Seeschlacht bei Coronel

Die Seeschlacht bei Coronel am 1. November 1914 in zeitgenössischen Postkarten und Texten.

Die Seeschlacht bei Coronel. Die deutschen Kreuzer "Scharnhorst", "Gneisenau", "Nürnberg", "Leipzig" und "Dresden" vernichten die englischen Kreuzer "Monmouth" und "Good Hope" und beschädigen "Glasgow" schwer.
Die Seeschlacht bei Coronel. Die deutschen Kreuzer „Scharnhorst“, „Gneisenau“, „Nürnberg“, „Leipzig“ und „Dresden“ vernichten die englischen Kreuzer „Monmouth“ und „Good Hope“ und beschädigen „Glasgow“ schwer.

Am 28. Juli 1914 erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg, diese Kriegserklärung führte durch die Bündnissysteme von Entente- und Mittelmächtestaaten zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der bis November 1918 anhielt. Damit standen sich die größte Kriegsflotte, die britische Royal Navy und die zweitgrößte, die deutsche Kaiserliche Marine als Kriegsgegner gegenüber. Noch 1914 kam es zu mehreren Gefechten bei denen die jeweiligen technisch überlegen Kriegsschiffe den Sieg davontrugen. Das deutsche Ostasiengeschwader unter dem Kommando von Vizeadmiral Graf von Spee war nach der Kapitulation von Kiautschou seiner Basis beraubt und versuchte von dort aus Richtung Osten in die Heimat zu gelangen.

Maximilian Graf von Spee


Maximilian Graf von Spee

* 22.06.1861 in Kopenhagen,
† 08.12.1914 bei den Falklandinseln;
Vizeadmiral, seit 1912 Kommandant des deutschen Ostasiengeschwaders.

Das deutsche Südsee-Geschwader
Das deutsche Südsee-Geschwader

Das deutsche Ostasiengeschwader (auch Südsee-Geschwader) unter dem Kommando von Vizeadmiral Graf von Spee:
S.M.S. Gneisenau (1906)
S.M.S. Scharnhorst (1906)
S.M.S. Dresden (1907)
S.M.S. Leipzig (1905)
S.M.S. Nürnberg (1906)

S.M.S. Gneisenau, Großer Kreuzer
S.M.S. Gneisenau, Großer Kreuzer

Vor der südamerikanischen Westküste benötigt das deutsche Kreuzergeschwader Kohle und hält Kurs auf Valparaiso (Chile). Nacht für Nacht werden Funktelegramme von den britischen Kriegsschiffen „Good Hope“, „Monmouth“ und „Glasgow“ aufgefangen. Sie werden begleitet vom Hilfskreuzer „Otranto“. Der britische Verband wird von Konteradmiral Sir Christopher Cradock befehligt.

Sir Christopher Cradock

Sir Christopher Cradock
* 02.07.1862 in Hartforth (GB),
† 01.11.1914 bei Coronel (Chile);
Konteradmiral, 1914 führte er das Kommando über das 4. Geschwader der Royal Navy.

Das 4. Geschwader der Royal Navy unter dem Kommando von Konteradmiral Sir Christopher Cradock:
H.M.S. Good Hope (1901)
H.M.S. Monmouth (1901)
H.M.S. Glasgow (1909)
H.M.S. Otranto (1909)

H.M.S. Monmouth
H.M.S. Monmouth

Der deutsche Begleitdampfer „Yorck“ meldet aus Valparaiso das reichhaltige Vorhandensein von Kohle. Außerdem teilt er Einzelheiten über den Standtort der britischen Kriegsschiffe mit. Beim Näherkommen an die Küste zieht Graf Spee seine Streitkräfte zu einer breiten Aufklärungslinie auseinander. Er versteht es sich von Anbeginn alle Vorteile zu sichern. Auf Befehl des Geschwaderchefs staffelt S.M.S. Nürnberg etwa 10 Seemeilen nach Land zu heraus, um so ein Entweichen des Gegners an der Küste entlang nach Norden zu verhindern. S.M.S. Dresden folgt als Verbindungsglied. S.M.S. Leipzig schert nach Steuerbord aus um eine Rauchwolke zu erkunden.

Coronel ist eine Hafenstadt in der chilenischen Provinz Concepcion und liegt an der Araucobai. Die Stadt ist durch Bahn mit Concepcion und den Kohlengruben Curanilahue verbunden. Coronel besitzt eine Dampferstation, ist Sitz eines deutschen Vizekonsuls und hat starke Ausfuhr von Kohlen. Im Jahr 1902 leben hier 5959 Einwohner.

