der Verhandlungen von der österreichischen Seite abgegeben wurde. Nach dieser sollte nach einem Sieg der Österreicher über Preußen aus den beiden preußischen Westprovinzen (Rheinprovinz und Westfalen) ein formell unabhängiger Staat gebildet werden; eine diplomatische Umschreibung dafür, dass Wien für die Bildung eines Separatistenstaates von Gnaden des französischen Kaisers grünes Licht gab.

Norddeutscher Bund 1866-1871
Norddeutscher Bund 1866-1871

Aber die Donaumonarchie und mit ihr das Königreich Sachsen, das Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, das Königreich Hannover, das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, das Großherzogtum Baden, das Herzogtum Sachsen-Meiningen, das Herzogtum Nassau, das Kurfürstentum Hessen-Kassel, das Fürstentum Reuß ältere Linie und die Freie und Reichsstadt Frankfurt verloren den Deutschen Krieg und überließen damit die Vorherrschaft in Deutschland Preußen. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst, und das Habsburgerreich schied damit völlig aus dem deutschen Staatsverband aus. Die drei Herrscher, der König von Hannover, der Kurfürsten von Hessen-Kassel und der Herzog von Nassau wurden von ihren Thronen verjagt und ihre Länder dem preußischen Staat einverleibt. Wenn Bismarck gegenüber Österreich und auch gegenüber den süddeutschen Staaten Milde walten ließ, dann war das nicht zuletzt aus seiner Besorgnis vor einem Eingreifen des bonapartistischen Frankreich zu erklären, das er um die versprochenen linksrheinischen Gebiete „geprellt“ hatte. Frankreich war vor dem Krieg allgemein als die politisch und militärisch führende Macht Europas angesehen worden und sah sich nun infolge der preußischen Siege auf den zweiten Platz verwiesen. Seine herrschenden Kreise waren aber nicht gewillt, das hinzunehmen. Ihre Parole lautete: „Rache für Sadowa!“ (die Franzosen, für die das Wort „Königgrätz“ ein Zungenbrecher ist, benannten die Entscheidungsschlacht im Deutschen Krieg vom 3. Juli 1866 nach dem Dorf Sadowa). Zunächst versuchte Louis Napoleon, das Großherzogtum Luxemburg zu kaufen. Das gelang ihm nicht, da Bismarck es verhinderte. Ebenso wenig glückte ihm sein Abenteuer in Mexiko. Mit dem bewussten Zweck, den französischen Einfluss in Amerika zu stärken, hatte Louis Napoleon eine Eroberung Mexikos begonnen. Seinen französischen Truppen hatte er, Ironie des Schicksals, einen deutschen Fürsten, den Habsburger Maximilian, als Monarch mitgegeben. Maximilian hatte zuerst Erfolg und wurde zum Kaiser von Mexiko ausgerufen. Da sich aber die Vereinigten Staaten einmischten, die nach Beendigung des langwierigen Bürgerkrieges die Hände frei hatten, und da, von Washington aus ermutigt, General Juarez mit einheimischen Streitkräften die Lage beherrschte, sah sich Maximilian sehr bald auf die Stadt Mexiko und Umgebung beschränkt. Im Jahre 1868 nahte die Katastrophe. Der Kaiser von Napoleons Gnaden wurde gefangen genommen und erschossen.

Bismarck und Napoleon III. 1866
Bismarck und Napoleon III. 1866

Napoleon III.: „Ich wollte Ihnen zu der schönen Erbschaft gratulieren und sehen, ob nicht eine Kleinigkeit für mich…

Bismarck (der sich grade Hannover, Hessen und Frankfurt/M einpackt) : „Ach was! Hier wird nichts abgegeben!

In Frankreich empfand man die Entscheidung des Deutschen Kriegs von 1866 zugunsten Preußens als eine Niederlage, weite Kreise in der französischen Gesellschaft verlangten eine „Revanche für Sadowa“ (franz. Bezeichnung für die Schlacht bei Königgrätz) und beschuldigten Kaiser Napoleon III., der nicht einmal Luxemburg als Kompensation zu gewinnen wusste, des Verrates an Frankreichs Macht und Ehre.

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1905-1911
  • „Oberstufen-Altas für höhere Lehranstalten“ Gotha Justus Perthes 1914

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EinleitungDer Krieg bis Sedan

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