Napoleon III.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Louis Napoleon, Napoleon III., Kaiser der Franzosen

Napoleon III.

Kaiser Napoleon III.
* 20.04.1808 in Paris,
† 09.01.1873 in Chislehurst bei London,
nannte sich bis 1852 Louis Napoleon, 1852 – 1870 Kaiser der Franzosen

Vater:

Ludwig Bonaparte (1778 – 1846), König von Holland, ein Bruder Napoleons I.

Mutter:

Hortense Beauharnais (1783 – 1837), Stieftochter Napoleons I.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Ehefrau:

Eugenie Marie de Guzman, Gräfin von Teba (Spanien), Hochzeit am 29.01.1853

Kaiserin Eugenie
Kaiserin Eugenie

Kind:

Prinz Louis Napoleon * 16. März 1856 in Paris, † 1. Juni 1879 in Südafrika als Offizier der britischen Armee im Zulukrieg gefallen.

Prinz Louis Napoleon
Prinz Louis Napoleon

Lebenslauf:

Louis Napoleon wurde am 20. April 1808 im Palais Royal in Paris geboren. Er ist der dritte Sohn Ludwig Bonapartes, König von Holland, und der Hortense Beauharnais, einer Stieftochter Napoleons I.

Napoleon I. hält auf seinen Knien Napoleon III.
Napoleon I. hält auf seinen Knien Napoleon III.

Louis Napoleon begleitete nach dem zweiten Sturz Napoleons I. 1814 seine Mutter in die Verbannung nach Augsburg im Königreich Bayern, wo er das Gymnasium besuchte, dann nach Arenenberg im Thurgau. 1831 beteiligte er sich mit seinem älteren Bruder, Napoleon Louis, der am 17. März 1831 an den Masern starb, am misslungenen Aufstandsversuch Menottis in der Romagna. Danach lebte Louis Napoleon mehrere Jahre zurückgezogen auf Arenenberg und trat als Hauptmann der Artillerie in die Schweizer Miliz ein. Er veröffentlichte damals: „Considérations politiques et militaires sur la Suisse“ und „Manuel sur l’artillerie“. Durch den Tod des Herzogs von Reichstadt, dem einzigen legitimen Sohn Napoleons I. im Jahr 1832 wurde er das anerkannte Oberhaupt der Napoleonischen Dynastie und entwickelte das Ideal des kaiserlichen Regierungssystems in den „Rêveries politiques“.

Napoleon III. als Prinz auf Arenenberg
Napoleon III. als Prinz auf Arenenberg

Beim Versuch sich in Straßburg zum Staatsoberhaupt ausrufen zu lassen, wurde er in der Finkmattkaserne am 30. Oktober 1836 verhaftet und nach Amerika verbannt. Als seine Mutter erkrankte kehrte er 1837 nach Europa zurück und lebte auf Arenenberg, bis die französische Regierung von der Schweiz seine Ausweisung verlangte. Er kam ihr zuvor, indem er sich nach London begab, wo er in den „Idées Napoléoniennes“ (1839) nochmals sein politisches Glaubensbekenntnis entwickelte. Als Ludwig Philipp 1840 durch die Abholung der Leiche Napoleons I. nach Frankreich dem Napoleon-Kult selbst eine Huldigung darbrachte, glaubte Louis Napoleon einen günstigen Zeitpunkt für eine neue Erhebung für gekommen und landete, nachdem er eine Anzahl hochgestellter Generale gewonnen, an der französischen Küste bei Boulogne.

Flucht Napoleons III.
Flucht Napoleons III.

Dort versuchte er am 6. Oktober 1840 in diese Stadt einzudringen, wurde aber stattdessen auf der Flucht verhaftet. Die Pairskammer verurteilte ihn zu lebenslänglicher Haft in der Festung Ham; hier lebte er in Gesellschaft eines Mitschuldigen, Conneau, fünf Jahre in milder Haft. Als Maurer verkleidet (angeblich unter dem Namen Badinguet, der ihm als Spottname verblieb) entfloh er von Ham am 25. Mai 1846 nach England.

