Wilhelmshaven

Kriegshafen und Stadt im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Aurich, Kreis Wittmund

Wilhelmshaven 25.957 Einwohner – 1905 = 157. Platz der größten Städte des Deutschen Reichs.

Wilhelmshaven, Marktplatz
Marktplatz, Rathaus, Kirche, Reichspostamt

 

Wilhelmshaven

Wilhelmshaven ist deutscher Kriegshafen und Stadt im Königreich Preußen, Provinz Hannover, Regierungsbezirk Aurich, Kreis Wittmund, am Jadebusen, in den hier der Ems-Jadekanal einmündet.

Die Stadt liegt an der preußischen Staatsbahnlinie Oldenburg-Wilhelmshaven und hat 2 evangelische und eine katholische Kirche, Denkmäler des Kaisers Wilhelm I., des Prinzen Adalbert und Bismarcks, ein Gymnasium, eine Real-, eine Gewerbe-, eine Deckoffizier-, eine Maschinisten- und eine Steuermannsschule, ein Amtsgericht, ein Kriegs- und ein Oberkriegsgericht, eine Hochseefischereigesellschaft, einen Handelshafen, ein Elektrizitätswerk, ein Seebad. Im Jahr 1905 leben hier 26.012 Einwohner (inklusive 8227 Militärpersonen), der Großteil sind Evangelische, 3607 sind Katholiken und 103 Juden.

Den Handel unterstützt eine Nebenstelle der Reichsbank. Im Handelshafen kamen 1906 an: 890 beladene Seeschiffe zu 171.831 Registertonnen.; es gingen ab: 192 beladene Schiffe zu 193.900 Registertonnen. Wilhelmshaven ist Marinestation der Nordsee, hat eine kaiserliche Werft (Kaiserliche Werft Wilhelmshaven) mit Trockendocks, Hellingen, großen Schwimmdocks, großartigen Maschinenbauwerkstätten, Dampfhammerschmieden, Gießereien etc., ein Observatorium und eine Signalstation und ist Sitz der 2. Marineinspektion, der 2. Matrosendivision, der 2. Werftdivision, der 2. Matrosen-Artillerieabteilung, eines Artillerie- und Minendepots, einer Marine-Depotinspektion, der 2. Torpedodivision, des 2. Seebataillons, des 3. Stamm-Seebataillons, einer Kommandantur, des 5. Bezirksküstenamts etc.

Wilhelmshaven entstand, nachdem Preußen 1854 ein Gebiet von 1079 Hektar zur Anlage eines Kriegshafens von Oldenburg gekauft hatte. Am 17. Juni 1869 fand, im Beisein König Wilhelms I. und einer englischen Abordnung, die feierliche Einweihung des Kriegshafens, der Gründung der Marinebasis Wilhelmshaven statt. Die Wahl der Jadebucht als Kriegshafen lag auf der Hand: kein Handelsverkehr wie in den Flussmündungen konnte die Tätigkeit der Kriegsflotte hindern oder durch sie gehindert werden. Die vorgelagerten Sandbänke erschwerten zwar das Navigieren, stellten jedoch gleichzeitig einen natürlichen Schutz dar, der außerdem durch Befestigungen am westlichen Ufer verstärkt wurde. Am 21. September 1871 erfolgte die Bildung einer Torpedo-Abteilung als Keimzelle des Torpedowesens der Kaiserlichen Marine. Die evangelische Marine-Gedächtniskirche wird am 19. Mai 1872 eingeweiht. Im Jahre 1873 wurde Wilhelmshaven um 109 ha vergrößert und erhielt am 4. August des gleichen Jahres die Stadtrechte.