Die Schlacht bei Coronel am 1. November 1914. (Marinearchiv, Band II "Der Kreuzerkrieg")
Die Schlacht bei Coronel am 1. November 1914. (Marinearchiv, Band II „Der Kreuzerkrieg“)

Am 1. November 1914 um 16.17 Uhr hat man des erste mal Sichtkontakt zum Gegner, erst werden zwei, dann noch ein drittes Schiff ausgemacht. Die Briten drehen nach Westen. Um 17.20 Uhr wird ein viertes Schiff ausgemacht. Es ist Cradocks Flaggschiff, die „Good Hope“. Es setzt sich an die Spitze des Geschwaders und dreht nach Süden ab. Um 17.30 Uhr steigen die Topflaggen hoch und Cradocks Schiffe eröffnen das Feuer.

H.M.S. Good Hope. Cruiser.
H.M.S. Good Hope. Cruiser.

Um 18.33 Uhr eröffnen auch die deutschen Schiffe den Kampf und feuern. Nach der dritten Salve ist S.M.S. Scharnhorst eingeschossen. Zwischen dem vorderen 23,4 cm Geschützturm und dem Kommandoturm von H.M.S. Good Hope sitzt der erste Treffer, ein Brand bricht aus. Weitere Treffer verwandelt das Schiff in eine Fackel. S.M.S. Gneisenau schießt sich auf H.M.S. Monmouth ein und ein Treffer sprengt ihr die Turmdecke ab und bringt die Bereitschaftsmunition zum Brennen, eine gewaltige Stichflamme schlägt empor. Gegen 18.50 Uhr kann H.M.S. Monmouth seinen Platz in der Linie nicht mehr halten und schert nach Steuerbord aus. Um 19.20 Uhr verstummen ihre Geschütze und sie begann zu versinken.

Seeschlacht bei Coronel (Chile). Im Vordergrund "Scharnhorst" und "Gneisenau", hinten brennend "Monmouth". (Wohlfahrtskarte für Angehörige der Kaiserlichen Marine, A. Hubert.)
Seeschlacht bei Coronel (Chile). Im Vordergrund „Scharnhorst“ und „Gneisenau“, hinten brennend „Monmouth“. (Wohlfahrtskarte für Angehörige der Kaiserlichen Marine, A. Hubert.)

Gegen 19.23 Uhr erschüttert H.M.S. Good Hope eine gewaltige Explosion, nur noch vereinzelt fallen Schüsse. Im Schein der Brände erkennen die Deutschen, dass die letzte Explosion H.M.S. Good Hope das Vorderschiff abgetrennt hat. Im letzten Moment hatte die Briten versucht ihre Torpedos einzusetzen, aber die Schiffe des deutschen Geschwaders konnten rechtzeitig ausweichen. Gegen 20.00 Uhr geht das Schiff zusammen mit Konteradmiral Sir Christopher Cradock an Bord unter. Bereits vorher ist die „Otranto“ den Salven von S.M.S. Dresden ausgewichen und ist in westlicher Richtung davon gedampft. Auch H.M.S. Glasgow suchte sein Heil in der Flucht, S.M.S. Leipzig und S.M.S. Dresden nahmen sie gemeinsam unter Feuer und beschädigten sie schwer.

S.M.S. Scharnhorst, Großer Kreuzer

Die Nacht brach herein und der Nimbus der Unbesiegbarkeit der Briten seit Trafalgar 1805 war zerbrochen. Nach über 100 Jahren hatten die Engländer wieder eine Seeschlacht verloren. Der gesamte britische Schifffahrtsverkehr von Panama bis Punta Arenas wurde eingestellt. Die Versicherungsprämien schossen in die Höhe. Die deutschen Schiffe des Kreuzergeschwaders Graf Spee hatten nur unwesentliche Schäden erlitten, jedoch über die Hälfte ihres Munitionsvorrates verschossen und keine Aussicht auf eine Ergänzungsmöglichkeit.