Napoleon III., 1848
Napoleon III., 1848

Nach der Februarrevolution 1848 wurde er mehrfach zum Deputierten gewählt und erschien im September 1848 in der Nationalversammlung. Er führte eine kluge Zurückhaltung, ließ aber gleichzeitig die Masse des Volkes, in dessen Augen sein Name ihm einen Nimbus gab, für sich arbeiten. So kam es, dass er bei der Präsidentenwahl am 10. Dezember 1848 gewählt wurde. Am 20. Dezember des Jahres leistete er den Eid auf die Verfassung der Republik. Während die Vertreter der Nation ihre Zeit in erbittertem Parteikampf vergeudeten, füllte Louis Napoleon Heer und Beamtenstand mit seinen Anhängern und gewann den Klerus durch die Unterstützung des Papstes gegen die römischen Republikaner (1849) sowie den Bürgerstand durch die Aussicht auf einen dauernden Frieden unter einer starken Regierung. Der Gesetzgebenden Versammlung gegenüber, mit der er bald in Konflikt geriet, trat er als der Erwählte der Nation auf und als sie sich weigerte seine Wiederwahl durch eine Revision der Verfassung zu ermöglichen (19. Juli 1851), weil er die Verfügung über die Truppen beanspruchte und eine dritte Gehaltserhöhung forderte, führte er in der Nacht vom 1. auf den 2. Dezember 1851 den seit langem im geheimen vorbereiteten Staatsstreich durch.

Napoleon III., 1870
Napoleon III., 1870

Die Führer des Parlaments wurden verhaftet und verbannt, ein republikanischer Aufstandsversuch in den Straßen von Paris durch schonungsloses Einschreiten der Truppen im Keim erstickt. Am 20. Dezember wurde Louis Napoleon durch Wahl zum Präsidenten auf zehn Jahre berufen und damit die Errichtung einer Militärdiktatur billigt. Die neue Verfassung vom 14. Januar 1852 gab dem Volk das Recht des Plebiszits in besonderen Fällen, der Volksvertretung (Senat und Gesetzgebendem Körper) nur das der Beratung, dem Staatsoberhaupt eine sonst unumschränkte Gewalt.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Am 7. November 1852 erklärte der Senat die Wiederherstellung des Kaiserreichs für den Willen der Nation, die das Senatskonsult am 22. November mit über 7.800.000 Stimmen bestätigte. Am 2. Dezember 1852 wurde Napoleon III. als Kaiser der Franzosen proklamiert. Von den europäischen Mächten wurde Napoleon bald anerkannt, eine Heirat mit einer Prinzessin aus fürstlichem Haus kam aber nicht zustande. Napoleon vermählte sich daher 29. Januar 1853 mit einer Spanierin, Eugenie, Gräfin von Teba, die ihm am 16. März 1856 einen Erben gebar.

Napoleon III. mit Frau und Sohn
Napoleon III. mit Frau und Sohn

Napoleon III. strebte vor allem danach, durch Kriegsruhm die französische Nation zu blenden und für sich das Verdienst zu erwerben für Frankreich eine Vormachtstellung in Europa wiederzuerringen. Hierzu diente ihm die Beteiligung am Krimkrieg; die Kämpfe vor Sewastopol befriedigten den Ehrgeiz der Armee, die Niederlage Russlands befreite das liberale Europa von dem Druck, den der despotische Zar Nikolaus ausgeübt hatte, England und Österreich waren Frankreichs Bundesgenossen, und auf dem Pariser Kongress 1856 waren die Gesandten sämtlicher Großmächte um den Kaiser versammelt, der durch Großmut auf Kosten seiner Verbündeten Russland für sich gewann.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Das Attentat des Italieners Orsini am 14. Januar 1858, das ebenso wie die vorhergegangenen der Italiener Pianori am 28. April 1855 und Bellamare am 8. September 1855 scheiterte, bezeichnete einen Wendepunkt in der kaiserlichen Politik. Seiner doktrinären Neigung folgend, erklärte Napoleon III. jetzt die Befreiung der unterdrückten Völker für das Ziel der französischen Politik. 

40 C Empire Franc, 1862
40 C Empire Franc, 1862

Nachdem er sich mit Cavour in Plombières verständigt und das Bündnis und eine Familienverbindung mit Sardinien geschlossen, zog er mit diesem 1859 gegen die österreichische Herrschaft in Italien zu Felde, siegte bei Magenta und Solferino, entzog sich weitern Verwickelungen durch den Frieden von Villafranca (11. Juli) und erwarb Savoyen und Nizza (1860) für Frankreich. Er schien jetzt auf der Höhe seiner Macht zu stehen; die mächtigsten Länder des Kontinents hatte er gedemütigt und alle Welt lauschte gespannt seinen Worten.

Kaiser Napoleon III.
Kaiser Napoleon III.