Nach dem Sieg bei Coronel ließ Graf Spee die Kommandanten zu sich aufs Flaggschiff kommen. Diese Bild dürfte die letzte gemeinschaftliche Aufnahme des Admirals und der Kommandanten sein. (aus "So war die alte Kriegsmarine", Mantey)
Nach dem Sieg bei Coronel ließ Graf Spee die Kommandanten zu sich aufs Flaggschiff kommen. Diese Bild dürfte die letzte gemeinschaftliche Aufnahme des Admirals und der Kommandanten sein. (aus „So war die alte Kriegsmarine“, Mantey)

Nach dem Sieg bei Coronel lief Graf Spee mit S.M.S. Scharnhorst, S.M.S. Gneisenau und S.M.S. Nürnberg am 3. November 1914 für 24 Stunden im chilenischen Valparaiso ein und wurde dort von Einheimischen und deutschen Aussiedlern jubelnd empfangen. Einer kriegsführenden Macht war seinerzeit nur das Einlaufen von gleichzeitig 3 Kriegsschiffen in einen neutralen Hafen erlaubt. Der britische Kreuzer Glasgow entkam dank überlegener Geschwindigkeit. Nach Umschiffung der Südspitze Südamerikas wurde das Schiff im brasilianischen Regierungsschwimmdock zur Reparatur eingedockt. Es durfte dort 6 Tage bleiben. Dies war ein Neutralitätsbruch zugunsten der Entente.

Während des Aufenthalts in Valparaiso am 3. November 1914 waren Graf Spee und Offiziere der Scharnhorst, Gneisenau und Nürnberg im deutschen Klub zu Gast. Dies sind Eintragungen von ihnen im Gästebuch, von den meisten wahrscheinlich das letzte schriftliche Lebenszeichen. Sie haben sämtlich in der Falklandschlacht den Tod gefunden. (aus "So war die alte Kriegsmarine", Mantey)
Während des Aufenthalts in Valparaiso am 3. November 1914 waren Graf Spee und Offiziere der Scharnhorst, Gneisenau und Nürnberg im deutschen Klub zu Gast. Dies sind Eintragungen von ihnen im Gästebuch, von den meisten wahrscheinlich das letzte schriftliche Lebenszeichen. Sie haben sämtlich in der Falklandschlacht den Tod gefunden. (aus „So war die alte Kriegsmarine“, Mantey)

Die Freude über den deutschen Sieg währte nur kurz, da das Ostasiengeschwader am 8. Dezember 1914 in der Seeschlacht bei den Falklandinseln von überlegenen britischen Kriegsschiffen vernichtet wurde. Lediglich S.M.S. Dresden gelang die Flucht, bevor der Kleine Kreuzer am 14. März 1915 in neutralen Gewässern vor der chilenischen Robinson-Insel Juan Fernandez von britischen Kreuzer beschossen und von der eigenen Besatzung versenkt wurde.

Quellenhinweise:

  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1880
  • „Deutschlands Seemacht“ von Georg Wislicenus – Verlag Friedrich Wilhelm Grunow, Leipzig 1896
  • „Die Heere und Flotten der Gegenwart – Deutschland“ 1898
  • „Bilder aus der deutschen Seekriegsgeschichte“ von Vizeadmiral a.D. Reinhold Werner – München 1899
  • „Nauticus – Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen“ 1899-19
  • „Überall“ Illustrierte Zeitschrift für Armee und Marine, Jahrgänge
  • „Das Buch von der Deutschen Flotte“, von R. Werner, Verlag von Velhagen und Klasing – Bielefeld und Leipzig 1902
  • „Deutschland zur See“ von Victor Laverrenz, Berlin 1900
  • „Marine-Album“ Berlin 1910
  • „Deutschland zur See“ Illustrierte Wochenschrift, Zeitschrift des Vereins „Marinedank“, Berlin, Jahrgänge
  • „Der Völkerkrieg – Eine Chronik der Ereignisse seit dem 1.Juli 1914“ Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart 1914-1922
  • „Taschenbuch der Kriegsflotten“, J.F. Lehmann’s Verlag, München Jahrgänge von 1900 bis 1936
  • „Kennung der deutschen Kriegsschiffe und Torpedoboote“ – Admiralstab der Marine 1917
  • „Das Reichsarchiv“ Band 1 – 36, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1924
  • „Unsere Marine im Weltkrieg 1914-1918“ Vaterländischer Verlag Berlin 1927
  • „Deutsche Seefahrt“ – von Trotha und König, Otto Franke/ Verlagsgesellschaft Berlin – Birkenwerder 1928
  • „Marinearchiv“ Band I und II Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i.O. 1931
  • „Unsere Marine – Schiffsbilder“, Bilder der Reichsmarinesammlung im Museum für Meereskunde zu Berlin (1930)
  • „So war die alte Kriegsmarine“ von Eberhard von Mantey – Berlin 1935
  • „Die deutschen Kriegsschiffe“, Groener 1966
  • „Die Deutschen Kriegsschiffe“, Hildebrand/Röhr/Steinmetz
Kaiserliche Marine

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