Um den Klerus zu gewinnen, musste er sich jedoch der vollständigen Einigung Italiens widersetzen und 1867 bei Mentana sogar mit Waffengewalt zugunsten des Papstes einschreiten, wodurch er die Dankbarkeit der Italiener verscherzte. Seine Erfolge verleiteten Napoleon III. 1862 zu der verhängnisvollen mexikanischen Expedition, mit der er das nebelhafte Ziel einer französischen Protektion über die „lateinische Rasse“ auch in der Neuen Welt verband.

Frankreich 20 Francs 1867, Napoleon III.
Frankreich 20 Francs 1867, Napoleon III.

Aber seine Berechnungen erwiesen sich dieses Mal als trügerisch. Die Eroberung Mexikos und die Errichtung eines Vasallenthrons waren nicht so leicht wie er gedacht hatte und als die USA nach Beendigung ihres Bürgerkrieges gegen die französische Intervention Protest erhoben, musste Napoleon III. Mexiko räumen und seinen Schützling, Kaiser Maximilian, 1867 preisgeben, nachdem das Unternehmen an direkten Kosten der Armee und an Anleihen für das mexikanische Kaiserreich ungeheure Geldsummen verschlungen hatte und die Armeevorräte aufgebraucht worden waren.

Bismarck und Napoleon III. 1866
Bismarck und Napoleon III. 1866

Nun musste sich Napoleon III. sogar gefallen lassen, dass Russland seine Intervention zugunsten Polens, England seinen Vorschlag eines allgemeinen Kongresses in Paris ablehnte (1863) und die Preußen im Deutschen Krieg von 1866 einen glänzenden Sieg über Österreich errangen. Es gelang ihm weder als Kompensationen für seine Neutralität deutsche Gebiete am Rhein für Frankreich erzwingen, so wie die öffentliche Meinung verlangte und nicht einmal 1867 Luxemburg zu erwerben. 

Napoleon III. und sein Sohn im großen Camp bei Chalons 1870
Napoleon III. und sein Sohn im großen Camp bei Chalons 1870

Diese Misserfolge minderten Napoleons Ansehen dramatisch. Seine Haltung war von da ab unsicher und schwankend, wozu auch sein schmerzhaftes Steinleiden beitrug. Einerseits schmiedete er unaufhörlich Pläne, um durch territoriale Erwerbungen die Nation zu befriedigen. Zu diesem Zweck reorganisierte er durch Niel die Armee und ließ sie mit dem neuen Chassepotgewehr ausrüsten.

Bismarck und Napoleon III. bei Donchery (nach der Schlacht bei Sedan)
Bismarck und Napoleon III. bei Donchery (nach der Schlacht bei Sedan)

Zudem versuchte er einen Dreibund mit Italien und Österreich gegen Preußen anstrebten. Anderseits machte er Zugeständnisse in der Innenpolitik. So sollte das am 2. Januar 1870 berufene Ministerium Ollivier Frankreich zu einem konstitutionellen Staat umbilden. Die Ergebnisse eines nun folgenden Plebiszit zeigten, dass die Zugeständnisse zu spät gekommen waren. Unter dem Eindruck der Missstimmung und Misserfolge ließ sich Napoleon III. 1870 Widerwillen vom leidenschaftlichen und unfähigen Minister des Äußern, Gramont, sowie von der Hofpartei, den Klerikalen und Reaktionären zum Krieg mit Preußen drängen (Deutsch-Französischer Krieg). 

Napoleon III. vor König Wilhelm bei Sedan am 2. September 1870
Napoleon III. vor König Wilhelm bei Sedan am 2. September 1870

Aber sein Mangel an Selbstvertrauen und seine Krankheit raubten ihm den letzten Rest von Energie und Tatkraft in der Führung der Armee, deren Oberbefehl er schon am 12. August niederlegte. Die Schlacht von Sedan, am 1. September 1870 besiegelte sein Schicksal. Nachdem „es ihm nicht gelungen, den Tod zu finden“, gab er sich kriegsgefangen, wagte aber nicht die Verantwortung für Friedensverhandlungen zu übernehmen. Noch am 2. September reiste er nach dem ihm angewiesenen Aufenthalt, Schloss Wilhelmshöhe bei Kassel, ab und begab sich nach Abschluss des Präliminarfriedens und nach seiner Absetzung durch die Nationalversammlung am 1. März zu seiner Familie nach Chislehurst in England, wo er am 9. Januar 1873 an den Folgen einer Operation starb.

Das Grabmal Napoleons III.
Das Grabmal Napoleons III.

Bildergalerie

Quellenhinweise:

  • „Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897
  • „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908
  • „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908

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